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Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg gab im Dezember 2006 ihr Weltcupdebüt © getty

Nach den missglückten Speedrennen in Garmisch warten auf die Olympiasiegerin zwei Rennen in ihrer Paradedisziplin.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Platz zwei blinkt auf der Anzeigentafel auf.

In Führung liegt Tina Weirather aus Liechtenstein, der Shooting Star der letzten Speed-Wettbewerbe.

Dennoch freut sich Viktoria Rebensburg nicht. Die Arme hängen herunter, gehen kurz nach oben und sacken dann wieder herunter, deuten an: "Es hat nicht sollen sein."

Platz zwei war es nach fünf Läuferinnen, von denen drei das Ziel beim Super-G in Garmisch-Partenkirchen nicht gesehen hatten.

"Gerne mehr gezeigt"

Und vor allem der Abstand auf die später drittplatzierte Weirather betrug nach etwas über 80 Sekunden Fahrzeit 1,37 Sekunden.

"Ich hätte sehr gerne mehr gezeigt", sagte Rebensburg nach dem enttäuschenden 20. Platz (BERICHT: Zweimal Blech: Höfl-Riesch unter dem Soll).

Schwerer Fehler in der Hölle

Den Rückstand konnte sie sich diesmal erklären. Ein schwerer Fehler bei der Einfahrt in den Streckenabschnitt Hölle.

Tags zuvor bei der Abfahrt hatte sie noch rätselnd im Zielraum gestanden. "Mit der Fahrt bin ich eigentlich soweit zufrieden. Ich muss analysieren, woher der Zeitverlust kam", hatte sie nach Rang 21 und einem Rückstand von 2,68 Sekunden gesagt.

21. und 20. - zwei Ergebnisse, die Alpindirektor Wolfgang Maier ebenfalls nicht schmeckten.

"Von der Vicky hatte ich mir mehr erwartet", sagte der einstige Damen-Cheftrainer, mahnte aber zugleich zur Geduld: "Man muss Geduld mit ihr haben. Es dauert, bis sie die Kunst der langen Schwünge hinbekommt."

Endlich wieder Punkte

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Immerhin gelang Rebensburg beim Heim-Weltcup ihre beste Saisonplatzierung im Super-G.

Nach Platz 25 in Lake Louise folgten Ausfälle in Beaver Creek, Bad Kleinkirchheim und Cortina d'Ampezzo, auch wenn sie während der Rennen mit Zwischenbestzeiten aufhorchen ließ.

Nun also der 20. Platz in Garmisch - und endlich wieder ein paar Punkte für die Weltcup-Gesamtwertung.

"Noch im Lernprozess"

Sorgen macht sich Maier dennoch nicht um seine erst 22 Jahre alte Vorzeigeathletin im Riesenslalom.

"Von der Psyche ist sie sehr stabil", sagt er. "Da sehe ich keine Probleme."

Zumal auch Rebensburg trotz ihrer zwei vierten Plätze bei den Abfahrten in Lake Louise weiß: "In den Speeddisziplinen bin ich immer noch in einem Lernprozess."

Klirrende Kälte, aggressiver Schnee

Außerdem waren die Voraussetzungen in Garmisch-Partenkirchen mit klirrender Kälte zwischen -22 Grad Celsius am Samstag und -14 am Sonntag sowie sehr aggressivem Schnee, der viel Feingefühl erforderte, alles andere als gut.

"Es waren schon sehr spezielle Bedingungen. Da braucht man Erfahrung", gab sich Rebensburg einsichtig - Erfahrung, die sie noch nicht hat.

"Im Riesenslalom mag ich den aggressiven Schnee, aber im Speedbereich habe ich damit noch Probleme."

Zweimal Paradedisziplin

Dass ihr diese Bedingungen eigentlich liegen, kann sie schon ab kommenden Freitag (ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) unter Beweis stellen, wenn sie in ihrer Paradedisziplin Riesenslalom in Andorra an den Start geht.

Zwei Riesentorläufe warten auf das Fahrerinnen-Feld, das Rebensburg nach einem 2. Platz in Sölden, einem 1. in Beaver Creek, einem 4. in Lienz und einem 3. in Kranjska Gora anführt.

"Für die Vicky ist im Riesenslalom ein Sieg jederzeit möglich", ist Damen-Cheftrainer Thomas Stauffer überzeugt.

Um sich auf die Rennen im Pyrenäen-Ort vorzubereiten, verzichtete Rebensburg zuletzt sogar auf die Weltcups in St. Moritz.

Kleine Kugel als Saisonziel

Denn diese Saison heißt ihr Ziel: Die kleine Kugel für die beste Riesenslalomfahrerin verteidigen.

Und laut Maier und Stauffer gibt es eine andere Vorgabe auch gar nicht. Zwar lobt Maier bei jeder Gelegenheit Rebensburgs Potenzial in den Speeddisziplinen, aber Stauffer bremst: "In zwei Jahren soll sie um den Gesamtweltcup mitfahren."

Vielleicht jubelt sie ja über einen zweiten Platz, wenn sie sich dann mit Tina Weirather um die große Kristallkugel duelliert.

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