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Josef Wenzl feierte bislang einen Weltcup-Sieg in seiner Karriere © imago

Die Langläufer reisen angeschlagen nach Oslo. Behle hofft auf die Teamwettbewerbe, seine Athleten geben sich kämpferisch.

Oslo - Die Hoffnungsträger angeschlagen, der Trainer ratlos und die Konkurrenz übermächtig.

Nach einem wahren Seuchenwinter gehen die deutschen Langläufer bescheiden wie selten zuvor in eine nordische Ski-WM.

"Wir brauchen sehr viel Glück, um eine Medaille zu holen. Da müssen wir überhaupt nicht drum herum reden", sagte Bundestrainer Jochen Behle vor den Sprints am Donnerstag (ab 14.45 Uhr im LIVE-TICKER), den ersten von zwölf Langlauf-Entscheidungen.

Am Holmenkollen droht den einstigen Medaillensammlern somit erstmals seit 1997 eine WM ohne Edelmetall.

Besonders düster sieht es im Einzel aus, in dem es in diesem Winter weder für Männer noch Frauen einen Podestplatz gab.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Wenzl: Medaille ist möglich

"Etwas ausrechnen dürfen wir uns eher in den Teamwettbewerben", sagt Behle, dessen Athleten mit einer fast schon unheimlichen Serie von Krankheitsfällen zu kämpfen hatten.

"So etwas habe ich in all den Jahren noch nie erlebt."

Zuletzt erwischte es auch Sprintspezialist Josef Wenzl. Der 26-Jährige sollte am Donnerstag eigentlich "die Favoriten das Fürchten lehren" (Behle).

Doch dann stoppte eine Stirnhöhlenentzündung die Ambitionen des Zwieselers. Die Folgen: Antibiotika, Bettruhe und eine sechstägige Zwangspause kurz vor WM-Beginn.

Einen Tag vor dem Start gab sich Wenzl dennoch überraschend forsch: "Eine Medaille ist immer das größte Ziel. Das ist in mir drin. Der Kurs mit seinem frühen Anstieg liegt mir."

Hoffen auf Angerer

Hinter Wenzl klafft im deutschen Sprint-Team eine große Lücke.

Weder der Team-Olympiazweite Tim Tscharnke (Biberau) noch Youngster Andreas Dotzler (Sonthofen) oder der kurzfristig nominierte Daniel Heun (Gersdorf) dürften etwas mit den vorderen Plätzen zu tun haben.

Die Hoffnungen ruhen auf den längeren Distanzen - und da besonders auf den Routiniers Tobias Angerer (Vachendorf) und Axel Teichmann (Bad Lobenstein).

"Ich bin deutlich optimistischer als noch vor einigen Wochen", sagte der Olympiazweite von 2010 nach seinem starken vierten Platz Anfang Februar im russischen Rybinsk.

Fessel vorsichtig

Noch düsterer als bei den Männern sieht es bei den Frauen aus. Immerhin meldete sich Nicole Fessel als aussichtsreichste Kandidatin am Mittwoch fit.

"Ich bin gesund und habe gut trainieren können", sagte die 27-Jährige, die im November zweimal in die Top 10 gelaufen war. (DATENCENTER: Ergebnisse Skilanglauf)

Eine Prognose für den Sprint sei aber schwierig: "Ich brauche viel Glück, schnelle Ski und gute Beine. Dann hoffe ich, dass ein gutes Ergebnis herausspringt."

Für die übrigen deutschen "Sprint-Küken" wäre dagegen bei der ersten WM-Teilnahme schon eine Top-Ten-Platzierung ein Erfolg. Erfahrung sammeln heißt die Devise für Denise Herrmann (Oberwiesenthal/22 Jahre), Lucia Anger (Oberstdorf/20) und Hanna Kolb (Buchenberg/19).

"Hoffe, dass Oslo besser wird"

Zumindest Herrmann gelang zuletzt mit Platz neun in Rybinsk ein Achtungserfolg, ehe sie in Drammen zum wiederholten Mal stürzte. "Ich hoffe mal, dass das in Oslo besser wird", sagte die U23-Vizeweltmeisterin.

Die lange kranke Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) wird trotz Formschwäche am Samstag beim Jagdrennen starten.

Favoritinnen auf das erste Gold der WM sind neben Lokalmatadorin Marit Bjírgen die Amerikanerin Kikkan Randall und Charlotte Kalla (Schweden). Bei den Männern haben die Gastgeber in Titelverteidiger Ola Vigen Hattestad, Anders Glíersen und Petter Northug gleich mehrere heiße Eisen im Feuer.

Als Topfavorit gilt allerdings der Schwede Emil Jönsson.

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