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Jochen Behle (l.) ist seit 2002 Bundestrainer im Langlauf © getty

In den Handicap-Rennen schaffen die deutschen Langläufer nicht den Sprung aufs Podest. So endet der Olympia-Winter ohne einen Einzelsieg.

Falun - Die deutschen Skilangläufer haben erstmals seit neun Jahren einen Weltcup-Winter ohne Einzelsieg abgeschlossen, sich aber ehrenvoll aus einer erfolgreichen Olympia-Saison verabschiedet.

Der Vancouver-Zweite Tobias Angerer lieferte als Zweiter im Jagdrennen beim Finale im schwedischen Falun noch einmal ein Top-Ergebnis, das Saison-Fazit von Cheftrainer Jochen Behle fiel aber zwiespältig aus - auch weil seine Athleten am Sonntag der Konkurrenz hinterher liefen.

"Wir haben bei Olympia fünf Medaillen geholt und damit das Soll übererfüllt, das war sehr erfreulich. Aber insgesamt können wir mit diesem Winter nicht vollauf zufrieden sein", meinte der Bundestrainer.

"Wir müssen arbeiten und arbeiten, damit wir nicht auf Glückstreffer angewiesen sind, sondern zurecht Anspruch auf Medaillen erheben können", führte Behle fort, der in Zukunft auf Rene Sommerfeldt verzichten muss.

Der Oberwiesenthalter beendete seine erfolgreiche Karriere mit den Rängen 17 und 39.

Nur ein Sieg im Teamsprint

Keinen Einzelsieg hatte es für die deutschen Langläufer zuletzt 2001 gegeben, 2002 trat Erfolgscoach Behle sein Amt an.

Nach Jahren auf der Erfolgswelle durchlaufen seine Athleten ein längeres Tal, in diesem Winter feierten Evi-Sachenbacher-Stehle und Stefanie Böhler im Teamsprint von Rybinsk/Russland Ende Januar den einzigen Sieg.

Sachenbacher nur 13. am Sonntag

Dazu gab es noch sechs weitere Podiumsplatzierungen, 29-mal liefen Deutsche unter die Top 10 wie Olympiasiegerin Sachenbacher-Stehle als starke Fünfte des Jagdrennens am Samstag in Falun. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Beim Handicap-Rennen am Sonntag belegte die Strahlefrau Platz 13. "Ich bin froh, dass ich jetzt endlich zur Ruhe komme. Am Saisonanfang habe ich ein bisschen an mir gezweifelt. Dass es bei Olympia mit Gold und Silber enden würde, habe ich mir nicht erträumt. Es war eine super Saison für mich", sagte sie.

Probleme im Distanzbereich

Trainer Janko Neuber klang nach seiner ersten Saison als Chef des Frauen-Teams weniger euphorisch.

"Olympia war unser Höhepunkt, da haben wir mehr geholt, als erwartet worden war. Aber der komplette Saisonverlauf war schwierig. Besonders im Distanzbereich haben wir Probleme. Wir müssen im Sommer besser arbeiten als im letzten Jahr, auch methodisch einiges besser machen", sagte er.

Bierchen mit dem Trainer

Das gilt auch für die Männer, denen Behle eine "durchwachsene" Saison bescheinigte. Umso schwerer wiegt der Ausstieg Sommerfeldts, der sein letztes Rennen in einem uralten Laufanzug bestritt und kurz vor dem Ziel mit einem Becher Bier mit Behle anstieß.

"Sommi hat für uns Weichen gestellt. Er hat unsere erste Medaille geholt, als Erster den Gesamtweltcup gewonnen und mit seiner Art zu trainieren Zeichen gesetzt. Wir haben ihm einiges zu verdanken", sagte Behle.

Angerer Siebter am Sonntag

Im Vorjahr hatte es für die Deutschen durch Angerer immerhin noch einen Einzelsieg gegeben. Angerer verpasste den möglichen Sieg am Samstag nur um 1,7 Sekunden, als er sich nach 15 km dem norwegischen Gesamtweltcupsieger Petter Northug geschlagen geben musste.

"Schade. Aber ich konnte nochmal zeigen, was ich drauf habe", sagte Angerer. Beim zweiten Sieg Northugs in Falun beim Handicap-Rennen wurde der 32-Jährige Siebter.

Die beiden Frauen-Rennen gewann die dreimalige Olympiasiegerin Marit Björgen (Norwegen), die sich in der Gesamtwertung aber hinter der Polin Justyna Kowalczyk mit Platz zwei begnügen musste.

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