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Der Schwede Marcus Hellner (r.) blickt 2010 angstvoll nach oben © getty

Kurz vor Ende der Tour de Ski hält sich die Freude bei den Aktiven in Grenzen. Denn die höchste Prüfung wartet am Schlusstag.

Val di Fiemme - Ein Spektakel für die Fans, ein Höllenritt für die Athleten:

Mit dem gefürchteten Anstieg auf die Alpinstation Alpe Cermis endet am Sonntag die ohnehin kräftezehrende Tour de Ski der Langläufer.

"Das wird eine knallharte Geschichte", sagt Bundestrainer Jochen Behle über den finalen "Almauftrieb", an dem sich die Geister scheiden.

Während die Sportler teilweise "Schiss" haben, freuen sich die Veranstalter über Zuschauermassen am Hang.

"Diese Etappe ist Kult geworden. Aber sie ist definitiv hart", sagt Behle, der von "Bergsteigen mit Ski" spricht. Das vergangene Jahr habe aber gezeigt, dass die Klettertour auf 1278 Meter angenommen werde - und durchaus machbar sei.

425 Höhenmeter auf 3,7 Kilometern

Das gelte auch für die Frauen. "Für die ist das natürlich noch eine Nummer härter. Aber es geht", sagt Behle.

Bei Kilometer sieben geht es los: Nach der eher entspannten Anfahrt sind auf nur 3,7 Kilometer spektakuläre 425 Höhenmeter zu überwinden. Durchschnittlich sind das 12 bis 14 Prozent Steigung, aber es gibt auch drei extrem steile Passagen mit bis zu 28 Prozent.

Das ist einmalig im Skilanglauf-Zirkus. Immerhin sind im Vergleich zum Vorjahr einige Passagen entschärft worden.Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News

Renndirektor: "Man geht in Extreme"

Die Veranstalter hoffen dabei auf ähnliche Bilder wie bei der legendären Anfahrt der Radprofis auf Alpe d'Huez (extremste Steigung: 14,8 Prozent).

"Man geht ins Extreme, um nach vorne zu kommen. Man muss sehen, was für eine Öffentlichkeitswirkung dieser Lauf hat. Die Tour ist so aufgebaut, dass die Entscheidung möglichst erst am Ende fällt", sagte Renndirektor Jürg Capol.

Nicht alle Athleten teilen diese Begeisterung. Steffi Böhler sprach vor Tour-Beginn von einem "Viehauftrieb", Evi Sachenbacher-Stehle von "Schiss". Beide sind inzwischen ausgestiegen und kommen so um die Quälerei herum.

Filbrich setzt auf Ruhe

Andere sehen in dem Schlussakt die Chance, auch in der Gesamtwertung ein wenig zu klettern. "Auf der Alpe Cermis kann man sich noch kräftig nach vorne schieben", sagt etwa Jens Filbrich, der als 18. ins Wochenende geht und die Top 10 noch nicht abgehakt hat. (DATENCENTER: Die Tour de Ski der Männer)

Seine Taktik auf dem Steilhang: "Ruhe ist oberste Pflicht. Man muss sein eigenes Tempo gehen, darf sich nicht beeinflussen lassen."

Zuvor warten am Samstag noch die Klassikrennen über 20 Kilometer (Männer) und 10 Kilometer (Frauen) auf das Feld (ab 12.30 Uhr im LIVE-TICKER). "Da wird es vom ersten Moment an zur Sache gehen, da kommt richtig Tempo rein", sagt Behle, der zumindest bei den Männern auf eine einstellige Platzierung hofft.

"Ganz nach vorne werden wir es sicher nicht mehr schaffen. Aber es wäre schön, wenn wir noch ein paar Plätze gutmachen können", so Behle. Derzeit liegen Kletter-Spezialist Tom Reichelt, Filbrich und Youngster Hannes Dotzler auf den Plätzen 15, 18 und 22.

Entscheidung bei Männern schon gefallen?

Für die deutsche Einzelkämpferin Katrin Zeller (16.) hat Behle Rang 13 als Ziel ausgegeben.(DATENCENTER: Die Tour de Ski der Frauen)

Im Kampf um die üppige Siegprämie von 150.000 Schweizer Franken (ca. 119.000 Euro) und 400 Punkte für den Weltcup scheint zumindest bei den Männern die Entscheidung gefallen: Der Schweizer Dario Cologna geht mit über 70 Sekunden Vorsprung auf Marcus Hellner (Schweden) auf die Schlussetappen.

Spannender wird es bei den Frauen, wo Titelverteidigerin Justyna Kowalczyk (Polen) 27,2 Sekunden vor der Italienerin Arianna Follis liegt. Über den Berg sind die beiden Führenden aber erst am Sonntagabend.

Zehn Etappen im kommenden Jahr?

Unterdessen planen die Veranstalter für den kommenden Winter einige Änderungen. "Die Tour ist noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert", sagte FIS-Renndirektor Jürg Capol und brachte als Konsequenz ein neues Format ins Gespräch.

Denkbar seien sowohl "neue Zielorte" als auch eine Erweiterung auf zehn Etappen.

Unzufrieden war Capol besonders mit dem Tour-Auftakt in Thüringen. "Der Zuschauerzuspruch in Oberhof könnte noch besser sein", sagte der 45-Jährige, der gemeinsam mit Norwegens Ski-Idol Vegard Ullvang als Erfinder der Rennserie gilt.

Tschechien und Polen im Gespräch

Im Stadion am Grenzadler waren an den ersten beiden Tour-Tagen zahlreiche Plätze leer geblieben.

Da im kommenden Winter weder Olympische Spiele noch eine WM auf dem Programm stehen, hält der Schweizer zudem weitere Etappen für möglich.

"Ich bin noch immer auf der Suche nach dem dritten Tour-Land. Die Schweiz oder Österreich wären optimale Kandidaten. Es geht aber auch auf einer anderen Route. In Tschechien waren wir schon, Polen hat schon mehrfach Interesse signalisiert", sagte Capol.

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