vergrößernverkleinern
In Val d'Isere liegt auf einer Höhe von ca 1800 Metern © imago

In den französischen Alpen startet Dienstag die Ski-WM. Val d'Isere verbindet alpinen Charme und spektakuläre Pisten.

Val d'Isere - Vor 75 Jahren benötigte man noch einen Tag Zeit und Seehundfelle unter den Skiern, um auf einen der imposanten Berge von Val d'Isere zu gelangen.

Wenn am Dienstag in dem kleinen Ort in den Savoyer Alpen die 40. alpine Ski-WM beginnt, stehen den 350 Athleten und mehr als 230.000 erwarteten Fans über 90 Lifte zu den 140 Pisten zur Verfügung:

Laut Frankreichs Ski-Idol Jean-Claude Killy bietet Val d'Isere "das schönste Wintersportgebiet der Welt".

1934 gegründet

Auf 10.000 Hektar stehen im Großraumskigebiet "Espace Killy" zwischen Val d'Isere und Tignes 300 km Piste zur Verfügung. Als das Ski-Resort 1934 geründet wurde, gab es zwischen dem Pointe du Montet (3428 m) und der Grande Motte (3653 m) gerade einmal eine Abfahrt.

Val d'Isere war ein verschlafenes Nest, das neben dem Kirchturm aus dem 16. Jahrhundert nur eines zu bieten hatte: Schnee satt.

Charmanter Ort

Ein dreiviertel Jahrhundert später haben die 1640 Einwohner im abgeschiedenen Isere-Tal ein ebenso charmantes wie sündhaft teures Ski-Eldorado geschaffen.

Vom alten Ortskern ist kaum mehr was übrig, doch weil Hotels und Chalets meist unter Verwendung von Naturstein und Holz errichtet wurden, sucht man alpentypische Bausünden nahezu vergebens.

Auch Ballermann-Touristen, wie sie seit Jahren etwa über Ischgl herfallen, verirren sich selten in eines der 28.057 Betten.

Schwierigste Piste der Welt

Stattdessen wird Val d'Isere von Vollblutsportlern aufgesucht. Die Weltbesten messen sich von Dienstag an bis zum 15. Februar auf den Pisten "Face de Bellevarde" und "Rhone Alpes" auf den Hausbergen Rocher de Bellevarde (2827 m) und Tete de Solaise (2560 m).

Die Face wurde für Olympia 1992 in den Berg gesprengt, sie gilt als eine der schwierigsten Pisten der Welt.

Kein zweiter Kurs ist so eng, steil, felsig und kurvig, es gibt kein echtes Gleitstück.

Ärger wegen Generalprobe

"Lustig ist es nicht, dort zu fahren. Eine Kurvenorgie von oben bis unten", sagt Patrick Ortlieb aus Österreich, 1992 Abfahrtssieger auf der Face.

Alle Männer-Wettbewerbe finden dort statt, die Frauen fahren am Bellevarde ihre Torläufe - ohne Generalprobe, was einigen sauer aufstößt. "Das ist ein völliger Wahnsinn", sagt etwa Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes.

Tickets für Spottpreis

142 Weltcup-Rennen fanden seit 1968 in Val d'Isere statt, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Allzu häufig aber bei sehr geringem Zuschauerzuspruch.

Bei der WM soll es dennoch keine "Geisterrennen" geben: Die Tickets kosten nur einen Euro, inklusive Bus-Transfer und einer Kohlrabi-Möhren-Suppe.

Kurze Wege

Rund 70 Millionen Euro haben sich die Veranstalter die WM der kurzen Wege kosten lassen. Die beiden Zielstadien liegen nur 100 m voneinander entfernt, also "face a face". In einem Radius von 800 m ist alles erreichbar.

"Val d'Isere ist ein würdiger WM-Ort", sagt deshalb auch Hans Pum, Alpindirektor der Ski-Nation Österreich. Und der muss es ja wissen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel