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Klaus Kröll wurde nach seinem schweren Sturz von einem Helikopter ins Krankenhaus © imago

Chaos beim Super-G-Finale in Lenzerheide: Der Abfahrts-Weltcupsieger von 2012 landet im Zaun, dann wird der Wettbewerb abgesagt.

Lenzerheide/München - Felix Neureuther wurde vom Start zurückgezogen, der WM-Zweite Gauthier de Tessieres sah sich als "Crash-Tester" und Ex-Weltmeister Christof Innerhofer war einfach froh, "gesund im Ziel zu sein".

Klaus Kröll hatte dagegen weniger Glück und stürzte.

Spätestens nachdem der Österreicher mit einem Oberarmbruch im Hubschrauber abtransportiert werden musste und der Rennabbruch im Super-G folgte, war das Weltcup-Finale der alpinen Ski-Rennläufer in Lenzerheide/Schweiz zu einer Chaosveranstaltung geworden.

Der Super-G der Frauen wurde kurz darauf abgesagt.

Gefährliche Bedingungen

Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte da bereits konsequent reagiert.

Neureuther, Spezialist in den Technikdisziplinen, wurde als Vorsichtsnahme aus dem Starthaus geholt und zurück ins Hotel geschickt, die Gesundheit ging vor.

"Die Trainer haben gesagt, es ist zu gefährlich", sagte der 28 Jahre alte Partenkirchner der "ARD": "Mit dem wenigen Aufwand, den ich betrieben habe, wäre das Risiko viel zu groß gewesen."

Neureuther wollte erstmals seit 2008 in einem Speedrennen antreten, um sich die Chance auf einen Podestplatz im Gesamtweltcup zu erhalten.

Frauen wollen nicht starten

Maria Höfl-Riesch, Viktoria Rebensburg und Veronique Hronek wären selbst bei einer Austragung des Frauenrennens nicht gefahren.

Alpindirektor Wolfgang Maier hatte den Verzicht schon offiziell mitgeteilt.

"Wir hätten die Frauen zurückgezogen. Man muss die Gesundheit nicht riskieren für ein Rennen, dass es nicht wert ist zu fahren", sagte Maier.

Die Super-G-Wertung ging nach dem Ausfall an Gesamtweltcupsiegerin Tina Maze aus Slowenien.

"Es ist eine Lotterie"

Aber gerade bei den Männern, deren Wettkampf nach zehn Läufern abgebrochen wurde, war der Ärger gewaltig.

Nach Meinung vieler hätte kein Start erfolgen dürfen.

Der Kroate Ivica Kostelic meinte angesäuert: "Manchmal muss man die Grenze erkennen, es ist eine Lotterie."

"Das war alles andere als fair", sagte der Italiener Innerhofer: "Ich bin froh, gesund im Ziel zu sein. Traurig, dass sich erst jemand weh tun muss, bis jemand reagiert."

Kritik von Innerhofer

Der Weltmeister von 2011 hofft, dass Kröll zumindest von einer schweren Verletzung verschont blieb.

Erste Informationen deuteten auf Verletzungen an Schulter und Oberarm hin. Der Abfahrts-Spezialist hatte nach einer Kompression die Kontrolle kurz verloren und war anschließend in die Fangzäune gerast.

"Wenn Klaus solche Probleme hat, dann war es überm Limit", kritisierte Krölls Landsmann Romed Baumann vielsagend.

Hirscher tobt - und siegt

Auch Marcel Hirscher, der nach der Absage dem Sieg im Gesamtweltcup ganz nahe ist, war erbost.

"Ich bin total grantig. Wenn die Gesundheit nicht im Vordergrund steht, ist es ein Witz. Noch mehr Routine als Krölli kann keiner haben", sagte der 24-Jährige im "ORF".

Dadurch relativierte sich auch seine Freude über die Wiederholung seines Vorjahrestriumphs.

Der Norweger Svindal, der bereits als Gewinner der Disziplinwertung im Super-G festgestanden hatte, kann den Abstand von 149 Punkten allein im Riesenslalom nicht mehr aufholen.

Ohnehin galt der 30-Jährige in den Technikdisziplinen als chancenlos gegen Hirscher.

Jury lässt abstimmen

Die Verantwortung für der Start hatte die Rennjury den Trainern überlassen.

Es gab dort kein klares Votum, sowohl Deutschland als auch Österreich hatten dagegen gestimmt. Dann sollten die Athleten selbst entscheiden.

"Ich habe es noch nie erlebt, dass die Jury abstimmen lässt", sagte Österreichs Sportdirektor Hans Pum fassungslos.

De Tessieres als Crash-Tester

Zunächst hatten am Vormittag Nebel und Schneefall für eine Verschiebung des Starts um über drei Stunden gesorgt.

Danach machten wechselnde Windbedingungen und schlechte Sicht die Piste "Silvano Beltrametti" für die Fahrer kaum noch beherrschbar.

Der Franzose de Tessieres, der mit Nummer eins gestartet war und nach dessen Lauf wieder eine lange Unterbrechung folgte, hielt im Ziel einen Zettel in die Kamera, der Bände sprach:

"Ich war der Crash-Tester heute. Mama, ich bin noch am Leben", stand darauf.

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