vergrößernverkleinern
Tina Maze
Tina Maze holte sich bei der WM in Schladming den Titel im Super-G © imago

Die Slowenin dominiert wie noch niemand zuvor den Weltcup, ruft aber auch Neider hervor - und erhält eine Morddrohung.

Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Rainer Nachtwey

Garmisch-Partenkirchen - Tina Maze nahm den Ski in die Hand, spielte Luftgitarre und sang den Text mit. Im Hintergrund lief ihr Lied: "My way is my decision."

Nur wenige Sekunden zuvor hatte sie mit der besten Zeit die Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen beendet - mal wieder ein Sieg, bereits der neunte in diesem Weltcup-Winter.

Tina Maze ist diese Saison die dominierende Fahrerin im Skizirkus.

Der Sieg im Gesamtweltcup mit Rekord-Punktzahl war ihr bereits neun Rennen vor Ende nicht mehr zu nehmen, Gleiches gilt für die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Auch die Kombinationswertung hat Maze für sich entschieden.

Höfl-Riesch beeindruckt

"Ich probiere in jedem Rennen, Gas zu geben. Wenn es gut läuft, kann man alles. Es ist unglaublich", beschreibt die Slowenin ihre Ausnahme-Saison.

Der Konkurrenz bleibt nichts anderes übrig, als die Dominanz neidlos anzuerkennen. "Es ist beeindruckend, was Tina Maze diese Saison zeigt", sagt etwa die Amerikanerin Julia Mancuso.

Maria Höfl-Riesch beschreibt es so: "Es ist legendär, was sie diese Saison von Anfang bis Ende abliefert. So eine Konstanz über alle Disziplinen hat es noch nie gegeben."

Morddrohungen in Garmisch

Aber der Erfolg bringt auch Missgunst und Neider mit sich - was sich in Garmisch nun auf schlimme Weise zeigte: Rund um die Kandahar-Rennen erhielt Maze Morddrohungen. Zwei Sicherheitsleute bewachten die 29-Jährige deshalb rund um die Uhr.

Maze gibt sich darüber betont gelassen - vielleicht ist das auch eine Schutzfunktion:

"Wenn die Leute versuchen dich unterzukriegen, bedeutet das, dass du schon über ihnen bist?, kommentierte sie den Vorfall läppisch. (Bericht)

Maze: Ein Spinner

Dass die Slowenin aufgrund der Aktion eines "Spinners" (Maze) oder der Erfolge in der kommenden Saison nachlässt, glaubt Höfl-Riesch sowieso nicht. (DATENCENTER: Wintersport)

[image id="40b8cf3d-6371-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Das kann einem schon Sorgen bereiten, dass es nächstes Jahr so weiter geht", meint die Garmischerin. "Ihr Ziel werden sicherlich die Olympischen Spiele sein. Da wird sie nicht nachlassen."

Gleichzeitig betont sie aber auch: "Wir aber auch nicht. Nächstes Jahr geht alles wieder bei null los."

Mit "Team to aMAZE" auf Tour

Für Mazes Erfolg zeichnet ein eigenes Team verantwortlich.

Mit dem "Team to aMAZE" - ein bewusst gewähltes Wortspiel aus ihrem Namen und dem englischen Begriff amaze (übersetzt: In Erstaunen versetzen) - tourt sie seit der Loslösung vom slowenischen Verband durch den Weltcup.

Angeführt wird das Team von Freund und Trainer Andrea Massi. "Ich habe immer gewusst, dass Tina sehr stark sein kann. Dass sie so stark wird, hätte ich aber nicht gedacht", zeigt sich der Italiener verblüfft.

Eine logische Entwicklung

Dabei ist der Erfolg nur eine für sie logische Entwicklung. "2010 war ich Vierte, 2011 Dritte, 2012 Zweite", zählt Maze ihre Platzierungen im Gesamtweltcup auf.

Ihrem großen Ziel, dem Gewinn des Gesamt-Weltcups, ordnet sie alles unter.

"My way is my decision" (Mein Weg ist meine Entscheidung), das Lied, mit dem sie im Oktober in die Charts und in der Heimat sogleich auf Platz eins stürmte, ist bei Maze Programm. Kaum ein Titel passt so perfekt zu der Slowenin.

Atom-Zicke und Kate Moss

Allerdings: So herausragend sie Ski fährt, als so schwierig gilt sie auch im Damen-Skizirkus.

Atom-Zicke, Kate Moss des Ski-Weltcups und launische Diva sind nur eine kleine Auswahl der Synonyme für Maze. (DATENCENTER: Wintersport)

Auch Landsmann Jure Kosir, einst Slalom-Weltcupsieger zu Zeiten von Alberto Tomba, weiß um Mazes Ruf: "Tina kann starrköpfig sein. Aber ich würde nicht sagen, dass sie eine Diva ist. Sie ist sehr speziell, lassen wir es so stehen."

Crew-Rauswurf und "Höschen-Zoff"

Zu spüren bekamen das vor zwei Jahren auch Mazes Serviceleute: Als sie mit der Arbeit der Techniker unzufrieden war, wechselte sie kurzerhand die dreiköpfige Crew aus.

Nicht nur bei ihren Teammitgliedern eckt sie gelegentlich an.

In der vergangenen Saison sorgte sie abseits der Piste für Gesprächsstoff mit dem "Höschen-Zoff", wie es die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" nannte.

Konter nur im BH

Angeblich war die Unterwäsche nicht luftdurchlässig genug. Die Schweizer Mannschaft, mit denen Maze öfters trainierte, legte Protest ein.

Maze konterte auf ihre Weise. Beim folgenden Rennen, bei dem sie auf eine andere Unterwäsche zurückgreifen musste, entblößte sie in der Leaderbox stehend ihren Oberkörper bis auf den BH.

Darauf stand: "That's not your business!" (Das ist nicht eure Angelegenheit!)

Zoff mit Vonn

Im Dezember in Val d'Isere wiederum leistete sie sich einen verbalen Schlagabtausch mit Lindsey Vonn, als sie eine Äußerung der Amerikanerin auf sich bezogen fühlte.

Tagelang ging es hin und her, ehe der Streit beigelegt wurde.

Auch nach dem vorzeitigen Erreichen lässt Maze nicht nach. Neues Ziel: die weiteren Kugeln für die Abfahrts-, Super-G- und Slalom-Beste. "Ich werde kämpfen bis zum Schluss, deshalb habe ich jetzt keine Zeit zum Feiern", sagt Maze.

"Habe noch Reserven."

Ausführliche Festivitäten kündigt sie aber für die Zeit nach dem Weltcup-Ende an: "Drei Tage lang wird nur gefeiert."

Auch ein Empfang beim slowenischen Staatspräsidenten steht auf dem Programm. Danach geht es bereits mit Skitests für die kommende Saison weiter. Der Konkurrenz droht sie bereits: "Ich habe noch Reserven."

Fragt sich nur wo? "Ich habe immer noch Fehler gemacht. Aber über eine lange Saison ist das normal", so Maze.

Für so eine außergewöhnliche Saison ist das allerdings alles andere als normal.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel