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Maria Höfl-Riesch debütierte 2001 im Weltcup und errang seitdem 21 Weltcup-Siege © getty

Die ernüchternde Bilanz der deutschen Ski-Frauen soll beim Heim-Weltcup verbessert werden. Stauffer hofft auf Höfl-Riesch.

München/Garmisch-Partenkirchen - Es bereitet Maria Höfl-Riesch etwas Unbehagen, die Rennen am kommenden Wochenende in Garmisch-Partenkirchen als "meinen Heim-Weltcup" zu bezeichnen.

"Ich wohne ja jetzt in Kitzbühel", sagt die Doppel-Olympiasiegerin verlegen lächelnd. Cheftrainer Tom Stauffer dagegen erwartet von Höfl-Riesch gerade wegen der Heimkehr Außergewöhnliches.

"Für die Maria", sagt er, sei Garmisch "etwas ganz Besonders, ihre Motivation ist damit noch einen Tick höher als sonst". Und auch die Strecke dort liege ihr.

Richtiger Zeitpunkt für Heim-Weltcup

"Heim-Weltcup" oder nicht - für Höfl-Riesch, aber auch für Stauffer kommen Abfahrt und Super-G in der Marktgemeinde genau zum richtigen Zeitpunkt.

Nach einem äußerst wechselvollen Verlauf des Weltcup-Winters scheint sich das Team um Stauffer, vor allem aber seine Vorzeige-Fahrerin, pünktlich zum Start in die zweite Saisonhälfte gefangen zu haben.

Höfl-Riesch feierte beim 19. Start am vergangenen Sonntag den ersten Sieg (Bericht), und mit Viktoria Rebensburg hat sich zuletzt auch die zweite Olympiasiegerin auf hohem Niveau zurückgemeldet (DATENCENTER: Ski Alpin 2011/2012).

Schwere Wochen mit viel Kritik

"Für Viki ist im Riesenslalom ein Sieg jederzeit möglich, und auch Maria kann weitere Rennen gewinnen", sagt Stauffer über die restlichen Rennen bis Mitte März.

Hinter Stauffer und seinen Athletinnen aber liegen schwere Wochen, vor allem an Höfl-Riesch hagelte es bisweilen scharfe Kritik.

Zur Saison-Halbzeit hat Stauffers Team zwei Siege und insgesamt neun Podestplätze eingefahren, 2011 waren es zum gleichen Zeitpunkt fünf Erfolge und stolze 17 Podestplätze.

Dieser vermeintliche Rückschritt hat gute Gründe.

Erkältungen und Verletzungspech

An Höfl-Riesch zehre noch die Belastung der Vorjahre, meint Stauffer, auch deshalb sei sie "etwas langsamer in Fahrt gekommen".

Rebensburg hatte zuletzt mit Erkältungen zu kämpfen, stand jedoch schon einmal häufiger auf dem Podium als im Vorjahr.

Außerdem fehlen Stauffer einige Athletinnen, die verletzt oder nach Verletzungen/Erkrankungen noch nicht wieder soweit sind, allen voran die frühere Weltmeisterin Kathrin Hölzl und Höfl-Rieschs Schwester Susanne.

"Durch diese Saison müssen wir durch", sagt Stauffer deshalb leicht zerknirscht.

Keine Angst vor der Zukunft

Von Frust will er gleichwohl nicht sprechen. Wenn die Verletzten im Speed wieder zurückkehrten, sei seine Truppe im kommenden Winter "sehr viel besser aufgestellt".

Und auch bei den Technikerinnen ist ihm "für die nächsten Jahre nicht bange", schließlich hätten, bei aller berechtigter Kritik, Talente wie Lena Dürr in diesem Jahr den nächsten Schritt gemacht.

Eine neue Siegfahrerin könne er allerdings trotz einiger hoffnungsvoller Talente nicht versprechen, sagt er.

Ohnehin müsse der Deutsche Skiverband (DSV) im Nachwuchsbereich "ein bisschen aufpassen, da haben wir nicht so viele", betont Stauffer.

"Das Podest ist immer drin"

Speziell um diesen Bereich will er sich künftig noch intensiver kümmern, daher will er auch mindestens bis 2014 beim DSV arbeiten, wie er versichert.

Sein Tagesgeschäft bleibt jedoch der Weltcup - und da steht nunmal vor allem Höfl-Riesch im Blickpunkt.

"Das Podest ist immer drin", sagt er über sie, wohl wissend, dass Siege angesichts der Überlegenheit von Lindsey Vonn in den Speed-Rennen und der Österreicherin Marlies Schild im Slalom äußerst schwer zu erringen sind.

Im vergangenen Winter hatte Höfl-Riesch bis Ende Januar bereits vier Rennen gewonnen, bei 21 Starts stand sie insgesamt elfmal auf dem Podium.

Patzer der Konkurrenz nutzen

Auch wenn die erfolgreiche Titelverteidigung im Gesamtweltcup bei nun 554 Punkten Rückstand auf Vonn kaum mehr realistisch sei, denkt Stauffer "nicht, dass Maria viel schlechter geworden ist als letztes Jahr".

Deshalb nimmt er sie für die noch 17 Wettbewerbe in die Pflicht. Wenn Schild oder Vonn patzten, "muss Maria ihre Chance nutzen", sagt er.

Am besten schon in Garmisch.

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