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Nicole Fessel verzichtet auf einen Start beim Weltcup in Davos
Nicole Fessel wurde 2005 in München Deutsche Meisterin im Sprint © imago

Nicole Fessel kommt Miriam Gössner bei der historischen Sprint-Pleite des DSV mehrfach in die Quere und versucht eine Ausrede.

Liberec - Die medaillenlosen deutschen Skilangläufer sind bei der WM in Liberec mit der größten Sprint-Pleite aller Zeiten noch tiefer in die Krise gestürzt.

Nicole Fessel als 16. und Franz Göring als 19. schafften noch die jeweils besten Platzierungen nach dem kompletten Viertelfinal-Aus.

Ein Zicken-Zoff in der Überholspur zwischen Fessel und der vom Biathlon ausgeliehenen Miriam Gössner zeigte obendrein die blank liegenden Nerven.

Fessel fährt Teamkollegin über die Ski

"In so einem Lauf schaut jeder auf sich selbst", sagte Fessel. Gleich dreimal war sie der heranstürmenden Gössner ("Wir wollten eigentlich zusammenarbeiten") über die Ski gefahren und hatte das Laufwunder behindert.

Die Norweger Ola Vigen Hattestad und die Italienerin Arianna Follis freuten sich am Ende über Gold.

Im deutschen Lager ist der Katzenjammer nach sechs von zwölf Entscheidungen groß. "Jetzt müssen die Männer in der zweiten Halbzeit Medaillen holen", sagte Sportdirektor Pfüller: "Die Bilanz nach der Hälfte der Rennen ist unbefriedigend, nach den Topleistungen und Medaillen der letzten Jahre stehen wir noch mit leeren Händen da."

Top-Duo soll die Wende schaffen

Im Sprint hatte es in der WM-Geschichte bisher immer wenigstens einen Top-Ten-Platz für Deutschland gegeben.

Im Teamsprint am Mittwoch (13 Uhr LIVE) soll die Wende durch das Top-Duo Axel Teichmann/Tobias Angerer kommen. Cheftrainer Jochen Behle, der schon zuvor Konsequenzen angedroht hatte (Behle grollt nach Nullnummer), sagte: "Wir wollen die Medaille, brauchen aber auch Glück bei der Wetterlotterie."

Miriam Gössner hatte nach ihrem 20. Platz schnell ihr Lächeln wiedergefunden, schließlich hat sie in der Staffel fast sensationell ihren zweiten WM-Auftritt. "Es ist blöd gelaufen, kein Weltuntergang - aber so viel Körperkontakt bin ich vom Biathlon nicht gewohnt", sagte sie freundlich lächelnd.

Henkel hat feuchte Augen

Für sie sei es aber "aufregend und total schön" gewesen, dabei zu sein und die sonst nur im TV zu sehenden Topleute live zu erleben.

Claudia Nystad (Oberwiesenthal), immmerhin Sprint-Olympiazweite, winkte nach Rang 19 ab: "Es lief schon die ganze Saison schlecht." Und Manuela Henkel, die nur 25. wurde, hatte feuchte Augen: "Ich habe einen taktischen Fehler gemacht, ich wollte wenigstens ins Halbfinale."

Göring (Zella-Mehlis) fehlten ein paar Zentimeter zum Halbfinaleinzug, als Vierter seines Laufes durfte er bis zuletzt auf das Weiterkommen als "Lucky Loser" hoffen.

"Ich bin traurig, dass es nicht gereicht hat", sagte er dann. Sprint-Spezialist Josef Wenzl (Zwiesel) landete nach einem groben taktischen Schnitzer auf Rang 26.

In der Gruppe der Exoten

Die wegen der Leistungsschwäche der Spezialistinnen verpflichtete Gössner musste in der Gruppe der Exoten mit Otgontsetseg Chinbat (Mongolei) und Bhuwneshwari Thakur (Indien) starten.

Die Junioren-Weltmeisterin hatte im tiefer werdenden Schnee schlechtere Bedingungen und kam trotzdem weiter. "Das war gar nicht so einfach für sie, schließlich kann in einer Abfahrt plötzlich mal eine Läuferin auf der Strecke liegen", sagte Behle: "Sie hat sich insgesamt sehr gut verkauft."

Und soll jetzt mit der Staffel eine Medaille gewinnen: "Ich hätte nie gedacht, dass ich laufen darf."

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