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Axel Teichmann gewann bei Olympia 2010 Silber im Teamsprint © imago

Axel Teichmann kämpfte die ganze Saison mit gesundheitlichen Problemen. Doch eine spezielle Serie macht dem Ex-Weltmeister Mut.

Oslo - Vor zwei Wochen saß Axel Teichmann noch krank zu Hause auf der Couch und nahm Antibiotika, am Dienstag will er der Weltelite davonlaufen und in Oslo seine achte WM-Medaille gewinnen.

"Es war schwierig für mich, in der unmittelbaren Vorbereitung auf dem Sofa zu sitzen und nur Fernsehen zu gucken, während die Teamkollegen 300 bis 350 km die Woche gelaufen sind. Aber wenn ich nicht den Anspruch hätte, vorne reinzulaufen, wäre ich nicht hier", sagt er.

Hier - das ist Oslo, der legendäre Holmenkollen. Bis zu 50.000 Zuschauer werden dort bei Teichmanns erstem Rennen über 15 km klassisch erwartet.

"WM in Norwegen etwas Großes"

Die Aussicht, bei dieser ganz besonderen WM starten zu können, hat Teichmann alle Gedanken an das Ende seiner Karriere beiseiteschieben lassen.

Sie ließ alle Widrigkeiten erträglich erscheinen: "Aufzuhören war keine echte Alternative, weil ich große Lust hatte, diese WM mitzumachen. Der Langlaufsport kommt hier nach Hause, in Skandinavien liegen die Wurzeln. Eine WM in Norwegen ist etwas ganz Großes." 355709(DIASHOW: Die DSV-Starter in Oslo)

Traum vom Titel-Hattrick

Zu Weltmeisterschaften pflegt der Thüringer aus Bad Lobenstein ohnehin ein ganz spezielles Verhältnis.

Seit 2003 hat er immer mindestens eine Medaille mit nach Hause genommen, damals in Val di Fiemme wurde er über 15 km klassisch zum ersten Mal Weltmeister.

2007 in Sapporo folgte im Jagdrennen Titel Nummer zwei. 2003, 2007 - 2011? (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

"Das ist eine komische Serie", sagt Teichmann über den möglichen Titel-Hattrick im Vierjahresrhythmus. Er will die Erwartungen nicht zu weit nach oben schrauben, dafür war die Saison bisher zu schlecht.

Kein Optimismus

Weil er immer wieder krank wurde, konnte der 31-Jährige im Weltcup nur bei zehn Einzel-Rennen starten.

Als Achter über die 15 km klassisch deutete er vor eineinhalb Wochen in Drammen aber immerhin an, dass es aufwärts geht.(DATENCENTER: Ergebnisse Skilanglauf).

"Ich bin sicher auf dem richtigen Weg, aber sehr optimistisch kann ich nicht ins Rennen gehen. Jetzt von Medaillen zu sprechen oder gar vom Titel zu träumen, wäre ein bisschen fehl am Platze", sagt er.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

Verzicht aufs Jagdrennen

Wenn bei ihm alles passt und der eine oder andere Gegner "auslässt", könne er in "die Top Sechs" kommen, meint er.

Verfolgungs-Weltmeister Petter Northug tat ihm den Gefallen schon vor dem Start: Der Norweger wird auf die 15 km verzichten.

Teichmann will dennoch nicht zu forsch an die Sache rangehen, zumindest nicht öffentlich. Überhaupt hat er sich rar gemacht in diesen Tagen, auf die ersten beiden Rennen verzichtete er - obwohl er im Jagdrennen, das am Sonntag stattfand, vor vier Jahren Weltmeister war.

Gedanken an die Zeit danach

Seit Sapporo hat sich viel geändert im Leben des Axel Teichmann, speziell im vergangenen Jahr. In Vancouver gewann er mit zweimal Silber endlich seine ersten Olympia-Medaillen, Ende Juli wurde seine Tochter Selma geboren.

Seither trainiert er mehr zu Hause, denkt öfter an die Zeit danach. "Der Langlaufsport hat mir so viel Freude gebracht, dass ich gerne etwas zurückgeben möchte. Zu helfen, dass andere besser werden, Kinder oder Erwachsene, ist definitiv eine Alternative", sagt er.

Ob er wirklich ins Trainerlager wechselt und wann das der Fall sein könnte, weiß Teichmann noch nicht. "Es kann sein, dass ich im Frühjahr aufhöre oder sogar bis Sotschi weiterlaufe", sagt er. Zunächst mal aber will er in Oslo am liebsten vom Sofa aufs Podest.

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