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Hermann Maier gewann bei Olympia 1998 in Nagano Gold in Super-G und Riesenslalom © getty

Österreich feiert Hermann Maiers Weltcup-Sieg wie eine religiöse Erfahrung. Der "Herminator" selbst kann sein Glück kaum fassen.

Lake Louise - Mitte November hatte Hermann Maier noch gegrübelt, ob er sich überhaupt ins Flugzeug nach Nordamerika setzen sollte.

Der Rücken schmerzt, seit Mitte Oktober schon quält den schier unverwüstlichen "Herminator" ein vier Millimeter langer Riss in der Bandscheibe zwischen den Lendenwirbeln vier und fünf.

Und "noch vor zehn Tagen", sagte er am Sonntag scherzhaft und zugleich erkennbar gerührt, "habt's mich ja ins Auto heben müssen."

Der Sprung auf das Siegerpodest gelang dem Ski-Opa am Sonntag dann allerdings ohne fremde Hilfe.

"Einer der schönsten Tage"

Fast drei Jahre nach seinem 53. Weltcup-Sieg bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen glückte Maier eine Woche vor seinem 36. Geburtstag der 54. Weltcup-Sieg (Rennbericht) .

Ein Erfolg, für den er sich geschunden, den aber auch er nicht unbedingt erwartet hatte bei seinem 254. Weltcup-Start.

"Das ist einer der schönsten Tage meiner Laufbahn", sagte er mit feuchten Augen.

Biblische Vergleiche

Daheim in Österreich verneigten sie sich wieder einmal voller Ehrfurcht vor dem Mann, den sie bisweilen auch den "Heiland" nennen.

Von "Maiers Auferstehung" schrieb passend dazu der "Kurier", von einem "neuen Wunder" die "Kronenzeitung", bei einer "unheimlichen Rückkehr" beließ es die "Presse"39743(DIASHOW: Maiers Karriere in Bildern).

Maier selbst bekannte: "Ich bin fassungslos." Für jeden Trainingstag, sagte er, benötige er derzeit fünf, um sich zu erholen. Zweimal am Tag schluckt er Schmerzmittel.

Überraschender Zeitpunkt

Überraschend war aber weniger die Tatsache, dass Maier noch gewinnen kann, sondern vielmehr der Zeitpunkt.

Bereits vor der Saison hatte er rangeklotzt, mit Schnellkrafttraining brachte er seinen geschundenen Körper zum ersten Mal seit seinem Motorradunfall im August 2001 wieder richtig in Schuss.(Mehr zum österreichischen Wintersport)

"Ich war seit langem wieder mal in perfekter körperlicher Verfassung, vieles ging auf einmal wieder spielerisch", berichtete der Doppel-Olympiasieger von 1998.

"Man bekommt Visionen"

Die Leichtigkeit hatte schließlich auch Hoffnungen bei Maier geweckt. "Wenn es so perfekt läuft wie bei mir im August in Chile, bekommt man natürlich Visionen", gestand er.

Die Verletzung, die er dann am 13. Oktober beim Training auf dem Mölltaler Gletscher erlitt, warf ihn weit zurück: "Das war, als wenn man einen Stromausfall hat."

Irgendwie und irgendwo scheint der "Herminator" ein Überbrückungskabel gefunden zu haben.

Das große Fieber fehlt

Tatsächlich fuhr Maier die Konkurrenz in Grund und Boden, der zweitplatzierte Kanadier John Kucera lag schon 0,59 Sekunden zurück, Didier Cuche aus der Schweiz als Dritter bereits 0,68 Sekunden.

"Ich muss eben aus dem Wenigen das Beste machen", sagte Maier und behauptete: "Ich bin im vergangenen Monat so wenig Ski gefahren, dass das ganz große Rennfieber sicher fehlt."

"Ansatzweise der alte Hermann Maier"

Tatsächlich wirkte Maier zuletzt sehr gelassen. Das mit dem fehlenden Rennfieber dürfte sich nun aber erledigt haben.

"Das ist ansatzweise der alte Hermann Maier", versicherte der Maier vor der Abreise zu den Rennen nach Beaver Creek in den USA.

Und der "alte Hermann Maier" ist vor allem dadurch zu Ruhm und Ehre gekommen, dass er jedes Rennen gewinnen wollte.

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