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Claudia Nystad gewann 2004 in Otepää (Estland) ihr erstes Weltcup-Rennen © imago

Vor dem Saisonstart spricht Langläuferin Claudia Nystad über Erwartungen, Trainerzoff und ihr versteigertes Olympia-Gold.

Von Michael Spandern

München/Beitostölen - Es gab viel Unruhe in der vergangenen Saison im weiblichen Lager der Skilangläufer.

Die Fehde zwischen der Mannschaft, Bundestrainer Jochen Behle und Damentrainer Ismo Hämäläinen fand vermehrt Raum in der Presse.

Dass darunter auch die Leistung litt, ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Platz 13 in der Gesamtwertung war 2002-Staffel-Olympiasiegerin Claudia Nystad die beste Deutsche.

Vor dem Saisonauftakt in Beitostölen (Sa., ab 11.30 Uhr LIVE) spricht die viermalige Saisonsiegerin im Sport1.de-Interview über die Erwartungen an den Olympia-Winter, die Fehde mit Bundestrainer Behle und ihre verkaufte Goldmedaille.

Sport1.de: Welche Ziele haben Sie sich für die Olympiasaison gesetzt?

Claudia Nystad: In erster Linie gesund durch den Winter zu kommen. Wenn ich das schaffe, kann ich eine Menge erreichen - auch eine Medaille in Vancouver. Aber wenn wir uns bei der Kälte umziehen, fangen wir uns leicht mal eine Erkältung ein oder wir stecken uns auf Terminen bei anderen Athleten an.

Sport1.de: Werden die Spiele in Vancouver womöglich Ihre letzten?

Nystad: Das halte ich mir offen. Ich setze einen Schritt nach dem anderen.

Sport1.de: Unterscheidet sich die Vorbereitung auf eine Olympia-Saison von der in anderen Jahren?

Nystad: Der Verband eicht die Pläne genau auf Vancouver. Die Trainingsabläufe sind allerdings die gleichen, und alle Maßnahmen werden auch mit dem gesamten Kader - also sieben Damen - durchgeführt.

Sport1.de: Welche Bedeutung hat der Gesamt-Weltcup für Sie?

Nystad: Mir sind zwei, drei Siege lieber, als konstant auf Platz vier oder fünf zu laufen und im Gesamt-Weltcup gut abzuschneiden.

Sport1.de: Sie haben den Gesamt-Weltcup zuletzt als beste Deutsche abgeschlossen.

Nystad: Aber auf Platz 13 - und das ist einfach kein gutes Ergebnis.

Sport1.de: Bei der WM in Liberec überschattete die von Cheftrainer Jochen Behle angestoßene Diskussion um Damentrainer Ismo Hämäläinen das Staffel-Silber. Kocht sie in der neuen Saison wieder hoch?

Nystad: Nein, die Diskussion ist glücklicherweise gelöst, weil wir mit Janko Neuber einen neuen Damentrainer haben, mit dem Jochen Behle bis jetzt zufrieden ist. Wenn es so bleibt, ist das schön für alle.

Sport1.de: Mit dem vorigen Damentrainer waren Sie sehr zufrieden.

Nystad: Alle Damen waren mit Ismo zufrieden - ein guter und schlauer Mann.

Sport1.de: Hat er letztlich kapituliert oder ist er entlassen worden?

Nystad: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Sport1.de: Wie bewerten Sie selbst die WM: Möchten Sie Liberec angesichts des Stunks am liebsten vergessen?

Nystad: Ärger im Team trägt nie dazu bei, dass man Bestleistungen bringt.

Sport1.de: Jochen Behle hat Hämäläinen zu weich genannt und Ihnen einmal öffentlich mangelnde Einstellung vorgeworfen. Müssen Sie sich dagegen nicht wehren?

Nystad: Ich möchte mich nicht via Medien wehren, dadurch verstrickt man sich nur tiefer in diese Angelegenheit. Jeder Mensch braucht Rückhalt. Und mit Hämäläinen hatten wir jemanden, der nach außen, aber auch intern zu uns gestanden hat.

Sport1.de: Was man von Behle nicht uneingeschränkt sagen kann...

Nystad: Sein Vorwurf gegen mich war nur in der Presse zu lesen, und während der Saison lese ich keine Zeitung. Intern gab es keine Auseinandersetzung.

Sport1.de: Ihr Ehemann Trond ist auch Langlauf-Trainer, er betreut das Schweizer Skiteam. Was können Sie von ihm lernen?

Nystad: Er hat viel Wissen über Technik- und Krafttraining, und wenn ich eine Frage habe, hat er die Antwort.

Sport1.de: Ihr Staffel-Gold von den Olympischen Spielen 2002 haben Sie zugunsten der Stiftung Hänsel und Gretel versteigert, deren Anliegen der Schutz vor Gewalt gegen und Missbrauch von Kindern ist. Wie kam es zu dieser Idee?

Nystad: Ich kannte die Stiftung schon länger und habe sie angesprochen. Mich bedrückt diese Problematik nicht erst, seit die schrecklichen Fälle publik wurden, bei denen Kinder über Jahre im Keller eingesperrt waren.

Sport1.de: Was kann die Politik tun?

Nystad: Pädophile, die wissen, dass ihre sexuelle Neigung falsch ist, haben keine Anlaufstelle. Sie finden derzeit keine Hilfe. Ich denke, das könnte man ändern.

Sport1.de: Die Goldmedaille ist nun in einem russischen Museum ausgestellt, das sie für 22.000 Euro ersteigert hat.

Nystad: Dort ist sie gut aufgehoben. Schließlich ist Sport ja auch ein öffentliches Ereignis.

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