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Tobias Angerer und Axel Teichmann holten bereits 2005 im Teamsprint WM-Silber © imago

Tobias Angerer und Axel Teichmann beenden im Teamsprint die DSV-Medaillenkrise. Bei den Frauen gehen Ebbe und Angriffe weiter.

Liberec - Axel Teichmann fiel völlig erschöpft in den Schnee, als er mit einem Spagat zu WM-Silber die Medaillenkrise der deutschen Skilangläufer in Liberec beendet hatte.

"Das war der Befreiungsschlag. Silber ist Gold wert", sagte Tobias Angerer und umarmte seinem ausgepumpt auf dem Rücken liegenden Teamkollegen: "Jetzt sind wir auf einer Euphoriewelle."

Der Jubel im deutschen Lager war grenzenlos, als die beiden Freunde nach ihrem Galaauftritt im Teamsprint Hand in Hand aufs Siegerpodest stiegen.

Das rechte Geschenk für den Heimtrainer

"Totgesagte leben länger. Wir wussten, dass wir die Medaille brauchen und haben uns als Team zusammengerauft", sagte Teichmann grinsend: "Das war der längste Ausfallschritt meines Lebens."

Mit einem akrobatischen Spagatschritt ins Ziel sicherte er im Fotofinish gegen Finnland den zweiten Platz.Zur anvisierten Goldmedaille fehlten nur 0,5 Sekunden zu Norwegen. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Die Medaille war auch das rechte Geburtstagsgeschenk für Heimtrainer Cuno Schreyl, der sich nur wundern konnte: "Ich wusste gar nicht, dass der Axel so dehnungsfähig ist."

Hämäläinen weiter unter Beschuss

Nach dem ersten Edelmetall der kriselnden "Langlauf-Goldschmiede" in der achten WM-Entscheidung umarmten sich der in die Kritik geratene Bundestrainer Jochen Behle und die nach der Pleitenserie der letzten Tage viel gescholtenen Skitechniker.

Die insgesamt dritte Silbermedaille für das deutsche WM-Team in Liberec übertünchte den enttäuschenden siebten Platz von Evi Sachenbacher-Stehle und Katrin Zeller, die vor dem Silberlauf die größte deutsche WM-Pleite im Teamsprint aller Zeiten erlebt hatten.

Behle unterstrich deshalb wieder einmal seine Forderungen nach einer Ablösung von Frauentrainer Ismo Hämäläinen ("Es muss sich was ändern"). (Behle grollt nach Nullnummer)

Als "Lucky Loser" ins Finale

Er freute sich aber besonders für sein Männerteam: "Sie haben sich die Medaille verdient, weil sie bislang unter Wert geschlagen worden sind."

Vieles erinnerte an die Heim-WM 2005 in Oberstdorf, als ebenfalls Axel Teichmann mit zwei Silbermedaillen das deutsche Team nach einem völlig missratenem WM-Start gerettet hatte.

Dabei hatte es lange nicht nach einem Happyend ausgesehen. Im Halbfinale schaffte das deutsche Duo nur Platz vier und erreichte nur über die "Lucky-Loser"-Regelung das Finale.

Die Ski zu Boden geworfen

Dort schien nach vier von sechs Runden schon fast alles verloren, als der auf den vorletzten Platz durchgereichte Teichmann mit wutentbrannter Miene die für seinen Geschmack zu langsamen Ski zu Boden geworfen hatte.

Doch dann schaffte Angerer mit einer Energieleistung wieder den Anschluss (Behle: "Tobi hat die entscheidende Lücke gerissen") und Teichmann machte nach einem Skiwechsel den Podestplatz perfekt.

"Ismo ist der richtige Mann"

Die deutschen Frauen lagen bereits beim ersten Wechsel chancenlos zurück und hatten im Ziel für einen Teamsprint unglaubliche 1:08.0 Minuten Rückstand auf Sieger Finnland mit Doppel-Weltmeisterin Aino Kaisa Saarinen angesammelt.

Selbst gegen die japanischen Außenseiterinnen hatte das deutsche Langsamlauf-Duo

nicht die Spur einer Chance. Die vor zwei Jahren noch zu WM-Silber im Teamsprint gestürmte Sachenbacher-Stehle stellte sich danach trotzdem hinter Frauencoach Hämäläinen: "Natürlich ist das Ergebnis enttäuschend, aber Ismo ist der richtige Mann."

Gold auf dem Wunschzettel

Nach dem Befreiungsschlag wollen die Kombinierer am Donnerstag die erste deutsche WM-Goldmedaille im Teamwettbewerb seit 22 Jahren gewinnen.

Zudem soll die Biathletin Miriam Gössner die erfolglosen deutschen Skilangläuferinnen in der 4x5km-Staffel aufs Podest führen, ehe am Freitag Angerer und Teichmann in der Staffel die diesmal noch verpasste Goldmedaille gewinnen wollen: "Jetzt ist alles möglich."

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