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Petra Behle ist die erfolgreichste deutsche WM-Teilnehmerin aller Zeiten © getty

Der Haussegen im Langlauflager von Jochen Behle hängt schief. Seine Ex-Frau Petra Behle spricht bei Sport1.de über die Gründe.

Von Wolfgang Kleine

München - Die olympischen Winterspiele in Vancouver (12. bis 28. Februar) rücken immer näher, doch während die deutschen Biathleten hoffnungsvoll nach Kanada blicken, hängt der Haussegen im Langlauflager von Bundestrainer Jochen Behle schief.

Nach dem enttäuschenden Verlauf auf den ersten drei Etappen, auf denen nur die vom Biathlon ausgeliehene Miriam Gössner beim Prolog überzeugte, zog Behle alle Athletinnen bis auf Katrin Zeller von der Tour de Ski zurück (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

Zudem geizte Behle anschließend nicht mit kritischen Worten für seine Damen-Abteilung. "Man braucht nur auf die Ergebnisliste zu schauen, die Resultate der Frauen sind einfach schlecht", brachte es der Bundestrainer kurz und knapp auf den Punkt.

Erneute Konfrontation Behle - Damen

Die Kritik wirft wieder die Diskussion vom Vorjahr auf, als sich Behle mit Frauentrainer Ismo Hämäläinen wegen dessen zu lockerem Training überwarf, und der Finne nach der Saison das Handtuch warf.

Nun beschweren sich Evi Sachenbacher-Stehle und Co. über die zu harte Vorbereitung des von Behle eingesetzten Hämäläinen-Nachfolger Janko Neuber.

Männer sind direkter

Eine, die beide Seiten - die der Athletinnen und von Bundestrainer Behle - gut kennt, ist Behles Ex-Frau Petra Behle. Die ehemalige Biathletin, die mit vier Einzel- und fünf Staffel-Goldmedaillen noch immer die erfolgreichste deutsche WM-Teilnehmerin aller Zeiten ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist und mit welchen Problemen die Läuferinnen zu kämpfen haben.

"Männer sagen sich die Meinung ins Gesicht und dann ist alles wieder gut. Bei den Frauen passiert so etwas eher im Hintergrund. Als Frauentrainer muss man mehr diskutieren", geht Petra Behle bei Sport1.de auf die Unterschiede beim Training ein.

Bei Sport1.de spricht die 42-Jährige über die Probleme im Langlauflager, die Chancen der Deutschen bei den anstehenden Winterspielen und warum ihr Ex-Mann mit Frauen möglicherweise anders kommunizieren muss als mit Männern.

Sport1.de: Frau Behle, woran liegt es, dass es bei den Biathletinnen reibungslos läuft und die Langläuferinnen unter ihrem Ex-Mann Jochen Behle solche Probleme haben?

Petra Behle: Ich kann das, was bei den Langläuferinnen passiert, nicht einschätzen. Ich habe zu Jochen zwar noch einen gewissen Kontakt, aber keinen sehr engen. Eine Einschätzung kann und will ich daher nicht abgeben. Jochen ist ja auch nicht unbedingt der, der sie trainiert. Die haben mit Janko Neuber einen eigenen Trainer.

Sport1.de: Man hat ihren Ex-Mann aber auch schon als Macho bezeichnet. Dann kam die "Stinke-Finger-Affäre" um Claudia Nystad, die später zwar abstritt, die Geste habe Jochen Behle gegolten, die aber trotzdem für reichlich Aufsehen sorgte. Denken Sie, dass so etwas unter Biathlon-Bundestrainer Uwe Müssiggang passieren würde?

Behle: Nein. Ich habe aber trotzdem als Außenstehende das Gefühl, dass die Langlauf-Mannschaft gelernt hat, dass man voneinander profitieren muss. Die Athleten ergänzen sich ja auch sehr gut. Es ist eigentlich ein sehr gesundes Verhältnis. Daraus kann man nicht sagen, warum es bei den Biathleten besser passt und bei den Langläufern nicht.

Sport1.de: Müssen Frauen anders trainiert werden als Männer? Vielleicht in pychologischer Hinsicht? Wie sehen Sie das aus Sicht der früheren Athletin?

Behle: Der große Unterschied ist, dass Männer offener sind. Die sagen sich die Meinung ins Gesicht, wenn etwas nicht passt. Dann ist alles wieder gut. Bei den Frauen passiert so etwas im Hintergrund. Als Frauentrainer muss man daher mehr diskutieren. Ich glaube, dass Frauen auch mehr Diskussionen fordern. Auch ich brauchte früher immer einen Trainer, der bereit war, sich mit mir auseinander zu setzen.

Sport1.de: Sie kennen ja ihren Ex-Mann lange genug. Haben Sie den Eindruck, dass er mit seinen Ansprüchen vielleicht manchmal über das Ziel hinaus schießt?

Behle: Also ich unterstelle ihm einfach mal, dass er für die Frauen nur das Beste will. Er würde sich ja sonst selbst die Stuhlbeine absägen. Es kann auch nicht in seinem Sinne sein, Unruhe und damit weniger Erfolg zu haben. Eine Mannschaft besteht aber nicht nur aus ihm, sondern aus einem ganzen Betreuer-Team. Wenn etwas nicht passt, müssten mehrere Personen hinterfragt werden.

Sport1.de: Wie sehr berührt Sie das als ehemalige Biathletin?

Behle: Als Ex-Athletin leidet man immer ein wenig mit, wenn es irgendwo nicht läuft. Man fragt sich auch, warum ist das so? Jochen wird sicher versuchen, die am schnellsten laufende Staffel an den Start zu schicken. Mit Miriam Gössner zum Beispiel hat Jochen eine ganz tolle Athletin.

Sport1.de: Ist der Druck für Miriam Gössner nicht zu groß?

Behle: Mich wundert es schon, warum so viel Druck auf so eine junge Athletin ausgeübt wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in Vancouver zusätzlich beim Biathlon antritt. Für eine junge Sportlerin ist es nicht einfach, die hohen Erwartungen auch immer zu erfüllen. Sie ist aber ohne Frage ein großartiges Talent.

Sport1.de: Zum Biathlon: Wenn Sie den jetzigen Stand der Athleten und Athletinnen berücksichtigen, wie sieht Ihre Prognose für Vancouver aus? Würden Sie sagen, da ist alles auf dem richtigen Weg, oder denken Sie eher, dass die Erfolge von Turin nicht wiederholt werden können?

Behle: Der Skiverband stapelt nicht tief, sondern die gehen die Ziele ganz offensiv an. Ich glaube, dass bei den Frauen fünf, sechs Athletinnen dabei sind, die den Titel gewinnen können. Ich bin mir auch sicher, dass die Männer besser sind als das, was man bisher von Ihnen gesehen hat. Aber es ist bei der großen Konkurrenz sehr schwierig, nach vorne zu kommen.

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