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Maria Höfl-Riesch feierte 2004 in Haus/Ennstal ihren ersten Weltcup-Sieg © getty

Maria Höfl-Riesch verpasst beim Heimrennen in Garmisch ihren 25. Weltcupsieg hauchdünn. Dennoch zieht sie ein positives Fazit.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Ein kurzer Aufschrei war es dann doch. Als sie in der Leaderbox stand, kam ein "Naaaaa" (bayerisch für Nein) über ihre Lippen.

Es sollte einfach nicht sein. Der Jubiläumssieg blieb Maria Höfl-Riesch bei ihren Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen verwehrt. (DATENCENTER: Wintersport)

Nur wenige Minuten zuvor hatte sie noch die Arme hochgerissen, als sie im Super-G mit Bestzeit die Ziellinie überquert und den Jubel der Fans aufgesogen hatte.

Aber zwei Läuferinnen nach ihr kam noch die Österreicherin Anna Fenninger und entriss ihr den Triumph.

Kleine Enttäuschung bleibt

"Der zweite Platz ist super", sagte die vor Freude strahlende Höfl-Riesch zwar, dennoch schwang auch ein bisschen Enttäuschung mit: "Man hofft dann doch auf den Sieg.".

0,2 Sekunden war Fenninger am Ende schneller und durfte sich ihrerseits über den ersten Erfolg in dieser Disziplin freuen.

"Ich habe schon gedacht, ich muss mich entschuldigen", sagte die Österreicherin schmunzelnd: "Aber Maria nimmt das sportlich. Das macht sie auch als große Sportlerin aus."

Schon wieder die "Hölle"

Wieder einmal kostete der unter Streckenabschnitt Höfl-Riesch den Sieg.

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"Die Hölle und die Einfahrt in den Zielhang ist die Anna einfach besser gefahren", meinte die Garmischerin und stöhnte: "Wieder einmal die Hölle."

Bereits in der Abfahrt, die sie als Dritte beendet hatte, hatte ein Fehler in diesem Streckenabschnitt eine bessere Platzierung verhindert. (Bericht).

"Riesiger Erfolg" für Höfl-Riesch

Allerdings gestand sich Höfl-Riesch ein: "Wenn man sich meine Super-G-Saison anschaut, wäre ein Sieg eine Überraschung gewesen. Daher ist mein erstes Podest in dieser Disziplin schon ein riesiger Erfolg."

Der elfte Platz am Freitag, an dem der in Val d?Isere ausgefallene Super-G nachgeholt worden war, hatte zudem keine großen Hoffnungen geschürt.

"Ich bin sehr stolz. Zuletzt habe ich schon gezweifelt, ob ich im Super-G aufs Podium fahren kann", meinte sie. Diese Zweifel hat sie nun beseitigt.

Gutes Teamergebnis

Allerdings blieben ihr die 25 Rosen verwehrt, die OK-Chef Peter Fischer für einen Erfolg Höfl-Rieschs organisiert hatte.

"Die kann er mir trotzdem geben", sagte sie lachend und zog eine äußerst zufriedenstellende Bilanz: "Bis auf den Freitag hätte es fasst nicht schöner sein können."

Auch für die Veronique Hronek war das Heimspiel ein großer Erfolg. Mit Platz fünf fuhr die 21-Jährige ihr bestes Weltcup-Ergebnis ein. "Mich freut es brutal. Ich habe gewusst, dass ich unten schnell sein kann", sagte Hronek.

Viktoria Rebensburg rundete als Zehnte das hervorragende Ergebnis ab.

Kristallkugeln außer Reichweite

In den abschließenden sechs Rennen (zwei in Ofterschwang, vier beim Weltcup-Finale in Lenzerheide) hat Höfl-Riesch noch die Chance, den Jubiläumserfolg perfekt zu machen. Auch wenn es dann nicht in ihrer Heimat Garmisch-Partenkirchen wäre. Dieses Ziel bleibt ihr noch.

Die Aussichten auf eine Kristallkugel sind hingegen äußerst gering. Den Sieg im Gesamtweltcup ist der Slowenin Tina Maze nicht mehr zu nehmen.

Und auch in den Disziplinen Super-G, Riesenslalom und Slalom liegt die 28-Jährige chancenlos zurück. Einzig der Abfahrts-Weltcup ist noch in Reichweite.

"Da braucht es aber schon ein Wunder", sagt Höfl-Riesch über ihren Rückstand von 67 Punkten auf die zweitplatzierte Maze, die einen Zähler hinter der verletzten Lindsey Vonn rangiert.

Historisches möglich

Aber auch ohne Kristallkugel könnte Höfl-Riesch Historisches gelingen. Beendet sie die Saison unter den besten Drei des Gesamtweltcups - derzeit ist sie mit 1050 Punkten Zweite - ist sie erst die zweite Skifahrerin in 46 Jahren Skiweltcup, die sechs Mal hintereinander in den Top drei landete.

Vor ihr war dies nur Katja Seizinger in den Wintern 1991/92 bis 1997/98 gelungen.

Selbst Größen wie Annemarie Moser-Pröll, Maria Walliser, Petra Kronberger, Pernilla Wiberg, Janica Kostelic, Renate Götschl, Anja Pärson oder Lindsey Vonn blieb dies vorenthalten.