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Maria Riesch verlor als Abfahrts-Vierte 1,43 Sekunden auf Lindsey Vonn © getty

Nach der Kombi-Abfahrt ist die angeschlagene Maria Riesch auf WM-Medaillenkurs. Doch im Slalom patzt sie schwer. Die Nerven?

Val d'Isere - Die Medaille lag auf dem Silbertablett, doch "Pech-Marie" Riesch griff nicht zu.

In der Super-Kombination reichte es für die Partenkirchnerin bei der WM in Val d'Isere nur zu "Blech" - mit 0,66 Sekunden Rückstand rumpelte sie nach einem miserablen Slalom als Vierte am Siegertreppchen vorbei.

Ausreden suchte die 24-Jährige nach der erneuten Enttäuschung aber nicht, obwohl sie nach ihrem schweren Sturz beim Abfahrtstraining zwei Tage zuvor leicht gehandicapt und erkennbar verunsichert ins Rennen gegangen war: "Ich habe es total verkorkst, ich brauch es auf nichts anderes schieben."

Am dritten Tor war fast schon Schluss

In der Abfahrt hatte Maria Riesch noch ihren "Schweinehund" besiegt und sich trotz der Nachwehen des Sturzes tapfer zu Tal und auf Rang vier gekämpft. "Danach waren die Ziele groß", gestand sie.

Zumal sie im Slalom die Beste in dieser Saison ist. Doch dann "bin ich total daneben gestanden", berichtete die Medaillen-Anwärterin. 64799(DIASHOW: WM 2009 - Zittern mit Maria Riesch)

Am dritten Tor war fast schon Schluss, die Zitterfahrt ging weiter, am Ende konnte Maria Riesch nur mit den Achseln zucken und voller Selbstkritik mitteilen: "Ich hätte es nicht verdient gehabt, mit dieser Fahrt eine Medaille zu gewinnen."

Vonn disqualifiziert

Noch schlimmer erwischte es Rieschs Freundin Lindsey Vonn (USA): Nach Rang eins in der Abfahrt wurde die Super-G-Weltmeisterin wegen eines Torfehlers im Slalom disqualifiziert, nachdem sie zuvor als Zweite ins Ziel gekommen war.

Damit war der Weg frei für ein Trio, das nicht unbedingt auf dem "Stockerl" erwartet worden waren. Kathrin Zettel gewann das erste Gold für Österreich, das 17 Jahre alte Schweizer Ski-Starlet Lara Gut (0,56 Sekunden zurück) raste unbekümmert zu Silber, Elisabeth Görgl trug noch Bronze (0,88) zum Erfolg für Österreich bei.

Gina Stechert (Oberstdorf) wurde Zwölfte.

Druck zu hoch

Mindestens Elisabeth Görgl, bereits Dritte nach der Abfahrt, gewann jene Medaille, die Maria Riesch aus der Hand gab.

"Die Lizz hätte ich mit einem normalen Slalom schon noch gekriegt", sagte die deutsche Hoffnungsträgerin, die dem plötzlichen Druck, tatsächlich eine Medaille gewinnen zu können, aber nicht gewachsen schien.

"Ich war das erste Mal in einer Situation, um nur noch einen Schritt zur Medaille machen zu müssen", berichtete sie von ihrer Befindlichkeit vor dem Slalom-Start: "Die Chance war groß, und natürlich war ich vor dem Slalom besonders angespannt."

49 Wettbewerbe ohne DSV-Medaille

Bitter trifft die erneute Enttäuschung auch den Deutschen Skiverband (DSV), dessen Alpine nun seit 49 Einzel-Wettbewerben bei Olympia oder WM ohne Medaille sind.

"Wir waren so nahe dran, und da brauchst du schon ein paar Stunden, bis es wieder gut ist", erklärte Alpindirektor Wolfgang Maier, der nach dem Rennen zunächst erheblich gefrustet war.

"Es hat uns sehr getroffen", ergänzte er, "weil es die am leichtesten erfahrbare Medaille gewesen wäre." (DATENCENTER: Ergebnisse)

Konzentration auf den Slalom

In ihrem elften WM-Rennen erreichte Maria Riesch ihre beste Platzierung, aber die Chance auf eine Medaille, noch dazu eine so große, kommt wohl so schnell nicht wieder.

Vier Wettbewerbe kommen noch auf sie zu, "aber man darf das jetzt nicht übertreiben", sagte sie: "Ich muss mich jetzt voll auf den Slalom konzentrieren, in der Abfahrt habe ich nur Außenseiterchancen."

Die Abfahrt findet schon am Sonntag statt, der Slalom am 14. Februar. Dort steht Maria Riesch dann erst recht unter Druck. Aber so, wie sie im Kombinations-Slalom fuhr, wäre sie im Spezialslalom chancenlos.

Sturz nimmt die Sicherheit

Nicht zu übersehen war bereits in der Kombination, dass der Trainingssturz Maria Riesch ihrer sonstigen Sicherheit beraubt hat. "Das darf man nicht als Bagatelle abtun", behauptete denn auch DSV Präsident Alfons Hörmann. (Trainingsschock für Riesch)

Hinzu kam dann auch noch, dass die Partenkirchnerin am Vortag des Rennens zur Dopingprobe ausgelost und ihr Tagesablauf durcheinander gebracht wurde. "Aber natürlich", wusste auch Hörmann, "ist das eine große Enttäuschung für uns."

Der Präsident sagte aber auch hoffnungsvoll: "Es gibt hier noch eine zweite Woche."

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