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Felix Neureuther lag nach dem ersten Lauf schon aussichtslos zurück © getty

Felix Neureuther lag aussichtslos zurück. Doch der 2. Durchgang des WM-Slaloms verläuft spektakulär. Ein Österreicher jubelt.

Val d'Isere - Es fehlte nur ein Wimpernschlag, und Felix Neureuther hätte die Weltmeisterschaften in Val d'Isere aus deutscher Sicht mit einer großen Überraschung beendet.

In einem Slalom voller Dramatik und mit zahlreichen Favoritenstürzen belegte der Partenkirchner nach einem furiosen zweiten Lauf den vierten Platz.

Nur 19 Hundertstelsekunden fehlten ihm zum großen Glück, zur ersten Einzel-Medaille in seiner Karriere, doch Neureuther gestand auch ein: "Ich hatte die Medaille einfach nicht verdient."

Im ersten Lauf Medaille verspielt

Während der Österreicher Manfred Pranger als einer der wenigen aus dem großen Favoritenkreis auch im zweiten Durchgang die Nerven behielt und vor Julien Lizeroux (Frankreich) und Michael Janyk (Kanada) im letzten WM-Rennen endlich das erste Männer-Gold für Austria gewann, verspielte Neureuther seine anfangs nur geringen Chancen bereits im ersten Durchgang.

Nach einem haarsträubenden Fehler gleich im oberen Kurs-Abschnitt auf der eisigen "Face de Bellevarde" lag er nach dem ersten Lauf 2,49 Sekunden hinter Pranger.

Neureuther mit zweitbester Laufzeit

"Jetzt brauche ich einen Jahrhundertlauf", sagte Neureuther nach dem ersten Durchgang, in dem er sich einen Rückstand von 2,22 Sekunden auf den zunächst drittplatzierten Franzosen Jean-Baptiste Grange eingefangen hatte.

Der Partenkirchner konnte dann im Finale nicht Wort halten, doch mit der zweitbesten Laufzeit wäre ihm fast noch eine Sensation gelungen.

"Wenn ich so im ersten Lauf gefahren wäre, wenn ich im ersten Lauf nicht diese Fehler gehabt hätte, dann wäre ich heute um den Sieg mitgefahren", sagte er.

Sturz-Festival auf schwieriger Piste

Dass es am Ende beinahe noch zu einer Medaille gereicht hätte, war einem Sturz-Festival sondergleichen geschuldet.

Von den besten 30 Slalom-Läufern der Welt schieden elf bereits im ersten Lauf aus - nur neun kamen in die Wertung.

Neureuther hatte als 14. des ersten Durchgangs kaum den zweiten beendet, da purzelten die Anwärter auf die Medaillen nur so zu Tal: unter anderem Benjamin Raich (Österreich/7. nach dem 1. Lauf), Manfred Mölgg (Italien/6.), Ted Ligety (USA/5.), Grange und Johan Brolenius (Schweden/2.). (WM-Ergebnisse)

Bestes Herren-Einzelergebnis seit 2001

Für Neureuther, der in den vorangegangenen vier Slaloms im Weltcup jeweils ausgeschieden war, reichte es immerhin zu seinem besten Ergebnis bei einer Großveranstaltung und zum besten eines deutschen Mannes seit Abfahrtsbronze für Florian Eckert bei der WM 2001.

Zu mehr aber auch nicht, und der deutsche Hoffnungsträger war der Erste, der dies eingestand: "Ich war nicht gut genug." Gleiches galt für Stefan Kogler, der im ersten Lauf allerdings schon am fünften Tor den ersten WM-Auftritt seiner Karriere beenden musste.

Pranger erlöst Österreich

Sieger Pranger erlöste auf einen Schlag ganz Österreich: Mit Nerven wie Drahtseilen behauptete er seine Führung aus dem ersten Lauf und lag am Ende deutlich vor Lizeroux (0,31 Sekunden zurück), der bereits Silber in der Kombination gewonnen hatte, sowie vor dem Überraschungsdritten Janyk (1,53).

"Es war schon sehr schwierig heute. Dass es gereicht hat, ist wunderschön", sagte der 31-Jährige der bislang als "Flattermann" gegolten hatte: "Ich hab' mir gedacht, wenn ich das wieder in den Sand setze, bin ich der Depp der Nation."

So wurde Pranger gerade noch zum Retter: Österreich landete nach seinen zwei vergleichsweise tristen Wochen in Val d'Isere am Ende doch noch auf Rang zwei in der Medaillenwertung.

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