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Marcus Hellner gewann bei Olympia in Vancouver zweimal Gold © getty

Beim WM-Sprint streichen die deutschen Athleten früh die Segel. Ein Schwede vermiest den Norwegern und Northug einen Traumstart.

Oslo - Kraftlos, glücklos, traurig: Die enttäuschten deutschen Langläufer fühlten sich nach dem zweitschwächsten Sprint-Ergebnis in der WM-Geschichte beim norwegischen Volksfest am Holmenkollen etwas verloren.

Mit Platz 15 durch Nicole Fessel und dem 27. Rang von Debütant Daniel Heun war der Deutsche Skiverband (DSV) nur unwesentlich besser als bei der Pleite 2009, als es die Ränge 16 und 19 waren.

Während die langlaufverrückten Norweger Gold von Marit Björgen und Silber von Petter Northug feierten, schlichen Fessel und Co. geknickt aus dem Stadion.

"Ich bin sehr traurig, vor allem, weil es so knapp war", sagte Fessel, die den Sprung ins Halbfinale nur um 0,4 Sekunden verpasst hatte (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

Fessel "ein Paar Mal eingeklemmt"

Bundestrainer Jochen Behle war eingedenk des von vielen Krankheiten geprägten Saisonverlaufs zwar "insgesamt zufrieden". Doch auch er fand es "schade, dass es bei Nicole nicht gereicht hat".

Als Dritte ihres Viertelfinallaufs unterlag Fessel zunächst im Fotofinish der Slowakin Alena Prochazkova. Als Dritte der "Lucky-Loser"-Wertung schaffte sie es dann ebenso knapp nicht in die Vorschlussrunde (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

"Am Ende war ich ein paar Mal eingeklemmt, als die anderen geschwächelt haben", klagte Fessel, die trotzdem von einem "guten Start in die WM" sprach.

Hellner stiehlt Northug Gold und die Show

Den feierten vor allem die Norweger mit der insgesamt fünften WM-Goldmedaille für die überlegene Björgen. Silber ging an Titelverteidigerin Arianna Follis (Italien) vor Petra Majdic aus Slowenien.

Dass mit Marcus Hellner ausgerechnet ein Schwede den Titel vor Northug und Emil Jönsson (Schweden) gewann, trübte die Feierstimmung der Tausenden Fans nur bedingt.

Und auch das deutsche Team hatte sich angesichts der unglaublichen Stimmung an der Geburtsstätte des Skisports bald wieder gefasst - obwohl die Ergebnisse nicht stimmten.

Tscharnke und Heun chancenlos

Der selbsternannte Medaillenkandidat Josef Wenzl (Zwiesel) blieb als 39. in der Quali hängen, der Teamsprint-Olympiazweite Tim Tscharnke (Biberau) schied ebenso als Sechster seines Viertelfinals aus wie WM-Debütant Heun (Gersfeld) 355709(DIASHOW: Die DSV-Starter in Oslo).

Tscharnke wurde 29. Denise Hermann (Oberwiesenthal/23.) war als Fünfte im Viertelfinale auch chancenlos. Die WM-Neulinge Hannes Dotzler (Sonthofen), Lucia Anger (Oberstdorf) und Hanna Kolb (Buchenberg) mussten sich wie Wenzl bereits in der ersten Runde verabschieden.

Wenzl erfüllt Erwartungen nicht

"Ich habe schon beim Laufen gemerkt, dass ich nicht die Kraft habe wie vor der Krankheit", sagte Wenzl, der nach sechstägiger Pause erst eine Woche vor WM-Beginn wieder ins Training eingestiegen war.

Dennoch hatte er zuvor betont, eine Medaille sei "in mir drin". In der anspruchsvollen Loipe am Holmenkollen konnte er sie bei seiner dritten WM aber nicht rausholen.

"Nach den vier Tagen Antibiotika war auch seine Leistung in Ordnung", sagte Behle. Tscharnke machte Kommunikationsprobleme für sein frühes Aus verantwortlich. "Ich bin recht gut gestartet. Dann meine ich, ein 'halt dich zurück' von den Betreuern gehört zu haben. Das war wohl falsch", sagte er.

"Wie im Fußballstadion"

Heun, der auf den letzten Drücker auf den WM-Zug aufgesprungen war, war trotz allem zufrieden. "Ich habe mein Ziel erreicht", sagte er. Das galt auch für Hermann, die jedoch nach einer von Stürzen überschatteten Saison mit ihrer Taktik haderte.

"Daher bin ich vielleicht zu vorsichtig gelaufen", sagte sie (DATENCENTER: Ergebnisse Skilanglauf).

Die Kulisse fand nicht nur Hermann beeindruckend. "Es war fantastisch, wie im Fußballstadion", sagte sie. Behle machte allerdings gerade im orkanartigen Jubel der Zuschauer den Grund für das enttäuschende Abschneiden aus.

"Bei den jungen Athleten hat man gesehen, dass sie der Atmosphäre noch nicht gewachsen sind. Aber dafür haben wir sie ja mitgenommen", sagte er.

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