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Felix Neureuther gewann bei der Ski-WM 2005 in Bormio Gold im Nationen-Bewerb © getty

Die Ski-WM in Val d'Isere endet mit zwei Goldmedaillen für den Deutschen Skiverband. Es ist die erfolgreichste WM seit 16 Jahren.

Val d'Isere - Am Ende der erfolgreichsten WM seit 16 Jahren hatte sogar Felix Neureuther noch einmal eine Hand an Bronze.

Der 24 Jahre alte Partenkirchener fuhr beim Slalom mit einem Traumlauf noch auf den vierten Rang vor und verfehlte das Siegertreppchen lediglich um winzige 0,19 Sekunden (Neureuthers irre Aufholjagd).

Neureuther grämte sich nicht allzu sehr - und der Deutsche Skiverband (DSV) freute sich dennoch über die beste alpine Ski-WM seit 1993.

Wie damals in Japan Katja Seizinger (Super-G) und Miriam Vogt (Kombination) bescherten nun Maria Riesch mit dem Slalomsieg und Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl dem DSV zweimal Gold. In Morioka gab es noch einmal Bronze durch Martina Ertl im Riesenslalom.

Edelmetall verspielt

Neureuther hätte in Val d'Isere diese noch fehlende Plakette fast geholt. Mit einem Lauf voller Fehler verspielte er sie allerdings im ersten Durchgang.

Nur als 14. war er ins Finale gegangen, 2,22 Sekunden entfernt vom Podium.

Doch Neureuther legte die zweitbeste Laufzeit hin, nach ihm scheiterten die Favoriten der Reihe nach - lediglich Manfred Pranger (Österreich), der Franzose Julien Lizeroux und der Kanadier Michael Janyk kamen durch und standen in dieser Reihenfolge oben.

"Medaille nicht verdient"

"Es haben ziemlich viele Nerven gezeigt", sagte Neureuther, der bereits an ein ähnliches Happy End glaubte, wie es Hölzl und Riesch erlebt hatten, die von Platz vier bzw. sechs in ihre finalen Läufe gingen.

Doch Neureuthers Rückstand aus dem ersten Lauf war zu groß, "und deshalb habe ich die Medaille auch nicht verdient. Mein erster Lauf war zu fehlerhaft. Wenn ich die Fehler nicht mache, kann ich um den Sieg mitfahren. Aber ganz ehrlich: Ich war nicht gut genug."

Durststrecke überwunden

Zuvor hatte Hölzl den DSV nach 52 Einzel-Wettbewerben ohne Medaille aus der Krise gefahren - und wie! (WM-Ergebnisse)

Die 24-Jährige holte als erste Deutsche seit Maria Epple 1978 WM-Gold im Riesenslalom, Maria Riesch setzte am Samstag dann sogar noch einen drauf.

Riesch gewann als erste Deutsche seit Rosi Mittermaier 1976 den Slalom-Titel. Und das, obwohl Riesch nach ihrem schweren Trainingssturz und den vier Pleiten zuvor körperlich und seelisch am Boden lag. "Ich hatte Momente, in denen ich gezweifelt habe und psychisch völlig platt war", gab sie zu.

Hölzls Sieg nimmt den Druck

Hölzls Sieg nahm ihr dann den Druck des Siegenmüssens - derart befreit wedelte sie zum Sieg.

Mit ihrer Freundin Lindsey Vonn (USA), die mit zweimal Gold zur "Königin von Val d'Isere" aufstieg, feierte Riesch bis weit in die Nacht hinein ihren Coup. "Ich habe Gold. Das ist der Oberhammer", sagte sie.

Maier: "Ein Märchen"

Für DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier war es "ein Märchen", und Präsident Alfons Hörmann sprach von den "wichtigsten Einzelmedaillen für den DSV seit Jahren".

Hörmann und Maier hatten sich über Jahre anhören müssen, dass die teure Alpinsparte ein Kostgänger der etwas günstigeren, aber erfolgreicheren Nordischen und der Biathleten sei.

Sie strukturierten den kränkelnden Bereich um und ernteten jetzt in Hochsavoyen die Früchte ihrer hartnäckigen Arbeit. "Für uns ist das überdimensional", sagte Maier, der hofft, dass die Alpinen "wieder einen bestimmten Stellenwert" bekommen.

"Noch viele Baustellen"

Die Erfolge von Val d'Isere vernebeln den Verantwortlichen aber nicht den Blick dafür, dass sie bis zu den Olymischen Spielen 2010 und zur WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen noch viel Arbeit haben.

"Wir brauchen jetzt nicht die Nase oben zu tragen. Wir haben noch viele Baustellen. Vor allem bei den Männern", sagte Maier. Bei den Männern "sind wir überhaupt noch nicht richtig vorwärts gekommen", sagte Maier.

Neureuther weiter Alleinunterhalter

Neureuther ist weiter Alleinunterhalter, nur Stephan Keppler schlug sich als 15. bei der Abfahrt noch achtbar.

Aber auch im Speed-Bereich der Frauen, wo neben Riesch nur Gina Stechert und auf Sicht vielleicht noch Viktoria Rebensburg in der erweiterten Weltspitze fahren, "müssen wir ansetzen", betonte Maier, "aber wir sind auf dem richtigen Weg".

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