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Von ihren 21 Weltcup-Siegen feierte Maria Höfl-Riesch drei im Super-G © getty

Beim Super-G in Garmisch nutzt die Olympiasiegerin die Ausfälle der Konkurrenz nicht und verpasst den Sprung aufs Podest.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Maria Höfl-Riesch sieht auf die Anzeigentafel, dann geht ihr Blick Richtung Publikum.

Die Arme hängen herunter, ihr Gesicht ist von der vor der Kälte schützenden Maske verdeckt, eine Reaktion ist nicht zu erkennen.

"Es war zweimal ganz okay, aber ein bisschen traurig bin ich schon", fiel das Fazit der letztjährigen Gesamtweltcupsiegerin nach dem Heimspiel in Garmisch-Partenkirchen aus: "In beiden Rennen wäre mehr drin gewesen."

Und auch DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier meinte: "Unser Anspruch war das Podium."

Nach Rang vier in der Abfahrt am Vortag (Bericht) reichte es auch beim Super-G nicht zum angestrebten Podestplatz. Wieder Vierte, wieder geschlagen von einer Amerikanerin, und wieder von Tina Weihrather.

Mancuso drohte Disqualifikation

Nur hieß die Siegerin diesmal Julia Mancuso, die sich in 1:20,50 Minuten 0,13 Sekunden vor Anna Fenninger aus Österreich und der Liechtensteinerin Weihrather (+0,45) platzierte (DATENCENTER: Ski Alpin 2011/2012).

"Es ist ärgerlich, weil nur eine Zehntelsekunde gefehlt hat", meinte Höfl-Riesch, "aber bei einem Großereignis wäre ein vierter Rang weit ärgerlicher gewesen."

Dabei hätte es fast doch noch zu einem Platz auf dem "Stockerl" gereicht. Da Mancuso ihre Skier im Ziel vor der roten Linie abgeschnallt hatte, drohte eine Disqualifikation.

FIS-Renndirektor Atle Skardal entschied jedoch "im Sinne des Sports", zumal kein Team Protest eingelegt hatte. Mancuso droht nun eine Geldstrafe. "Das kann ich gut verschmerzen", sagte die Amerikanerin lachend.

Die Regel hatte 1997 für Aufsehen gesorgt, als Hermann Maier in Val d'Isere der Sieg dadurch aberkannt worden war.

Vonns Vorlage bleibt ungenutzt

Wie am Vortag bei der Abfahrt hatte Höfl-Riesch die Gründe schnell analysiert. An der Schlüsselstelle, der Einfahrt zur Hölle, war die Doppel-Olympiasiegerin nicht aggressiv genug.

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"Da, wo alle ausgeschieden sind, habe ich zu viel in die Linie investiert", sagte sie. "Dabei hat es mir noch die Skier verschlagen."

Dennoch fand sie auch Positives aus dem Wochenende an der Kandahar: "Immerhin nehme ich 100 Punkte für den Gesamtweltcup mit. Es war eine super Woche hier in Garmisch."

Allerdings nutzte Höfl-Riesch die Vorlage von Speed-Dominatorin Lindsey Vonn nicht, die nach einem Fehler in der FIS-Schneise ausschied. Dabei hatte Damen-Trainer Thomas Stauffer vor dem Wochenende noch gefordert: "Wenn Vonn mal ausfällt, muss Maria ihre Chance nutzen."

Auch Rebensburg mit Problemen

Immerhin machte sie im Kampf um den Platz hinter Vonn in der Gesamtwertung Punkte auf Tina Maze gut.

Die Slowenin schied im Super-G ebenso aus wie Vonn, die auf der Abfahrt ihren 50. Weltcupsieg gefeiert hatte.

Der schwere vom französischen Trainer Nicolas Burtin gesteckte Kurs bereitete auch den beiden weiteren deutschen Starterinnen Viktoria Rebensburg und Veronique Hronek große Probleme.

Hronek fuhr nach einem Fehler in der FIS-Schneise am Tor vorbei, Rebensburg kam bei der Einfahrt in die Hölle "fast zum Stehen", beendete das Rennen als 20.

Ohne Bikini nach Andorra

Dass drei der vier vor ihr gestarteten Fahrerinnen bei der Schlüsselstelle ausgeschieden waren, hatte die Riesenslalom-Olympiasiegerin nicht mitbekommen. "Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mich darauf vorbereiten können", meinte sie.

Nach drei Ausfällen im Super-G in Folge konnte sich die 22-Jährige vom Tegernsee immerhin über Punkte freuen.

Und über voraussichtlich angenehmere Temperaturen als die -22 Grad Celsius am Samstag und -14 am Sonntag beim kommenden Weltcup in Soldeu in Andorra: "Einen Bikini werde ich dort aber auch nicht brauchen", scherzte Rebensburg.

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