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Lara Gut gewann in Val d'Isere Silber in der Kombi und der Abfahrt © imago

Lara Gut ist die Überraschung der Ski-WM. Die 17-Jährige will hingegen kein Star sein - und nennt ein negatives Vorbild.

Val d'Isere - Lindsey Vonn (Vonn nach Feier genäht) hatte ihre zweite Goldmedaille bei der alpinen Ski-WM in Val d'Isere schon abgeschrieben.

"Ich habe gedacht, dass die Lara unschlagbar ist", sagte die Amerikanerin nach ihrem Abfahrtstriumph.

"Die Lara" - das ist das erst 17 Jahre alte Schweizer Talent Lara Gut.

Der neue "Star" am Skihimmel

Talent? Mit Abfahrtssilber, Guts zweiter WM-Medaille nach Silber in der Kombination, hat der Teenager schon mehr erreicht als die meisten etablierten Ski-Rennläuferinnen. Und wie nebenbei ihre skiverrückte Heimat in einen Begeisterungstaumel gestürzt. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Die betuliche "Neue Zürcher Zeitung" schwärmt vom "unglaublichen Talent", das Boulevardblatt "Blick" berichtet in allen Facetten über "Super-Lara", die Schweizer Nachrichtenagentur SI erspäht ein neues "Juwel am Alpin-Himmel".

Längst wird Gut in einem Atemzug mit Ski-Legenden wie Lise-Marie Morerod, Marie-Theres Nadig und Erika Hess genannt, die ebenfalls schon im Alter von 17 Jahren Medaillen gewannen. (Svindals dritter Streich)

Bloß keine "Kurnikowa" werden

Gut aber ist nun die jüngste WM-Teilnehmerin mit zweimal Edelmetall. Und die Sponsoren stehen bei dem Ski-Starlet bereits Schlange.

Wobei: Star? "Ach, ich bin doch kein Star", sagt Gut, die den Medien in fünf Sprachen Rede und Antwort steht. Zu einem Star-Leben gehören Allüren sowie Schlagzeilen in den Klatschspalten der bunten Blätter - zur gutaussehenden Blondine nicht. "Ich will keine neue Anna Kurnikowa werden, die wegen des Aussehens Millionen verdient, aber nie ein Tennisturnier gewonnen hat", sagt sie.

Von langer Hand geplant

Trotzdem wird ihr schon vorgeworfen, dass sie ihr strahlendes Lächeln bisweilen zu sparsam einsetzt, gar eine Zicke ist. Doch auch diese Kritik kontert Gut lässig. "Zicke? Ich bin eher eine Wildsau", sagt sie.

Eine Wildsau, die am Start "nie nervös" ist, die sich die Besonderheiten einer Piste einprägen kann wie kaum eine Zweite, und die verdammt schnell ist, auch wenn sie "ganz schlimm Bauchweh" hat - wie bei ihrer Silber-(Ab-)Fahrt am Montag.

Guts Erfolge sind von langer Hand geplant. Vater Pauli Gut gründete im Frühjahr ein eigenes Team, das pro Saison 200.000 bis 330.000 Euro kostet. Hauptsponsor ist eine Bank (Raiffeisen), die je Winter 130.000 Euro garantiert, dazu kommen Prämien.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr

Pauli Gut hat seinen Beruf als Lehrer aufgegeben, Mutter Gabriella unterrichtet nur noch halbtags und dient ihrer Tochter ansonsten als "Mädchen für alles".

Servicemann Barnaba Greppi hat einst für Doppel-Olympiasiegerin Deborah Compagnoni und Doppel-Weltmeisterin Isolde Kostner gewachst.

Wichtigster Mann im Team ist jedoch Trainer Mauro Pini, der bereits Maria Jose Rienda Contreras zu fünf Weltcup-Siegen führte.

Gut sprengt den Zweijahresplan

Gut hat einst mit der Spanierin geübt, "sie hat mir sehr viel beigebracht". So viel, dass Gut in Val d'Isere Pinis Zweijahresplan sprengte. "Sie hätte in der laufenden Saison nur Erfahrungen sammeln und dann im Olympia-Winter Resultate erzielen sollen. Dass sie derart schnell Fortschritte machen würde, hätte ich nicht erwartet", sagt er.

Doch der Erfolg birgt auch Risiken: Alle zerren an Gut. "Sie ist müde. Es ist wie in der dritten Woche der Tour de France: Bisher waren alle stark, doch die Erschöpfung nimmt zu", meint Pini, "ich muss sie schützen - und auf dem Boden halten."

Das scheint jedoch nicht nötig.

Heiß auf weitere Medaillen

"Ich habe einen harten Kopf", sagt Gut. Psychische Probleme, wie sie zahlreiche Konkurrentinnen im Risikosport Ski-Rennlauf plagen, kennt sie nicht. "Ich denke einfach nicht allzu viel nach. Denn zu viel Denken macht langsam", sagt sie.

Derart befreit hat Lara Gut auch in Val d'Isere noch viel vor. "Ich habe jetzt zwei Medaillen. Aber: Es gibt ja noch den Riesenslalom!"

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