vergrößernverkleinern
John Kucera stand zuvor nur im Super-G dreimal auf dem Podium © getty

Der Kanadier gewinnt die WM-Abfahrt in Val d'Isere. Ein Schweizer wird zum 22. Mal Zweiter, Walchhofer darf zweimal starten.

Val d'Isere - Ein nahezu unbekannter "Cowboy" aus Kanada ist mit einem wilden "Rodeo-Ritt" sensationell zu Abfahrts-Gold bei der Ski-WM in Val d'Isere gerast.

John Kucera aus Calgary schlug auf der äußerst bockigen Piste "Face de Bellevarde" allen Favoriten ein Schnippchen und krönte sich ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Vancouver zum ersten alpinen Weltmeister seines Landes.

"Es ist unglaublich. Das ist mein erstes Abfahrts-Podium", sagte Kucera, der in seiner Karriere in einer Weltcup-Abfahrt nie besser als auf Rang sieben gefahren war.

Startnummer 2 und Sonnenschein

"Weltmeister zu sein ist das Größte neben Olympia. Ich bin sehr glücklich", ergänzte der 24 Jahre alte Super-G-Spezialist, der nicht nur Glück mit dem Wetter hatte, sondern auch eine goldene Spur fand.

Als es Kucera mit Startnummer 2 mit der "Bellevarde" aufnahm, schien die Sonne. Der Kanadier nutzte den Vorteil aus und fuhr dazu im unteren Streckenabschnitt eine Linie, die ihm den entscheidenden Zeitgewinn verschaffte.

Nur 0,04 Sekunden lag er schließlich vor Super-G-Weltmeister Didier Cuche, der zum 22. Mal in seiner Karriere Zweiter wurde und ebenso im Nebel fuhr wie sein drittplatzierter Landsmann Carlo Janka (0,17 Sekunden zurück).

Keppler respektabel, Defago abgeworfen

Auch Stephan Keppler (Ebingen), der sich unmittelbar nach Kucera als Dritter auf die Strecke traute, hatte gute Bedingungen, leistete sich aber einen haarsträubenden und weitere kleine Fehler.

Er belegte einen respektablen 15. Rang (2,30), verpasste aber eine bessere Platzierung angesichts seiner Bedingungen: "Ich hatte mit dem Berg so meine Probleme", gab der einzige deutsche Starter zu.

Einige Favoriten wurden von der tückischen "Bellevarde" gleich abgeworfen wie Didier Defago aus der Schweiz.

Mit wachsendem Staunen

Die meisten allerdings wurden von der lästigen Nebelbank im Mittelabschnitt verschluckt wie neben Cuche auch Titelverteidiger Aksel Lund Svindal (Norwegen/12.) oder Bode Miller (USA/9.).

Von Fahrern mit schlechter Sicht kamen nur Cuche und Marco Büchel aus Liechtenstein (4.) nach vorne. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Kucera verfolgte dies alles mit wachsendem Staunen und einem bisweilen ungläubigen Kopfschütteln in der "Leader Box" im Zielraum.

Maier verleiht die "Platin"-Medaille

Dort konnte er auch sehen, wie Ex-Weltmeister Michael Walchhofer ein zweites Mal aus dem Starthäuschen fahren durfte: Zunächst war der Österreicher trotz einer der zahlreichen Rennunterbrechungen wegen Nebels auf die Strecke gelassen worden.

Walchhofer verbesserte sich bei seinem zweiten Ritt über die extrem wellige und eisige "Bellevarde" innerhalb von nur 50 Minuten immerhin um drei Ränge - es war die zweite sensationelle Leistung an diesem Tag.

"Für diese Leistung hätte er nicht die goldene, sondern die Platin-Medaille verdient gehabt", sagte Hermann Maier, als von der Sonne Begünstigter auf Rang sechs der beste Österreicher.

Nach einer Überprüfung durch die Renn-Jury wurde Walchhofer aber doch mit der Zeit des ersten Laufs und damit als Zwölfter gewertet.

Kanadierinnen haben mehr Erfolg

Kucera führte unterdessen die große Tradition der kanadischen Abfahrer fort. Früher hieß die Mannschaft um Steve Podborski und Ken Read "Crazy Canucks", Gold aber haben sie nie gewonnen.

Dazu musste erst einer aus der aktuellen, von Read geförderten Generation kommen, die sich außerdem "Canadian Cowboys" nennt.

Wesentlich erfolgreicher waren bislang die Frauen mit dem Ahornblatt. Nur sechs Jahre ist es her, dass Melanie Turgeon in St. Moritz die Weltelite düpierte und ebenfalls Abfahrtsgold gewann.

"Hart arbeitende Jungs"

Ken Read, zwischenzeitlich Präsident des kandischen Ski-Verbandes, war 1976 beim ersten seiner fünf Abfahrtserfolge immerhin der jüngste Gewinner einer Weltcup-Abfahrt.

Zu den Cowboys gehören auch Erik Guay, der zwischenzeitlich eine halbe Sekunde vor Kucera lag, dann aber im Zielhang stürzte. Oder Jan Hudec, WM-Zweiter von 2007, der ebenfalls in die Fangnetze flog.

Prominentestes Mitglied ist nun Kucera, der im Weltcup dreimal unter die Top Drei fuhr und dabei einmal siegte, im Dezember 2006 in Lake Louise - jeweils im Super-G.

Der Spitzname "beschreibt uns als Gruppe sehr gut", erklärte Kucera: "Wir sind hart arbeitende Jungs, wir machen das, was wir tun, mit Hingabe, und wir wollen auch gar nichts anderes machen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenzurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel