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Harti Weirather wurde 1982 in Schladming Abfahrts-Weltmeister © imago

Er kennt die "Streif" ganz genau: Hahnenkamm-Held Harti Weirather spricht im Sport1.de-Interview über das Rennen in Kitzbühel.

Von Conny Konzack

München/Kitzbühel - Er ist der heimliche König von Kitzbühel - erst als Hahnenkamm-Held und Abfahrts-Weltmeister in den 80er Jahren, danach als "Streif"-Stratege in Sachen Veranstaltung und Vermarktung.

Hartmann "Harti" Weirather, der am Abfahrts-Samstag (Samstag ab 11.30 Uhr LIVE) beim 69. Kitzbüheler Ski-Weltcup 51 wird, ist der Herr über das 40 Millionen Euro-Event - dem attraktivsten Ski-Ereignis weltweit.

Der Tiroler, der seine Sponsoren-Kunden auch in der Formel 1 und dem Fußball ins rechte Licht rückt, mag nur einen "Titel" nicht: Ecclestone von Kitz. Dennoch ist er - wie der PS-Impressario - in Münchens liebstem Vorort der Strippenzieher schlechthin. Sport1.de sprach mit Weirather.

Sport1.de: Herr Weihrather, muss der Skisport in Wirtschaftskrisen-Zeiten andere Wege gehen?

Hartmann Weirather: Meines Erachtens nicht. Gerade in der Krise ist Sponsoring im Vergleich zur klassischen Werbung doch eine perfekte, maßgeschneiderte Plattform. Da haben wir besonders viel Innovationskraft gezeigt: Der Red-Bull-Bogen in Kitzbühel oder die aufblasbare Milka-Kuh wurden doch weltberühmt. Deshalb werden anspruchsvolle und qualitätsbewusste Sponsoren wie z.B. Audi dem Skisport auch weiterhin treu bleiben.

Sport1.de: Aber Kitzbühel musste in den letzten vier Jahren wetter-bedingt zwei Abfahrten absagen. Gibt es dennoch immer neue Sponsoren?

Weirather: Was uns hier zusammen mit dem Kitzbüheler Skiklub gelungen ist, wünsche ich mehreren Skiorten. Aber wir verkaufen ja längst kein reines Skirennen mehr, sondern einen Mythos. Aber hinter diesen Erfolgen steckt für mich und meine Agentur knallharte Arbeit. Wer heute im Sport investiert, verlangt vom Veranstalter auch eine perfekte Vernetzung in die Kommunikation. Das Geld muss sich ja wieder auszahlen. Und dass Europa auch für Firmen anderer Länder interessant sind, zeigen ja Emirates Airlines beim Hamburger SV oder Gazprom bei Schalke.

Sport1.de: Was sagt der Vermarktungs-Profi: Bleibt der Ski-Sport in erster Linie ein TV-Event?

Weirather: Das mag für andere Rennen gelten. Aber gerade Kitzbühel beweist mit doch über 100.000 Zuschauern vor Ort, dass dies kein reines TV-Event ist. Die Emotionen, die sich hier an der Rennstrecke und besonders im Zielraum abspielen, die muss man live erlebt haben. Das ist Unterhaltung pur!

Sport1.de: War es früher relaxter, Skirennläufer zu sein?

Weirather: Sicher, heute ist der Druck doch viel höher - Tests und Materialabstimmung sind viel aufwendiger und der Druck der Medien weitaus größer. Wir haben damals vor den Rennen noch bis Mitternacht in den Kneipen gesessen und haben Gaudi gemacht. Und oft war's auch 5 Uhr früh - aber um 9 Uhr standen wir wieder auf dem Ski.

Sport1.de: Welche Kitz-Kneipen waren denn früher angesagt?

Weirather: Natürlich der "Londoner". Da habe ich mit meinem Freund Gerhard Berger, mit dem ich vor seiner Formel-1-Zeit früher die ersten Sponsoren per Bettelbriefe aufgerissen habe, mit dem Klammer Franz und viele andere Burschen die Sau rausgelassen. Einmal haben wir dem heutigen Motorsport-Weltpräsidenten Max Mosley das Bier in die Moonboots geschüttet, bis die überliefen. Der "Londoner" erlebt übrigens gerade wieder ein Revival, die Kanadier oder Bode Miller sieht man da öfters. Aber meinen Glatzkopf lassen die wohl nicht mehr rein.

Sport1.de: Kitz platzt diese Wochenende vor Promis. Ein Ticket für die VIP-Race Night kostet 3.000 Euro. Auf wen freuen Sie sich?

Weirather: Unter vielen anderen auf Bernd Schuster, der ja bis vor kurzem Real Madrid trainierte, er will unbedingt Gerhard Berger kennenlernen - der ist ja auch zur Zeit arbeitslos...

Sport1.de: Mal ehrlich - würden Sie heute noch einmal eine "Streif"-Abfahrt wagen?

Weirather: Nie und nimmer! Wenn ich heute meinen Sponsor-Kunden oben am Start die Steilheit und Brutalität der Piste vermittle, denke ich mir schon seit Jahren: Du warst doch früher total verrückt, dich da runterzustürzen. Heute erkenne ich die Gefahren. Was Abfahrer leisten, ist irre. Da kann so viel schief gehen.

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