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Tobias Angerer beim Trockentraining vor einem Diagnose-Gerät © imago

Doping im Skilanglauf? Tobias Angerer ist durch die Manipulationen im Radsport aufgeschreckt. Er äußert sich bei Sport1.de.

Von Wolfgang Kleine

Schwäbisch Hall/München - Tobias Angerer läuft während der DSV-Einkleidung in Schwäbisch Hall wie nach der Weihnachtsbescherung herum.

Der 31-jährige Langlauf-Star freut sich auf dem Flughafen des DSV-Sponsors Würth allerdings weniger über die neuen Sachen, sondern noch immer über die Geburt seiner Tochter Karlotta Theres am 3. September.

Für den Tour-de-Ski-Sieger von 2007 hat sich "ein ganz neues Lebensgefühl eingestellt". Angerer ist nach der etwas verkorksten vergangenen Saison wieder richtig motiviert. Für ihn ist der Triumph bei der WM 2009 ein ganz großes Ziel.

Und das will er mit legalen Mitteln erreichen. Die derzeitige Doping-Diskussion im Radsport hat auch den Anti-Doping-Kämpfer Angerer stark berührt. Im Sport1.de-Interview äußert sich Angerer über das Thema CERA im Skilanglauf, die neue Motivation und die Saisonziele.

Sport1.de: Herr Angerer, in der vergangenen Saison klappte es nach einem sehr guten Jahr nicht ganz so gut. Wie fällt Ihre Analyse aus?

Tobias Angerer: Es sind in der vergangenen Saison einige Dinge falsch gelaufen. Ich war zu ehrgeizig und übermotiviert, weil ich unbedingt den dritten Gesamtweltcup gewinnen wollte. Dann habe ich zu viel trainiert und war weder körperlich noch geistig frisch. Dazu kamen einige unglückliche Rennsituationen. Trotzdem habe ich alles gegeben und bin deshalb mit mir im Reinen. Ich habe jetzt einiges verändert. Zum Beispiel schaue ich, dass ich viel zu Hause in Ruhrpolding trainiere, und das tut mir gut.

Sport1.de: Welche Änderungen haben Sie sonst noch vorgenommen?

Angerer: Ich lege wieder mehr Ruhephasen ein. Das habe ich aus der letzten Saison gelernt. Jetzt will ich wieder angreifen.

Sport1.de: Sie sind seit kurzem Vater von Töchterchen Karlotta Theres. In wie weit wirkt sich die neue Familiensituation auf Ihre Leistungen aus?

Angerer: Das ist natürlich ein tolles Gefühl, das mich motiviert. Ich hoffe, dass jetzt neue Kräfte frei werden. In meinen Augen ist das Größte was man erreichen kann, eine Familie zu gründen.

Sport1.de: Das Thema Doping hat uns in den letzten Wochen wieder im Radsport kräftig verfolgt. Sie haben sich mehrfach öffentlich für den Kampf gegen Doping ausgesprochen. Sind Sie sich sicher, dass im Skilanglauf alles sauber ist? Könnte der Wirkstoff CERA eine Rolle spielen?

Angerer: Ich habe von diesem Wirkstoff erstmals gehört, als jetzt im Team Gerolsteiner diese Dopingfälle herauskamen. Das ist sehr traurig, aber wir werden den Kampf fortsetzen. Ich weiß, dass ich zu tausend Prozent einen sauberen Sport abliefere. Das ist meine Motivation und meine Leidenschaft. Aber der Kampf gegen Doping wird in den kommenden Jahren nicht leichter werden. Man muss der Öffentlichkeit zeigen, dass es auch noch sauberen Sport gibt und man nicht alle vorverurteilen darf. Das ist traurig, was da momentan passiert.

Sport1.de: Könnten Sie auch für andere die Hände ins Feuer legen?

Angerer: Für mich selbst kann ich die Hand ins Feuer legen. Und ich bin mir auch beim ganzen deutschen Skiverband sicher, dass da ein sauberer Sport abgeliefert wird.

Sport1.de: Ist der Langlauf ähnlich wie der Radsport anfällig für das Thema Doping? Oder liegt es daran, dass es im Radsport mehr Geld zu verdienen gibt?

Angerer: Das liegt mit Sicherheit auch daran. 2001 und 2002 gab es aber auch im Langlauf Dopingfälle. Seither sind die Kontrollen verschärft worden. Aber es wird immer und in jeder Sportart schwarze Schafe geben. Deshalb ist es gut, dass die Kontrollen sich ständig verbessern. Zum Beispiel war ich immer dafür, die Proben einzufrieren um sie neu zu kontrollieren, wenn es bessere Methoden gibt.

Sport1.de: Wie oft wurden Sie selbst im Sommer kontrolliert?

Angerer: Wir hatten vier oder fünf Trainings-Kontrollen. Und es ist auch wichtig, dass es diese Kontrollen gibt.

Sport1.de: Wo liegen Ihre Schwerpunkte in der kommenden Saison?

Angerer: Es wird immer schwieriger, weil der Spagat zwischen Sprint und Distanz immer größer wird. Ich werde ab und zu auch sprinten, aber mein primäres Ziel ist, an die Leistungen von vor drei Jahren anzuknüpfen. Wenn ich wieder diese Verfassung erreiche, dann kann ich auch vorne mitlaufen.

Sport1: In welcher Disziplin wäre der Weltmeister-Titel am ehesten möglich?

Angerer: Also, wenn das gelingen würde, wäre mir die Disziplin total egal.

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