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Die fünf vernichteten Proben stammen Damsgaard zufolge alle aus Osteuropa © getty

Ein Labor zerstört fünf Proben von Langläufern, die auf Blutdoping hindeuteten. Die Athleten starteten alle bei der WM 2009.

Leipzig - Fünf B-Proben von Skilangläufern mit auffälligen Werten sind in einem von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA akkreditierten Labor vernichtet worden, sodass weitere Überprüfungen und Sanktionen nicht mehr möglich sind.

Das sagte der Anti-Doping-Experte des Ski-Weltverbandes FIS, Rasmus Damsgaard, im Gespräch mit der "ARD". Allerdings musste der Däne einräumen, dass er selbst sich nicht um die Verlängerung der Aufbewahrungsfrist gekümmert habe.

"Das ist für uns sehr ärgerlich, denn wir waren uns mit der WADA einig, dass die vorhandenen Beweismittel sehr für Blutmanipulationen sprachen, die mit der B-Probe hätten bestätigt werden können", sagte Damsgaard.

"Nicht alle kommen aus Russland"

Die Proben stammten bereits aus dem vorigen Winter, die Athleten starteten auch bei der Nordischen Ski-WM im Februar in Liberec.

Namen wollte der Mediziner nicht nennen. Die Sportler kämen "aus Ländern, die alle hier ziemlich in der Nähe sind, aber nicht alle von ihnen kommen aus Russland".

Anhaltspunkte, dass auch deutsche Athleten dazu gehören, gibt es laut Pressemitteilung der "ARD"-Dopingredaktion nicht. (Deutschland hat den Silberblick)

Physiologische Faktoren ausgeschlossen

Der dänische Forscher sagte außerdem, dass er schon seit einem Jahr mit den Verdachtsfällen beschäftigt gewesen sei.

"Es war eine Kombination von nicht normalen Urintestergebnissen und nicht normalen Blutwerten, die ich schon im Februar 2008 festgestellt und gleich der WADA gemeldet habe", sagte Damsgaard:

"Wir haben andere mögliche physiologische Faktoren bei diesen Testergebnissen ausschließen können. Wir hatten alles, was wir brauchten, um diesen Fällen nachzugehen. Wir hätten die B-Proben sogar mit einem neuen besseren EPO-Test untersuchen können." (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Frist von drei Monaten abgelaufen

Laut Damsgaard habe es zudem die Rückendeckung der WADA gegeben. Man wäre durch alle Instanzen gegangen, wenn nötig bis zum Internationalen Sportgerichtshof.

Zur Entsorgung der wichtigen B-Proben meinte er: "Die Urinproben der Sportler sind in einem WADA-akkreditierten Labor regelkonform nach Ablauf von drei Monaten vernichtet worden, weil ich es versäumt habe, rechtzeitig um Aufbewahrungsverlängerung zu bitten. Das war mein Fehler, weil mir die Regel nicht bekannt war."

Kritik am Procedere

Gleichzeitig kritisierte Damsgaard die Vorgehensweise in dem Labor, dessen Standort er nicht nannte: "Der Leiter des Labors hatte ja bestätigt, dass zumindest ein Teil der Proben atypisch oder verdächtig war. Es ist für mich daher völlig unverständlich, warum es in solch heiklen Fällen Proben einfach vernichtet."

Das Sichern der B-Proben wäre nach seiner Auffassung ganz normal gewesen, nachdem längere Zeit zwischen der WADA, dem Labor und ihm über die verdächtigen Resultate korrespondiert worden war.

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