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Aksel Lund Svindal (r.) und der Franzose Julien Lizeroux im WM-Fieber © imago

Aksel Lund Svindal zieht mit seinem WM-Sieg mit berühmten Landsleuten gleich. Und das nur 15 Monate nach seinem Horror-Crash.

Val d'Isere - Als Aksel Lund Svindal im Schneegestöber von Val d'Isere zum dritten Mal eine Goldmedaille umgehängt bekam (Svindals dritter Streich), waren die Gedanken des Norwegers für einen Moment in Innsbruck.

Dort liegt der gestürzte Ski-Rennläufer Daniel Albrecht seit bald drei Wochen im künstlichen Koma, seinen WM-Titel in der Super-Kombination musste der Schweizer nun kampflos an Svindal abtreten (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Ich fühle mit ihm", sagte Svindal, denn er wusste, wovon er sprach: Der 26-Jährige war vor rund 15 Monaten bei einem schweren Ski-Unfall nur knapp mit dem Leben davongekommen.

Unglaubliche Leidensgeschichte

Während Albrecht in diesen Tagen aus seinem Tiefschlaf geweckt wird und niemand mit Gewissheit sagen kann, ob er je wieder auf eine Piste zurückkehren kann, krönte Svindal am Montag seine unglaubliche Leidensgeschichte.

Bei einem Trainingssturz am 27. November 2007 in Beaver Creek hatte sich ein Ski in Svindals Oberschenkel gebohrt und die Arterie nur um Millimeter verfehlt. Beim heftigen Einschlag ins Sicherheitsnetz zog er sich Knochenbrüche im Gesicht zu - die Saison war für den Gesamtweltcupsieger und Doppelweltmeister gelaufen.

Was folgte, war die Qual der Rehabilitation, in deren Folge der Modellathlet zehn Kilogramm Gewicht verlor. Erst im Februar begann er wieder mit dem Training - genau ein Jahr vor der WM, die nun sein großes Ziel war.

Schneller, als erhofft

Doch plötzlich ging alles schneller, als er erhofft hatte: Zu Beginn des WM-Winters gab er als 13. beim Riesenslalom von Sölden sein Comeback, Anfang Dezember gewann er Abfahrt und Super-G - auf seiner Unglücksstrecke in Beaver Creek (USA).

"Unglaublich stolz", sei er auf den "unglaublichen Sportsmann" Svindal, sagte Marius Arnesen damals.

Und es überraschte kaum, dass Norwegens Cheftrainer nach Svindals zweiter Medaille in Val d'Isere nach Super-G-Bronze exakt die gleichen Worte für den Musterschüler fand. "Fantastisch, wie er dieses Rennen durchgezogen hat. Das war eine Machtdemonstration. Jetzt freue ich mich auf den Riesenslalom", fügte Arnesen noch an.

Im Riesenslalom ist Svindal Titelverteidiger.

Feier zu später Stunde

Svindal feierte seinen Coup, der auch vom Ausfall zahlreicher Favoriten begünstigt wurde, zu später Stunde im Teamhotel Aigle des Neiges.

Als der Kuchen gegessen, der Champagner getrunken, und auch das kleine Zimmer-Feuerwerk abgebrannt war, ergriff er das Mikrofon. "Ich ziehe mich nun zurück. Was in dieser Nacht noch passieren wird, vermag ich noch nicht zu sagen", sprach er. Auch am Morgen danach gab es darüber zunächst keine gesicherten Erkenntnisse.

Zurück blieben seine Familie um Vater Björn, die Teamkollegen, und Trainer - allesamt Bewunderer des großen Aksel. "Man kann vor Aksel nur den Hut, die Mütze und alles andere ziehen. Er ist jetzt genau so groß wie Lasse Kjus und Kjetil-Andre Aamodt", meinte etwa Tom Stiansen, norwegischer Slalomweltmeister 1997.

Zumindest Aamodt, mit 20 Medaillen erfolgreichster Alpine, stimmte zu: "Beaver Creek war unglaublich, aber das hier - das ist totaler Wahnsinn."

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