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Felix Neureuther gab 2003 sein Debüt im Weltcup und holte bislang zwei Weltcup-Siege © imago

Vor dem Weltcup in Bansko kartet Felix Neureuther SPORT1 in der Einfädel-Affäre nach und spricht sich gegen die Super-Kombi aus.

Von Andreas Kloo

München - Felix Neureuther hatte eine Menge Ärger zu verdauen, und konnte eigentlich nur wenig dafür.

In Kitzbühel wurden Vorwürfe laut, dass er und der Österreicher Marcel Hirscher beim Rennen in Zagreb trotz Einfädlern nicht disqualifiziert worden waren.

Die Vorwürfe wurden mittlerweile widerlegt, gingen aber Neureuther an die Nieren und störten wohl auch seine Konzentration in Kitzbühel und Schladming.

Bei beiden Rennen ging er leer aus. (Bericht: Einfädler-Affäre bringt Neureuther aus dem Konzept)

Vorfreude auf Russland

Um so wichtiger war für ihn die dreiwöchige Weltcup-Pause.

Er nutzte die Zeit für Termine wie den eines Sponsors (Erdinger Alkoholfrei).

Dort traf ihn SPORT1 zum Interview. Dabei gab er sich hochmotiviert für die Weltcup-Rennen im bulgarischen Bansko (Sa, ab 9 Uhr im LIVE-TICKER) und den Parallelslalom in Moskau (Di., ab 17 Uhr im LIVE-TICKER).

Vor allem das Stadtrennen in der russischen Hauptstadt reizt ihn.

"Die Stimmung dort ist schon etwas ganz Besonderes, auch weil die Fans so nah am Geschehen sind", sagt er über seine Vorfreude.

Außerdem fordert er im SPORT1-Interview von der FIS Verbesserungen beim Einfädel-Thema und bringt einen revolutionären Vorschlag.

SPORT1: Herr Neureuther, Sie standen zuletzt im Zentrum der Einfädel-Affäre. Konnten Sie in der Weltcup-Pause den Ärger ein wenig verdauen?

Felix Neureuther: Die Pause war definitiv nötig. Ich brauchte Zeit, um ein bisschen runterzukommen. Ich bin ein paar Tage überhaupt nicht Ski gefahren, und habe erst dann wieder langsam angefangen, mich auf die nächsten Rennen vorzubereiten. Die Pause hat aber gut wirklich gut getan.

SPORT1: Ihr amerikanischer Kollege Ted Ligety hat im Zuge der Einfädel-Affäre einen interessanten Vorschlag gemacht. Er ist dafür, jedem Fahrer einen Einfädler pro Rennen zu erlauben. Was halten Sie von dieser Idee?

Neureuther (lacht): Für Ted und mich wäre das natürlich nicht schlecht. Aber im Ernst, ich denke, dass man seine Forderung nicht zu hoch hängen sollte. Was definitiv geschehen muss, ist, dass man die Einfädler einfacher erkennt. Die FIS muss in Zukunft schneller reagieren. Damit wäre schon viel gewonnen.

SPORT1: Was genau könnte man tun?

Neureuther: Man sollte das Rennen aus mehreren Blickwinkeln aufnehmen, so dass man eventuelle Einfädler genau feststellen kann. Bei mir war es in Schladming so, dass ich noch die Strecke für den zweiten Durchgang besichtigt habe. Erst danach hat mir die Rennleitung gesagt, dass ich disqualifiziert sei, weil ich zwei Zentimeter mit der Bindung über die Stange gerutscht bin. So etwas kann nicht sein, auch im Sinne der Athleten (DATENCENTER: Ski Alpin Ergebnisse).

SPORT1: Die Höhepunkte der Saison mit den Klassikern Kitzbühel und Wengen und dem Nachtslalom in Schladming sind nun vorbei - ohne Erfolgserlebnisse Ihrerseits. Sind Sie dennoch weiter motiviert? Welche Ziele bleiben jetzt noch?

Neureuther: Ich bin auf alle Fälle noch motiviert. Ich bin momentan Siebter in der Slalom-Wertung. Nächstes Jahr steht eine WM-Saison an, von daher versucht man diese Saison so viele Punkte wie möglich einzuheimsen, damit man im nächsten Jahr eine gute Ausgangsposition in der Startliste hat. Lockerlassen gilt deshalb nicht.

SPORT1: Jetzt geht es zunächst nach Bansko in Bulgarien, dann zum Stadtrennen nach Moskau. Welche Bedeutung messen Sie diesem Stadtrennen bei?

Neureuther: Es ist immer schön und beeindruckend, in einer Stadt zu fahren. Das Rennen in München ist ja leider ausgefallen, deshalb bietet sich in Moskau die nächste Chance. Die Stimmung dort ist schon etwas ganz Besonderes, auch weil die Fans so nah am Geschehen sind.

SPORT1: Sollten aus Ihrer Sicht noch mehr Stadtrennen Teil des Weltcup-Kalenders sein?

Neureuther: Da bin ich dafür. Man darf sich natürlich nicht komplett auf so etwas stürzen. Gerade die Klassiker-Rennen sollte man bewahren. Und unser Weltcup-Kalender ist sehr eng. Aber man könnte zum Beispiel die Super-Kombination streichen und dafür ein paar Städte-Events einbauen. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung (DATENCENTER: Die Weltcup-Wertung).

SPORT1: Dabei waren Sie bei der Super-Kombination in Bansko im Vorjahr Zweiter. Dennoch wollen Sie die Disziplin abschaffen?

Neureuther: Natürlich war das für mich persönlich nicht schlecht. Aber sportlich gesehen hat die Super-Kombi dennoch keinen hohen Stellenwert. Und es macht im Fernsehen optisch keinen guten Eindruck, wenn Abfahrer Slalom fahren. Man sollte die Begeisterung der Fans berücksichtigen. Städte-Events machen den Zuschauern einfach viel Spaß.

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