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Walter Mayer war von 2004 bis 2006 Sportlicher Leiter Langlauf beim ÖSV © dpa Picture Alliance

Walter Mayer wird wegen Dopings verurteilt. "Scheinbar dopt ganz Österreich, nur ich werde bestraft", wettert der 54-Jährige.

München - Das Urteil kam überraschend und fiel dann milde aus:

Der ehemalige österreichische Ski-Trainer und -Betreuer Walter Mayer wurde wegen zahlreicher Verstöße gegen das Anti-Doping-Gesetz und das Arzneimittelgesetz zu einer 15-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Diesen Spruch fällte das Straflandesgericht in Wien.

Zwölf Monate der Strafe wurden allerdings für einen Zeitraum von drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Da sich der 54-jährige Salzburger vom 22. März bis zum 30. April 2009 bereits in Untersuchungshaft befunden hatte, müsste er noch sieben Wochen der Strafe absitzen.

Im schlimmsten Fall hätte Mayer eine Strafe von bis zu fünf Jahren gedroht.

Verschwörung gegen Mayer?

Die Verteidigung von Walter Mayer legte gegen das Urteil umgehend Berufung ein. Mayer sprach in einer ersten Reaktion von einem "Showurteil, das aus einem Showprozess entstanden ist."

Weiter erklärte Mayer, der einst als Vater des österreichischen Skilanglaufwunders gefeiert worden war: "Es ist lustig. Scheinbar dopt ganz Österreich, und nur ich werde bestraft."

Mayer fühlt sich als Opfer einer "Verschwörung". Es sei ein "programmiertes Urteil". Zur jungen Richterin Katharina Lewy meinte der Verurteilte: "Sie hat gut gespielt in einem klasse Showprozess."

Widersprüchliche Aussagen

Walter Mayer wurde für schuldig befunden, die zentrale Figur eines Dopingnetzes gewesen zu sein. Er soll mehrere "nicht mehr feststellbare" österreichische Sportler im großen Umfang mit EPO, Wachstumshormen, anabolen Steroiden und Stimulanzien versorgt haben.

Das Urteil gegen Walter Mayer fiel überraschend noch am Mittwochabend, nachdem es ursprünglich auf Herbst vertagt werden sollte. Am Mittwoch hatte es zuvor widersprüchliche Aussagen gegeben. Zudem erschienen Zeugen nicht (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine).

Drei weitere Personen verurteilt

Richterin Lewy wies sämtliche Beweisanträge der Verteidigung wegen Unerheblichkeit zurück. Lewy wollte in ihrer Urteilsbegründung die von Mayer vorgebrachte Verschwörungstheorie zwischen einem der Mitangeklagten und der Soko Doping nicht teilen.

Mayer hatte zudem die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugen angezweifelt. Auch dieser Auffassung wollte die Richterin nicht folgen.

Neben Mayer wurden im Rahmen der Ermittlungen der "Sonderkommission Doping" drei weitere Personen schuldig gesprochen. Der Dachdecker und Bodybuilder Karl Heinz R., der zugegeben hatte, Mayer regelmäßig mit Dopingpräparaten versorgt zu haben, erhielt 18 Monate auf Bewährung.

Der Apotheker, von dem R. die Mittel bezogen hatte, erhielt ebenso sieben Monate auf Bewährung wie eine Altenpflegerin, die in die Versorgung einer Senioren-Weltmeisterin mit Dopingmitteln verwickelt war.

Der Apotheker erbat Bedenkzeit, die Urteile der weiteren zwei Mitangeklagten sind bereits rechtskräftig.

"Erlaubt ist, was nicht verboten ist"

Walter Mayer stand bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin im Mittelpunkt von Dopingskandalen.

Zu der sogenannten Blutbeutel-Affäre, als einigen österreichischen Skisportlern in Salt Lake City Eigenblut-Manipulationen nachgewiesen worden waren, sagte Mayer später: "Keine Frage, ich war ein Schlitzohr, und ich stand 2002 auf dem Standpunkt, dass erlaubt ist, was nicht verboten ist. Und das war die Methode, die wir damals angewandt haben, laut FIS-Reglement nicht. Bei Olympia war sie es. Dafür bin ich gesperrt worden, das habe ich akzeptiert."

2006 war er dann als Privatperson nach Turin angereist. Nach einer Razzia in Österreichs Langlauf- und Biathlonlager floh er amokfahrend vor der Polizei. Anschließend wurde er vorübergehend verhaftet.

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