vergrößernverkleinern
Gibt es beim Sprint der Frauen den ersten Erfolg für das deutsche Langlauf-Team? © getty

Vom Biathlon zum Langlauf: Die 18-jährige Miriam Gössner soll beim Sprint der Frauen am Dienstag für ein Erfolgserlebnis sorgen.

Liberec - Die letzte Hoffnung des kriselnden deutschen Frauen-Skilanglaufs gilt als Frohnatur, besitzt die norwegische Staatsbürgerschaft und ist im "richtigen" Leben Biathletin.

"Das ist schon ein bisschen komisch ohne Waffe", sagt Miriam Gössner mit einem strahlenden Lächeln: "Aber es ist toll, dass ich bei der Ski-WM mitlaufen darf. Echt lustig"

Am Montag trainierte das 18-jährige Mädchen bestens gelaunt in Liberec, wo sie am Dienstag im Sprint (ab 11 Uhr LIVE) für die erste positive Nachricht aus dem von einem Trainer-Streit und vier WM-Pleiten gebeutelten Langlauf-Lager sorgen soll.

"Sie hat vom lieben Gott ein unglaubliches Lauftalent mitgekriegt", sagt ihr Biathlon-Nachwuchsbundestrainer Peter Sendel: "Sie hat eine große Biathlon-Karriere vor sich, aber ich traue ihr auch in Liberec einen Platz unter den Top Ten zu."

Neuner schon geschlagen

Der in der Langlauf-Szene bislang völlig unbekannte Teenager rechnet sich selbst "gar nix" aus, schließlich "bin ich das erste Mal bei Erwachsenen-Meisterschaften".

Bei der Junioren-WM der Biathleten im kanadischen Canmore war sie aufgefallen, als sie nach acht (!) Schießfehlern noch Gold im Jagdrennen gewann.

Außerdem hat sie in einem Testrennen schon ihre als Laufwunder geltende Trainingsgefährtin Magdalena Neuner - immerhin sechsmalige Weltmeisterin und 2007 Sportlerin des Jahres - geschlagen.

"Miriam ist ein Ausnahemtalent"

So kam DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller ("Miriam ist ein Ausnahemtalent") die Idee, Gössner zur Ski-WM zu schicken. Bei einem Continentalcup-Rennen in Zwiesel lief sie im Prolog des Sprints trotz eines Sturzes auf Platz sieben und überzeugte Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle restlos (Behle grollt nach Nullnummer).

"Danach hat mich Herr Behle gefragt, ob ich bei der WM mitmachen will, und ich habe ja gesagt", erzählt Miriam Gössner die fast unglaubliche Geschichte.

Wegen ihrer norwegischen Mutter besitzt sie auch den Pass der Langlauf-Nation aus Skandinavien, aber es ist für das Mädchen vom SC Garmisch "überhaupt keine Frage, dass ich für Deutschland starte".

Crashkurs in Sachen Sprinttaktik

Die Nominierung der jungen Biathletin gleicht einer Ohrfeige für die Langlauftrainer, speziell für den in der Kritik stehenden Frauen-Cheftrainer Ismo Hämäläinen.

Der für Gössner in Liberec zuständige Coach Andreas Schlütter findet es schwierig, mit der Situation umzugehen: "Das ist die Entscheidung des DSV, wir müssen uns fügen. Aber Miri kann überhaupt nichts dafür, und man muss sagen, dass sie mit den Langlauf-Nachwuchsleuten locker mithalten kann."

Beim Trainingslager mit den anderen Langlauf-Sprintspezialisten hat sie seit letzten Mittwoch einen Crashkurs in Sachen Sprinttaktik erhalten.

"Ein einmaliger Ausflug"

Bleibt nur noch das Problem mit der fehlenden Waffe, aber das wird sich nach ihrem WM-Abentuer schnell gelöst haben.

"Langlauf ist schön, aber Biathlon ist meine Sportart", sagt das Mädchen und kichert fröhlich: "Das wird auf alle Fälle ein einmaliger Ausflug bleiben. Ich denke nicht an einen Wechsel."

Laufen macht in Verbindung mit Schießen halt mehr Spaß.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel