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Tobias Angerer kommt in seiner bisherigen Karriere auf elf Weltcupsiege © getty

Tobias Angerer steht vor einem Neuanfang. Der 34-Jährige startet am Wochenende in den Weltcup - und will zurück auf das Podest.

München - Papa Tobi ist fit. Ein wenig müde vielleicht, aber fit. Und das ist wohl schon die wichtigste Nachricht für den jungen Vater Tobias Angerer so kurz vor dem Start in den Weltcup-Winter.

Denn der deutsche Vorzeige-Skilangläufer steht nach einer Saison voller Zwangspausen, an deren Ende er für seine Hartnäckigkeit mit WM-Bronze belohnt wurde, vor einer Art Neuanfang. Und das will etwas heißen bei einem Routinier wie ihm.

"Ich möchte wieder häufiger unter die ersten Fünf", sagt Angerer vor dem Startschuss am Samstag im norwegischen Sjusjöen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine)

Seit zwei Jahren nicht mehr auf dem Podium

Das klingt bescheiden für einen zweimaligen Gewinner des Gesamtweltcups, hat aber seine Gründe. Denn auf dem Podest stand der Bayer aus Vachendorf bei einem Einzelrennen seit Dezember 2009 nicht mehr.

Es folgten Krankheiten, vorzeitige Ausstiege, lange Pausen. Vergangenen Winter schickte Bundestrainer Jochen Behle ihn sogar mitten in der Saison in einen Portugal-Urlaub.

Vorsichtiger Optimismus

Jetzt soll alles besser werden.

"Im Herbst hatte ich eine leichte Erkältung. Das war aber bisher der einzige Trainingsausfall in der Vorbereitung", sagt der 34-Jährige vorsichtig optimistisch.

Auch Behle ist zuversichtlich: "Tobi macht einen guten Eindruck. Er wird wieder zu unseren Leistungsträgern gehören", sagte der Coach: "Ich verspreche mir konstante und gute Leistungen von ihm."

"Sonnenschein" und Oslo als Motivatoren

An Motivation fehlt es Angerer ohnehin nicht. Im August wurde er zum dritten Mal Vater, "unser Sonnenschein" Jonathan sorgt seither für so manche schlaflose Nacht.

Und dann ist da besagte Bronze-Medaille von Oslo mit der Staffel, die bis kurz vor den Titelkämpfen undenkbar schien und dem 34 Jahre alten Angerer neuen Schub gab.

Goldener Ski für den zwölfmaligen Meister

"Totgesagte leben länger" fand der Deutscher Skiverband (DSV) und zeichnete Angerer Ende Oktober mit dem Goldenen Ski aus.

Die Verleihung in Schwäbisch Hall wurde zu einer kleinen Verneigung vor dem zwölfmaligen deutschen Meister.

"Er ist ein Beißer", sagte Ski-Ikone Christian Neureuther, "er hat sich mit beiden Händen da rausgezogen - beeindruckend", sagte Behle.

Und Skisprung-Altmeister Martin Schmitt gestand, auf dem heimischen Sofa mit dem "Lang-Läufer" Angerer zu leiden: "Bei ihm denke ich immer: Oh je, 50 Kilometer! Jetzt hat er noch 49 vor sich, und dabei ist er schon so weit gelaufen."

Spezialtraining mit Teichmann und Filbrich

Viel gelaufen ist Angerer auch in den vergangenen Wochen.

Mit den anderen "alten Hasen" im deutschen Team gründete der Sportsoldat eine eigene Trainingsgruppe. "Ü-3" nennt sich das Trio aus Angerer, Axel Teichmann (Bad Lobenstein) und Jens Filbrich (Frankenhain).

"Diese Eigenverantwortung tut Tobi gut. Ich bin mit dieser Gruppe sehr zufrieden", sagte Behle: "Diese drei erfahrenen Athleten leisten einfach ein anderes Pensum als die jungen. Mit Blick auf die Tour de Ski haben wir uns daher für die Trennung entschieden."

Tour de Ski als Saisonhöhepunkt

Auf dem Etappenrennen rund um den Jahreswechsel liegt der Fokus fast aller Athleten - schließlich steht weder eine WM noch Olympia auf dem Programm.

"Die Tour de Ski ist für mich der absolute Saisonhöhepunkt", sagt Angerer, der die Premiere im Jahr 2007 als bislang einziger Deutscher gewann.

Vergangenen Winter dagegen strich er nach der zweiten Etappe entkräftet die Segel. "Da habe ich noch was gutzumachen", sagt Angerer.

Fit genug scheint er diesmal jedenfalls zu sein.

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