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Didier Defago wurde 2003 Schweizer Meister in der Abfahrt © getty

Der Schweizer Wengen-Sieger Didier Defago hängt die Österreicher auch in ihrem Ski-Mekka ab. Keppler holt sich sein Party-Geld.

Kitzbühel - Didier Defago ist im alpinen Ski-Weltcup der Mann der Stunde.

Dem Triumph beim Heimrennen in Wengen ließ der 31 Jahre alte Schweizer eine Woche später den ersten Sieg am "heiligen Berg" der Österreicher in Kitzbühel folgen. "Das ist wie ein Traum, ich bin sehr glücklich", sagte er.

Während sein Teamkollege Daniel Albrecht nach seinem furchterregenden Sturz am Donnerstag 58160(Bilder) noch in einem künstlichen Tiefschlag gehalten wird, stieg Defago innerhalb von sieben Tagen vom Platzfahrer zu einem der besten Abfahrer der Welt und Goldfavoriten für die WM (3. bis 15. Februar) auf.

"Dani würde sich sehr freuen"

"Man kann sagen, dass er jetzt den Olymp erreicht hat", sagte der Schweizer Verbandspräsident Urs Lehmann, 1993 Weltmeister in der alpinen Königsdisziplin, über Defagos Doppelschlag:

Elf Läufern war das Double Wengen-Kitzbühel innerhalb einer Saison zuvor gelungen, darunter Legenden wie Jean-Claude Killy, Karl Schranz oder Franz Klammer. "Wenn der Dani wach wäre, würde er sich jetzt sehr freuen", erklärte Lehmann.

Der Zustand von Kombinations-Weltmeisters Albrecht ist weiter stabil, die Ärzte sind "vorsichtig optimistisch".

Keppler hat genug, um zu feiern

Defago, der vor einer Woche erst einmal im Weltcup gewonnen hatte, im Dezember 2002 beim Super-G in Gröden, bezwang die eisige Streif am Samstag in 1:56,09 Minuten.

Er siegte vor den Österreichern Michael Walchhofer (0,17 Sekunden zurück) und Klaus Kröll (0,29); Kröll war am Vortag Schnellster im Super-G vor Aksel Lund Svindal (Norwegen) und Ambrosi Hoffmann (Schweiz) gewesen.

Stephan Keppler (Ebingen) erhielt als 28. immerhin noch 3 Weltcup-Punkte und noch 700 Euro Preisgeld: "Das reicht zum Feiern", sagte er.

Präsident führt Einzelgespräche

Defago könnte die Rekordsumme von 70.000 Euro verjubeln, Verbandspräsident Lehmann war jedoch erst einmal erleichtert, wie seine Abfahrer den Schock durch den Sturz von Albrecht verarbeitet hatte.

"Die Stimmung war eher gedämpft, wir haben die schwierigste Woche hinter uns", sagte er und berichtete, dass nach dem Training am Donnerstag und dem Rennen am Samstag viele Einzelgespräche mit den Läufern geführt wurden. "Wir wollten herausfinden, ob jeder bereit war, diese Abfahrt zu fahren."

Defago war es auf jeden Fall, auch wenn er betonte, dass es diesmal "keinen gegeben hat, dem der perfekte Lauf gelungen ist".

Erstaunlich gefasst

Vom Schicksal seines Mannschaftskollegen habe er sich nicht allzu sehr beeinflussen lassen, berichtete der Walliser. "Die Gedanken waren nach dem Rennen stärker bei Dani als zuvor. Jeder muss hier seinen Job machen", sagte der erstaunlich gefasste Sieger und gab zu: "Ich bin wirklich froh und möchte das jetzt erst einmal alles für mich genießen."

Erstmals seit 2004 wurde die Streif am Samstag wieder in der vollen Länge von 3312 Metern gefahren, schlechtes Wetter hatte dies seitdem verhindert.

Spektakuläre Stürze blieben diesmal aus - mit einer Ausnahme: T.J. Lanning aus den USA, mit Nummer 3 gestartet, kam in der Traverse nach der Hausbergkante von der Ideallinie ab - erst vom dritten Fangnetz wurde er gestoppt. Der Sturz sah nicht so furcherregend aus wie jener von Albrecht, Lanning musste aber mit Verdacht auf Kreuzbandriss per Helikopter ausgeflogen werden.

Strodls schmerzhafte Schuhrandprellung

Heil ins Ziel kam Stephan Keppler, der sich hinterher aber ärgerte, am Hausberg zu zögerlich gefahren zu sein. "Ich hatte mir schon mehr erhofft", bekannte der 25-Jährige, der auf Defago einen Rückstand von 2,42 Sekunden aufwies. (Die Ergebnisse von Kitzbühel)

Nicht am Start waren die zwei Strodl-Brüder: Peter Strodl ist derzeit ein wenig außer Form, der jüngere Andreas hatte am Vortag mit Rang 24 im Super-G seine beste Weltcup-Platzierung eingefahren - verzichtete allerdings wegen einer schmerzhaften Schuhrandprellung auf die Abfahrt.

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