Maria Rieschs Sieg im Gesamt-Weltcup ist verdient. Dabei musste sie nicht nur skifahrerische Fähigkeiten zeigen. Ein Dreikampf winkt.

Als die Entscheidung fest stand, kochte Lindsey Vonn vor Wut und verweigerte Maria Riesch die Gratulation.

Sie sprach von Unfairness und forderte die FIS nach der Absage des letzten Saisonrennens gar auf, das Weltcup-System zu überdenken.

Sicherlich wäre ein letzter Showdown um den Gesamt-Weltcup zwischen Lindsey Vonn und Maria Riesch für die Fans spannender gewesen.

Aber fest steht: Verdient hat Riesch die große Kristallkugel allemal.

Auch wenn es am Ende nur drei Punkte Differenz waren - Riesch erwies sich die ganze Saison über als die kompletteste Fahrerin. In vier Disziplinen stand sie ganz oben auf dem Podest, im Riesenslalom fuhr sie einmal auf Rang zwei.

Während sich Riesch in den Speed-Disziplinen auf dem gleichen Niveau wie Vonn befand, war sie der Amerikanerin in den technischen Bewerben sogar ein Stück voraus.

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Rennabsagen gehören bei der Freiluftsportart Ski Alpin aber dazu, und werden immer dazu gehören.

Auch Riesch musste in diesem Winter den Ausfall von technischen Bewerben verkraften. Letztlich gleicht sich das über eine gesamte Saison aus. Vonn sollte dies sportlich anerkennen. Für die Wetterkapriolen an sich ist weder die FIS noch Konkurrentin Riesch verantwortlich zu machen.

Die Partenkirchnerin sprach - als der Triumph feststand - von ihrem sportlich größten Erfolg. Zurecht.

Während ein Fahrer bei Olympiasiegen oder Weltmeistertiteln nur an einem bestimmten Tag Topform haben muss, gilt es beim Kampf um den Gesamt-Weltcup, die ganze Saison über in jedem Rennen ein hohes Niveau zu halten.

Dies ist Riesch gelungen - und das trotz aller Widrigkeiten und Attacken aus dem Vonn-Lager.

Und die gab es gegen Ende der Saison reichlich. In Spindlermühle zeigten die Sticheleien und kleinen Tricks tatsächlich Wirkung. Das Blatt schien sich tatsächlich zu wenden.

Doch wie oft bewies sie im - wie sich herausstellte - entscheidenden Slalom ihre nun schon berühmten "Stehauf"-Fähigkeiten und zog wieder an Vonn vorbei.

Zurück bleibt neben einer zerbrochenen Freundschaft auch die Erinnerung an einen Zweikampf, wie ihn der Skisport schon lange nicht mehr erlebt hat. An Spannung war das Duell zwischen Vonn und Riesch gegen Ende nicht mehr zu überbieten.

Für die zusätzliche verbale Schärfe sorgte immer wieder die Amerikanerin.

Im nächsten Jahr könnte es mit dem Zweikampf allerdings vorbei sein.

Denn Tina Maze deutete in den letzten Saisonrennen an, dass mit ihr im Bewerb um die große Kugel zu rechnen sein wird. Auch in der Abfahrt gehört die Slowenin nun zu den Siegkandidatinnen.

Aus dem Zweikampf um die Krone wird im nächsten Winter wohl ein Dreikampf werden.

Und auch der nächste Zoff scheint dann vorprogrammiert. Ein Schweizer Boulevardmagazin wählte Maze kürzlich zur größten Zicke der Ski-WM.

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