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Tim Tscharnke gewann 2010 bei Olympia mit Axel Teichmann Silber im Teamsprint © getty

An seinem Geburtstag holt Tim Tscharnke seinen ersten Weltcup-Sieg. Der Thüringer belohnt sich für eine Achterbahn-Karriere.

München/Canmore - Tim Tscharnke konnte sein Glück kaum fassen.

Fast 2000 Kilometer liegen zwischen dem kanadischen Bergnest Canmore und Los Angeles, und doch hatte der Thüringer soeben für einen Hauch von Hollywood in dem 12.000-Einwohner-Örtchen gesorgt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine)

Der erste Weltcup-Sieg ausgerechnet an seinem 23. Geburtstag, dazu Kumpel Tobias Angerer auf Platz drei - besser hätte ein Drehbuch-Autor die Geschichte kaum schreiben können.

"Ich hätte mir kein schöneres Geschenk wünschen können. Wir haben als Team super zusammengearbeitet", sagte Tscharnke, der nach 15 Kilometern mit erhobener Faust und völlig entkräftet die Ziellinie überquerte.

"Noch Benzin im Körper

Dass er auf der folgenden Pressekonferenz als "Tim Tschranke" vorgestellt wurde, quittierte der Überraschungs-Sieger mit einem Lächeln. Immerhin war der Medienrummel im Weltcup auch für den Deutschen ein Novum, vor seinem Husarenritt in Kanada war Platz sieben das beste Einzel-Ergebnis gewesen.

"Was Tim geleistet hat, war schon toll", sagte der neue Bundestrainer Frank Ullrich.

Zwar profitierte Tscharnke auch vom Fehlen zahlreicher Stars - von den erst Zehn des Gesamtweltcups waren nur drei am Start -, doch seine gelungene Flucht auf der letzten Abfahrt verblüffte sowohl die Zuschauer als auch die Konkurrenz. "Ich habe gespürt, dass ich noch Benzin im Körper habe", sagte der Mann aus Biberau über die entscheidende Szene.

Erst Fußball, dann Loipe

Dabei kam Tscharnkes Karriere zunächst nur langsam in Schwung. Erst mit zehn Jahren schickten die Eltern den kleinen Tim zum Training in die Loipe, zuvor hatte das runde Leder die Hauptrolle gespielt.

"Eigentlich war ich die ersten Jahre Fußballer, auch wenn ich immer mal wieder bei Schulwettkämpfen in der Loipe stand", sagt Tscharnke. Steil bergauf ging es ab der fünften Klasse mit dem Wechsel auf das Skigymnasium Oberhof - wo er 2009 das Abitur mit einer Gesamtnote von 1,8 abschloss.

Olympia-Silber in Vancouver

Der große Lohn für die Mühen folgte gleich im ersten Weltcup-Winter. An der Seite von Axel Teichmann holte Tscharnke 2010 in Vancouver völlig überraschend Olympia-Silber im Teamsprint.

Doch immer wieder erlebte der Thüringer auch schmerzhafte Rückschläge. 2007 warfen ihn innerhalb weniger Wochen erst eine Blutvergiftung und dann ein Hörsturz aus der Bahn. Im Februar 2009 erlitt der Zollwachtmeister bei einem Autounfall einen doppelten Unterkieferbruch und verlor zwei Schneidezähne.

Spezielle Hobbys

Nun folgte der erste Weltcup-Sieg für den Mann, der "osteuropäische Kulturreisen" und "Kaffee-Klatsch und Eisessen" als seine Hobbys angibt.

Angerers dritter Platz war die kaum für möglich gehaltene Krönung, erstmals seit dem 3. Januar 2007 standen wieder zwei deutsche Skilangläufer auf dem Podest. "Das Ergebnis ist sehr erfreulich. Man muss der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen, sie ist sehr mannschaftsdienlich gelaufen", sagte Ullrich.

Sorge um Teichmann

Ebenfalls das WM-Ticket löste Hannes Dotzler auf Rang sechs, Sorgen bereitete an einem perfekten Tag nur Axel Teichmann.

Der 33-Jährige verzichtete wegen Herzproblemen auf einen Start. "Bei Axel wurde am Mittwoch ein leichtes Vorhofflattern festgestellt", sagte Ullrich.

Teichmann reiste noch am Donnerstag zurück nach Deutschland. Am Montag wird sich der Bad Lobensteiner in der Münchner Uniklinik untersuchen lassen.

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