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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Die 24-jährige Maria Riesch hat bisher nur bei den Junioren WM-Medaillen geholt © getty

Beim Abfahrtstraining der WM verletzt sich Maria Riesch am Knie. Ihr Coach sagt: "Die weiteren Starts sind nicht gefährdet."

Von Andreas Kloo

Val d'Isere/München - Nach einem schweren Sturz im Abfahrtstraining ist die deutsche Medaillenhoffnung Maria Riesch angeschlagen, doch die Ski-WM geht wohl für sie weiter.

Riesch erlitt nach der ersten Diagnose von Mannschaftsarzt Wolfgang Vogt eine Prellung der Wirbelsäule. Darüber hinaus besteht der Verdacht auf eine Innenbandzerrung im linken Knie.

Direkt nach dem Sturz klagte Riesch zudem über Rücken- und Knieschmerzen. Dazu trug sie bei ihrem Sturz nach der zweiten Zwischenzeit Schürfwunden im Gesicht und geschwollene Lippen davon.

Gleich wieder ins Training?

Cheftrainer Mathias Berthold, einziger Augenzeuge des Sturzes nach einem Sprung im oberen Teil der anspruchsvollen Piste, gab sich allerdings gleich kämpferisch. "Soweit ich das beurteilen kann, sind ihre weiteren Starts nicht gefährdet. Ein wahrer Champion geht durch sowas durch und zeigt, was er drauf hat", sagte er.

Riesch selbst ließ am Mittwochabend ausrichten, die Knieverletzung "dürfte kein größeres Problem sein: Ich tape das." Ob sie aber im zweiten Trainingslauf am Donnerstag startet, wollte sie erst kurzfristig entscheiden.

Bereits zwei Großereignisse verpasst

Der Trainingslauf war der erste von drei geplanten für die Kombinations-Abfahrt am Freitag (11 Uhr LIVE) und die Spezialabfahrt am Sonntag.

In der Super-Kombination hatte sich Riesch neben dem Slalom die größten Medaillenchancen ausgerechnet. Im Slalom hatte sie in dieser Saison vier Siege hintereinander eingefahren und war damit zur deutschen Gold-Hoffnung aufgestiegen.

Umso bitterer wäre nun ein Ausfall. Schon die WM 2005 und Olympia 2006 hatte die 24-Jährige jeweils wegen eines Kreuzbandrisses verpasst.

In die Fangzäune

Riesch war nach der Landung nach einem Sprung gestürzt und in die Fangzäune geflogen.

Die ehemalige Kombinations-Weltmeisterin Martina Ertl-Renz tröstete die tränenüberströmte Partenkirchnerin nach deren Ankunft im Zielbereich zunächst minutenlang. "Sie ist sehr geschockt. Sie hat Rückenschmerzen, und das linke Knie zieht", berichtete die Goldmedaillengewinnerin von 2001.

Zum Mannschaftshotel konnte Riesch vom Zielraum aus selbst laufen.

Mentales Problem?

Schwerwiegender als die körperlichen Verletzungen könnten nach Ansicht von Ertl-Renz die seelischen sein. "Natürlich ist das keine gute Ausgangsposition für den weiteren WM-Verlauf", sagte sie mit Blick auf die anstehenden Rennen. Der Trainingslauf war der erste von drei geplanten für die beiden Abfahrten.

Das Training am Mittwoch bestritt sie mit der Startnummer 8, der Sturz ereignete sich nach der zweiten Zwischenzeit zu Beginn des Mittelteils der technisch anspruchsvollen Piste, Riesch war dabei 1,17 Sekunden schneller als die später drittplatzierte Italienerin Nadia Fanchini.

Widrige Verhältnisse

Grund für den Sturz waren offenbar die widrigen Verhältnisse auf der Strecke: "Man konnte die Strecke nicht so fahren, wie wir sie besichtigt hatten", berichtete Elisabeth Görgl aus Österreich, die Rang 18 belegte.

Schnellste war am Ende völlig überraschend die Britin Chemmy Alcott vor Lara Gut aus der Schweiz. Lindsey Vonn aus den USA, Freundin von Riesch und Super-G-Weltmeisterin, schied aus und sagte danach: "Es war heute schwierig, die Linie zu halten."

Heftige Kritik von Maier

Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, übte heftige Kritik an den Veranstaltern. Sowohl die extrem anspruchsvolle Piste "Face de Bellevarde" als auch die "Rhone-Alpes", auf der Riesch gestürzt war, bewegten sich "am obersten, obersten, obersten Limit", sagte er.

Die "Rhone-Alpes" habe beim ersten Abfahrtstraining "eher nach einem Acker ausgesehen als nach einer Weltcup- oder WM-tauglichen Piste".

Von 55 gestarteten Athletinnen kamen nur 37 in die Wertung. "Da waren zwei Drittel überfordert", meinte Maier.

"Brille putzen, Jungs!"

Die "Bellevarde" sei beim Super-G der Männer, den der Schweizer Didier Cuche gewann, "extrem präpariert" gewesen, kritisierte Maier weiter. "Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum man das so extrem betreiben muss."

Die Veranstalter sprachen dennoch von "wundervollem Skilauf". Maier sagte: "Wer da von wundervollem Skilauf spricht, dem kann ich nur sagen: Ab und zu mal Brille putzen, Jungs! Wundervollen Skilauf hat nur Cuche gezeigt."

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