vergrößernverkleinern
Schild gewann in ihrer Karriere 33 Weltcups, darunter eine Kombi und einen Riesenslalom © getty

Marlies Schild dominierte 2011 ihre Disziplin. Die Konkurrenz kapituliert, Höfl-Riesch nimmt sich die Österreicherin zum Vorbild.

Von Rainer Nachtwey

München/Zagreb - Die Krone auf dem Haupt, das rote Trikot der Gesamtführenden schmückt den Oberkörper, die Ski in der Hand wie ein Zepter strahlt sie vom obersten Podest, das in einen Thron umgewandelt wurde.

Ein Jahr ist dieser Moment von Zagreb nun her, aber an ihrer Vormachtstellung hat sich nichts geändert.

Marlies Schild ist die beherrschende Skiläuferin im Slalom.

Zehn Weltcup- und ein WM-Rennen nahmen die Slalom-Fahrerinnen im Jahr 2011 in Angriff, achtmal hieß die Siegerin Marlies Schild - zuletzt beim Jahresabschluss in Lienz (Bericht). Einzig beim zweiten Slalom des Jahres in Flachau schied sie aus und beim Weltcup-Finale in der Lenzerheide musste sich die Österreicherin der Slowenin Tina Maze geschlagen geben.

Schild als Vorbild

Und Schild gewann nicht nur, sie demoralisierte die Konkurrenz mit schier unfassbaren Vorsprüngen. (DATENCENTER: Ski Alpin 2011/2012)

Selbst Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch erkennt Schilds Überlegenheit an und nimmt sich die 30 Jahre alte Salzburgerin zum Vorbild.

"Ich werde Videos von Marlies schauen und genau so fahren. Letztes Jahr war sie oft in einer eigenen Liga, das hat sie heute wieder gezeigt", sagte die Weltmeisterin von 2009 nach dem Slalom-Saisonauftakt in Aspen, den Schild mit 1,19 Sekunden Vorsprung auf Maria Pietilä-Holmner und fast 2 Sekunden auf Höfl-Riesch gewann.

Profit aus Fehlern

In Courchevel setzte die Lebensgefährtin von Österreichs Skistar Benjamin Raich dann noch einen drauf, distanzierte die zweitplatzierte Finnin Tanja Poutiainen um 1,87 Sekunden - Welten im alpinen Skisport.

"Es funktioniert derzeit alles wie am Schnürchen, es ist alles sehr schön", freut sich Schild über ihre aktuelle Verfassung.

Und die Kontrahentinnen staunen über Schilds Konstanz in der ausfallgefährdeten alpinen Disziplin. "Sie lässt sich einfach nicht aus dem Konzept bringen, fährt jeden Schwung perfekt. Marlies holt sogar aus kleinen Fehlern einen Profit", lobt Michaela Kirchgasser ihre ÖSV-Teamkollegin.

Es klingt, als habe Schilds Konkurrentin aufgegeben, begnüge sich damit, den Abstand so gering wie möglich zu halten: "Es ist schwierig für uns, dran zu bleiben. Aber wir versuchen es weiter."

Trümmerbruch des Schien- und Wadenbeins

Und die Slalom-Elite kann sich auch nicht darauf verlassen, dass bei der Weltmeisterin von Garmisch-Partenkirchen aufgrund ihrer Dominanz den Schlendrian Einzug hält.

Auf 31 Slalom-Weltcupsiege kommt Schild in ihrer Karriere - nur noch drei fehlen zur Bestmarke von Vreni Schneider. "Natürlich ist das im Kopf, ich will die Schneider-Marke einmal erreichen", gesteht Schild.

Dabei schien diese Marke vor drei Jahren so utopisch zu sein wie Österreich als Fußball-Weltmeister.

Beim Training zum Saisonauftakt stürzte sie beim Riesenslalom-Training auf dem Rettenbachferner. Das niederschmetternde Ergebnis: Trümmerbruch des Schien- und Wadenbeins und Fraktur des Schienbeinkopfes.

Ihre Karriere hing am seidenen Faden.

"Teil meiner Lebensgeschichte"

Doch Schild gab nicht auf, kämpfte sich zurück bis ganz nach oben. Von den 23 Slaloms in Weltcup, Olympischen Spielen und WM nach ihrer Rückkehr gewann sie 14, belegte dreimal Rang zwei.

"Ich habe das Beste daraus gemacht, auch wenn es nicht immer einfach war. Aber ich habe das Positive für mich genützt und heute gehört das zu mir, ist Teil meiner Lebensgeschichte", sagt sie bei "LAOLA1.at".

Und der Horror-Sturz am 9. Oktober 2008 brachte sie auch weiter. "Erst nach dem Unfall war ich reif für Gold", bilanzierte sie nach dem WM-Titel am Gudiberg.

Gesamtweltcup verspielt

Der Gewinn der Goldmedaille hat Schild mental gestärkt: "Die Goldene hat mich lockerer gemacht", sagt sie.

Silber bei der WM in St. Anton 2003, Silber bei der WM 2007 in Are, den Sieg im Geamtweltcup 2006/2007 in den letzten beiden Rennen in der Lenzerheide verspielt, als ihre Mannschaftskameradin Nicole Hosp mit zwei Siegen in Slalom und Riesenslalom sie noch von der Spitze verdrängte - bei den Großevents machten ihr die Nerven ein Strich durch die Rechnung.

"Davor hat es immer geheißen, dass ich keine Nerven habe. Ich war zwar immer der Meinung, dass das nicht so ist, aber Garmisch hat mich in meiner persönlichen Entwicklung einen großen Schritt weiter gebracht."

Heim-WM asl Ziel

Das nächste große Ziel hat sie sich mit der Titelverteidigung bei der Heim-WM 2013 in Schladming gesetzt. Ob sie danach ihre Karriere bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi fortsetzt, lässt sie noch offen.

Aber eines fehlt ihr nach dem grandiosen Comeback noch: Olympia-Gold.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel