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Markus Wasmeier wurde in Albertville 1992 Doppel-Olympiasieger © getty

Markus Wasmeier ist durch sensationelle Siege bekannt geworden. Noch heute gibt er Gas - trotz zweier künstlicher Hüften.

Köln - In fünf Monaten wird sich Markus Wasmeier bei den Olympischen Spielen in Sotschi wieder die Pisten herunterstürzen:

Der Mann, dessen doppelter Triumph bei den Spielen in Lillehammer 1994 bald zwei Jahrzehnte zurückliegt, ist als Experte für das Fernsehen noch wie ein Junger unterwegs.

Dabei wird der bekannte deutsche Skifahrer an diesem Montag schon 50 Jahre alt.

Radtour mit Familie

"Ich fühle mich noch wie damals, nur an manchen Bewegungen merke ich, dass ich älter werde", sagt Wasmeier, der im Frühjahr bereits die zweite künstliche Hüfte erhielt.

Den Geburtstag feiert er auf besondere Weise: "Wir starten eine dreitägige Radtour zur Familie meiner Frau nach Südtirol."

Mit dabei sind außer Ehefrau Brigitte, die Wasmeier einst beim Prominenten-Trabrennen in München-Daglfing kennenlernte, die Söhne Markus, 20, Design-Student, Lukas, 18, der zum C-Kader des Deutschen Skiverbandes gehört und Kilian, 16.

Manager, Schnapsbrenner, Handwerker, Baggerfahrer

In Schliersee, wo er am vergangenen Samstag "Bavarian Highland-Games" mit Teilnehmern aus Schottland, Österreich, Schweiz und natürlich Bayern veranstaltete, hat der traditionsbewusste Oberbayer Wasmeier alte Bauernhöfe aus dem 16. und 17. Jahrhundert versetzt und zum Teil liebevoll restauriert.

2005 eröffnete er dort sein privates Bauernhof- und Wintersport-Freilichtmuseum.

"Wir haben im Sommer 100.000 Besucher. Ich bin mit 70 Angestellten einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Miesbach", sagt er stolz und fügt lachend hinzu: "Ich bin Manager, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirt, Landwirt, Handwerker, manchmal Baggerfahrer."

Realistisch beim Träumen

Wasmeier genießt in der Idylle sein Glück, "auch weil ich mit meinen Träumen nie uferlos war".

Ausgesorgt habe er nicht durch seine Olympiasiege, "aber sie waren ein guter Türöffner". Nach der alpinen Karriere wirkte "Wasi" in fünf Skifilmen von Willy Bogner mit und trat außerdem als Modedesigner auf.

Am Anfang hatte der sportliche Traum gestanden. Dass er sich erfüllen könnte, hatte Klaus Mayr, der Rosi Mittermaier bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976 zum Doppel-Gold führte, früh geahnt, nachdem er das deutsche Männerteam im Leistungstal übernommen hatte.

Sensationelles Gold, schlimmer Unfall

Sensationell war das Gold bei der Weltmeisterschaft 1985 für die Öffentlichkeit, die vor den Fernsehschirmen erlebte, wie der junge Wasmeier mit jugendlicher Unbeschwertheit die Etablierten düpierte.

Es ging erfolgreich weiter. 1986 folgten die beiden ersten Weltcupsiege, und 1987 stand Wasmeier vor dem Weltcup-Triumph in Gesamtwertung, Abfahrt, Riesenslalom und Super-G. Doch dann brach er sich bei einem schlimmen Sturz in Furano/Japan zwei Rückenwirbel.

Wasmeier schrammte knapp am Rollstuhl vorbei und sagt dennoch: "Keine Sekunde habe ich ans Karrierenende gedacht. Schlimm war, dass meine Siegerski kaputt waren."

Das Siegen wieder gelernt

1991 lernte er wieder das Siegen, ein Jahr später blieb bei den Olympischen Spielen in Albertville jedoch nur Rang vier in der Abfahrt.

Zwei Jahre später erhielt "Wasi" eine neue Chance auf olympischen Lorbeer. Die erste vergab er in Lillehammer auf fast peinliche Weise: Platz 36 in der Abfahrt.

Sechs Tage später dann der Super-G. "Im Training fühlte ich mich mies. Und ich hätte fast das Rennen verpasst, weil ich erstmals in der starken Gruppe fuhr und spät eintraf", erinnerte er sich später.

Doppelter Coup in Albertville

Dann riss es ihm an der Ausfahrt zum Steilhang an einer Flagge die Brille herunter, die Mütze rutschte vor die Augen, nach einer Bodenwelle hing er im Spagat - fast das Aus: "Aber ich habe um jede Hundertstelsekunde gekämpft und konnte den Sieg dann kaum fassen."

Es kam noch ein zweites Gold im Riesenslalom dazu, in dem er seit seinem Sieg bei der WM 1985 kein Rennen mehr gewonnen hatte - und das trotz überholter Skitechnik.

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