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Claudia Nystad will bald wieder in den Weltcup zurückkehren
Claudia Nystad gewann 2002 in Salt Lake City mit der Staffel Olympisches Gold © getty

Claudia Nystad erhält für ihre "Stinkefinger"-Aktion keine Strafe und entschuldigt sich. Dennoch schwelt der Konflikt weiter.

Liberec - Claudia Nystad bleibt nach dem "Stinkefinger"-Eklat ohne Strafe, aber der Dauerstreit im deutschen Frauen-Skilanglauf schwelt weiter.

Nach der Siegerehrung für die deutsche Silber-Staffel gab es eine etwa fünfminütige Aussprache zwischen Nystad und dem nicht nur von ihr heftig kritisierten Bundestrainer Jochen Behle samt anschließender gemeinsamer Medaillenfeier in einer Pizzeria.

Die Grundprobleme wie die Zukunft von Frauencheftrainer Ismo Hämäläinen plus das gestörte Verhältnis zwischen Behle und den Frauen bleiben ungelöst.

"Stinkefinger" galt nicht Behle

"Nach dem Rennen ist man halt sehr emotional. Ich entschuldige mich für die Geste", sagte Nystad und behauptete zugleich in Bezug auf die Aktion mit dem Mittelfinger nach dem Rennen in der Mixed-Zone: "Sie hat aber nicht Jochen Behle gegolten."

Nystads emotionale Entgleisung war ein Ausbruch des lange angesammelten Frusts gegen den Bundestrainer, deshalb rutschte ihr im "ZDF" auch eine erneute Kritik heraus: "Es ist sicher professioneller, wenn man alles nach der WM klärt und nicht vor den Wettkämpfen."

"Dinge, die man lieber vermeiden sollte"

Der Deutsche Skiverband versuchte nach dem Riesenwirbel, den Eklat kleinzureden.

Sportdirektor Thomas Pfüller entschloss sich immerhin nach dem Silberlauf der Männer-Staffel noch zu einer Stellungnahme.

"Bei einer WM stehen Trainer und Athleten unter Spannung, da passieren auch Dinge, die man lieber vermeiden sollte. Jochen wird das in seinem Team lösen", sagte er: "Man muss sich nicht lieben, aber man sollte einen ordentlichen Umgangston pflegen - private Dinge gehören da nicht rein."

"Alles wird auf den Prüfstand gestellt"

Pfüller will im Dauer-Krisenherd Frauenskilanglauf keinen Schnellschuss abgeben, auch bei den Skispringern habe man sich im Vorjahr Zeit gelassen und sei damit gut gefahren.

Er stellte klar: "Es kommen einige Dinge auf den Tisch, es wird alles auf den Prüfstand gestellt."

Kein zweiter Fall "Effenberg"

Pressesprecher Stefan Schwarzbach versicherte nur, dass es keine verbandsinternen Strafen oder eine Sperre für Nystad geben werde.

Anders war ein "Stinkefinger" 1994 bei der Fußball-WM bewertet worden. Damals beleidigte Stefan Effenberg mit dieser Geste die Fans und wurde prompt aus der DFB-Auswahl ausgeschlossen.

Behle kein Frauenversteher

"Es gibt keinen Streit", sagte Jochen Behle, der die Probleme bei der WM mit seiner Dauerkritik an Hämäläinen angezettelt hatte.

Zuvor hatte der Mann, der sich als Reizfigur sieht und kein Frauenversteher sein will, nach außen hin gelassen auf den "Stinkefinger" reagiert: "Wenn sie so gut läuft, kann sie öfter so eine Reaktion zeigen."

Nystad: "Medaille ist nur für Ismo"

Dabei war die unmittelbar vorausgegangene verbale Kritik von Nystad am Bundestrainer mehr als deutlich und nach Meinung vieler Beobachter auch durchaus berechtigt.

"Du hast als Trainer zwei Möglichkeiten. Entweder du stehst hinter deiner Mannschaft oder du tust es nicht. Die Medaille, die wir gewonnen haben, ist einzig und allein für Ismo", hatte Nystad erklärt. Zu Behle direkt meinte sie: "Ich kann nicht beeinflussen, was er sagen will. Im Prinzip ist es mir auch egal."

Danach folgte die eindeutige Geste.

Hämäläinen ist zu weich

Der Bundestrainer hatte vor und während der WM immer wieder die Position von Hämäläinen in Frage gestellt. Der Finne sei "zu weich", habe seine Frauen nicht im Griff und habe zu wenig trainieren lassen.

Sportchef Pfüller hatte daraufhin vergeblich versucht, seinen Langlaufchef zu stoppen.

Hämäläinen als extra Frauen-Bundestrainer

Es war nicht das erste Mal, dass Behle vor wichtigen Titelkämpfen Unfrieden gesät hat. Vor den Weltmeisterschaften 2005 und 2007 hatte er öffentlich Evi Sachenbacher-Stehle und ihren damaligen Trainer Wolfgang Pichler kritisiert.

Die Skilangläuferinnen sprachen sich vor zwei Jahren daraufhin gegen Behle und für einen eigenen Frauen-Cheftrainer aus, der dann in Hämäläinen auch installiert wurde.

"Medaille nehmen wir gern mit"

Oberchef des Finnen ist allerdings weiter Behle - eine Konstellation, die für die Zukunft wohl nicht mehr haltbar sein wird.

Nach dem Silberlauf hatte Behle munter weitergestichelt: "Es ging nicht nur um Ismo. Wir haben über Leistungen diskutiert - und die waren halt nicht zufriedenstellend. Die Medaille nehmen wir gern mit."

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