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Maria Riesch feiert ihren achten Weltcup-Sieg © getty

Mit ihrem achten Weltcup-Sieg überdeckt Maria Riesch die Misere im deutschen Lager. Im Team kann nur die Garmischerin gewinnen.

Semmering - Als Maria Riesch am "Zauberberg" von Semmering die Arme zum Jubel hoch riss, verspürte auch Wolfgang Maier einen Hauch Magie.

"Das war imponierend. Maria bringt derzeit sehr ansprechende Leistungen, da kann ich nur den Hut ziehen", sagte der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV) über seine beste Athletin.

Doch auch Rieschs achter Weltcup-Sieg (DATENCENTER: Ergebnisse Semmering) kann die nach wie vor offenkundigen Defizite der Alpinsparte nur mühsam überdecken.

Winter zum Vergessen

Zum Ende eines jeden Jahres wird traditionell bilanziert. Auch die Ski-Rennläufer tun das - obwohl sie mitten in einer WM-Saison stehen. ad

Und Maiers Resümee fällt nicht durchweg positiv aus. Die Entwicklung bei den Herren stockt, Felix Neureuther erlebt bisher einen Winter zum Vergessen.

Und bei den Frauen erfüllt nur Riesch die Erwartungen voll. "Wir haben mit Maria eine Monostruktur in der Mannschaft und sind nicht da, wo wir hin wollten", sagt Maier.

"Nicht draufprügeln"

Speziell beim Nachwuchs sei es "nicht so gegangen wie erhofft", pflichtet Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold bei.

Er will zwar auf die jungen Athletinnen "nicht draufprügeln", betont aber auch: "Es gibt Rennläuferinnen wie Maria und solche, die sich schwer tun, ihr Leistungsvermögen umzusetzen. Da haben wir einige."

Hölzl unkonstant

Riesenslalom-Ass Kathrin Hölzl scheitert immer wieder daran, ihre herausragenden Trainingsleistungen im Wettkampf zu zeigen, das Slalom-Team fährt insgesamt zu wenig konstant.

Im Speed-Bereich steht Riesch nur Gina Stechert bei. "Einige wissen überhaupt nicht, was für einen coolen Beruf sie haben. Die sind nicht mit Herz und Seele dabei und glauben, sie verpassen was", kritisiert Maier.

Menschliche Entwicklung

Anders Maria Riesch. Ihr attestiert Maier "eine Entwicklung, auch menschlich. Sie betrachtet ihren Sport nun zielgerichteter, professioneller."

Den Lohn erntete Riesch in Semmering mit ihrem zweiten Slalom-Sieg in Folge, dem roten Trikot der Disziplinbesten und Rang zwei im Gesamtweltcup hinter Lindsey Vonn (USA).

"Das hätte ich mir nie träumen lassen. Es ist genial und außergewöhnlich, dass ich so ins neue Jahr gehe. Ich bin überglücklich", sagt Riesch.

Schon beim Slalom am Sonntag in Zagreb könnte Riesch Vonn mit einem weiteren Erfolg von der Spitzenposition verdrängen. "Es wird brutal schwierig, die große Kristallkugel zu gewinnen", sagt Riesch, "aber ich bin mit Lindsey schon halbwegs auf Augenhöhe."

"Nicht ganz sicher"

Riesch als Vorbild für den Rest?

"Wir sind nicht ganz sicher, wie wir die anderen ans Limit bringen können", sagt Maier, jeder Athlet erfordere eine auf ihn zugeschnittene Behandlung.

Doch Maier sieht gute Ansätze. Auf Neureuther ("er fährt weltklasse") lässt er ohnehin nichts kommen und auch Speedfahrer Stephan Keppler sieht er nach dessen Kreuzbandverletzung im Soll.

Bei den Frauen hat er Hoffnung, dass die Monostruktur bald überwunden ist. Hölzl könne "sensationell gut Ski fahren", und die Nachwuchs-Asse Viktoria Rebensburg und Marianne Mair "können Killer werden".

Und irgendwann wie Riesch jubeln.

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