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Jochen Behle ist seit 2002 Bundestrainer für den Skilanglauf © getty

Bei der Tour de Ski sorgen die Deutschen für Furore. Nur der Mittelbau enttäuscht. Der Bundestrainer kündigt Konsequenzen an.

Oberstdorf - Die Rentner-Band spielt hitverdächtig, doch die deutsche Ü-23-Kombo läuft der Musik hinterher.

Bei der Tour de Ski sorgt im deutschen Skilanglauf-Lager an vorderster Front die selbsternannte Ü-30-Formation um Axel Teichmann, Tobias Angerer und Jens Filbrich für gute Stimmung (BERICHT: Taktik-Fuchs Angerer erntet Lohn).

Doch der Mittelbau hat noch keinen Grund zu feiern.

"Die Jungs wissen, dass sie auf der Kippe stehen. Im nächsten Winter werden wir sicher nicht mit so einem großen Aufgebot in den Weltcup starten", sagte Bundestrainer Jochen Behle.

Josef Wenzl (Gesamt-86.), Franz Göring (60.) und Tom Reichelt (56.) dürfen sich angesprochen fühlen.

Die Jungen sitzen im Nacken

Gelingt den einst gepriesenen Athleten nicht endlich der Durchbruch, sind Auftritte vor großer Kulisse passe. "Es geht auch um ihren sportlichen Werdegang", sagte der 50-jährige Behle.

Auf den abschließenden fünf Etappen der Tour de Ski wird Behle schon auf Reichelt, Göring und Sandra Ringwald verzichten. Reichelt machten nach überstandener Krankheit die Strapazen der Tour zu schaffen.

Druck macht aber nicht nur der Bundestrainer.

Die Jungen im deutschen Team sitzen dem Trio Wenzl/Göring/Reichelt schon mächtig im Nacken, haben ihm teilweise schon den Rang abgelaufen.

Tscharnke kämpft sich zurück

Ob Thomas Bing oder Tim Tscharnke: Der Nachwuchs schläft nicht. Der 21-jährige Bing lief zuletzt in Oberstdorf auf den 17. Rang und bot laut Behle eine hervorragende Leistung.

Vorbildlich auch das Auftreten von Tscharnke. Nach der Einnahme von verunreinigtem Alkohol im Sommerurlaub hatte der Olympiazweite im Teamsprint immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Doch der 22-jährige Tscharnke kämpfte sich zurück. Der Lohn ist ein zwischenzeitlich 20. Rang in der Gesamtwertung.

Aus deutscher Sicht sind nur der 34 Jahre alte Ex-Gesamtweltcup-Sieger Angerer als Achter und sein 32 Jahre alter Trainingskollege Filbrich als Zwölfter besser platziert. Freude bereitet Behle zudem der couragierte Auftritt von Nachwuchsmann Jonas Dobler.

Reichelt hechelt hinterher

Ein Bild des Jammers geben die erfahreneren Kollegen ab. Der 29-jährige Reichelt, vor der Tour sogar als Kandidat für die Top 10 gehandelt, hechelt der Konkurrenz ebenso hinterher wie der zwei Jahre jüngere Göring, immerhin Staffel-Vizeweltmeister von 2009.

Wenzl, der 2007 den Sprint in Düsseldorf gewonnen hatte, ließ wenigstens einmal kurz aufhorchen, stand sich dann aber selbst im Weg.

Nach einem selbstverursachten Fehlstart beim Sprint in Oberstdorf war er von der Rolle und schied aus. Immerhin heimste der 27-Jährige noch ein paar Weltcup-Zähler ein.

Es fehlt die Motivation

Das ist Behle aber nicht genug: "Ich erwarte vordere Platzierungen." Diese oder gar ein Sieg wie von Teichmann in Oberhof (BERICHT: Sensations-Sieg von Teichmann) sind für die ehemaligen Talente in der derzeitigen Verfassung aber außer Reichweite.

Die Gründe sieht Behle nicht im mangelnden Einsatz ("Kämpfen können die alle"), sondern in der Vorbereitung: "Die haben im Sommer nicht entsprechend gearbeitet. Vielleicht fehlt da ein bisschen die Motivation." Keine guten Voraussetzungen für einen neuen Plattenvertrag.

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