vergrößernverkleinern
Werner Schuster löste 2008 Peter Rohwein als Skisprung-Bundestrainer ab © getty

Die Sommer-Serie läuft für Coach Schuster "unbefriedigend". Die Hoffnungen nach dem vor-olympischen Sommer ruhen auf den Oldies.

Klingenthal - Vorflieger Martin Schmitt formschwach und verletzt und ein bescheidener siebter Platz von Andreas Wank in Klingenthal als bestes Ergebnis eines verkorksten vorolympischen Sommers - für die deutschen Skispringer wird der Weg nach Vancouver "zum Tanz auf der Rasierklinge".

Das glaubt jedenfalls Bundestrainer Werner Schuster, der beim Aufbau des Olympiateams zwangsläufig auf seine "Ü30"-Oldies setzt.

Aus der Nachwuchs-Abteilung fehlen die Alternativen.

"Wir können nur die Voraussetzungen für erfolgreiche Nachwuchsarbeit schaffen. Das tun wir, aber einen Schlierenzauer können wir nicht schnitzen", sagt der in der zweiten Saison verantwortliche Coach.

Fingerzeig für den Winter

Während Österreichs Idol Gregor Schlierenzauer auch beim fünften internationalen Springen in der 2007 eröffneten Klingenhaler Vogtland-Arena als Sieger glänzte, applaudierten knapp 9000 Zuschauer artig bei den zumeist höchst mittelmäßigen Versuchen der Gastgeber.

Für Schlierenzauer ist der Fortbestand seiner einmaligen Siegesserie vor allem "ein wichtiger Fingerzeig darauf, wo ich in der Vorbereitung auf den Winter stehe".

Weit weg von der Spitze

Werner Schuster bilanzierte derweil die neun Springen umfassende Mattenserie, in der seine Leute nicht ein einziges Mal in die Nähe des Siegerpodestes geflogen waren, mit sehr gemischten Gefühlen: "Wir waren phasenweise schon extrem weit von der Spitze weg. Das ist nicht befriedigend."

Nachdem im zurückliegenden Winter seinen Männern bis auf Vizeweltmeister Schmitt im Verlaufe der Saison ziemlich zügig die Puste ausgegangen war, habe er die Vorbereitung diesmal anders angepackt und schwächere Sommer-Auftritte durchaus einkalkuliert:

"Aber die letzten Wochen waren schwieriger als gedacht, obwohl wir immer noch einen guten Einstieg in den Winter schaffen können."

Angeschlagene Oldies

Michael Uhrmann (31), wie Martin Schmitt (31) und Michael Neumayer (30) Anwärter auf eine Olympiafahrkarte, sieht trotz Platz 20 in Klingenthal (insgesamt war der Team-Olympiasieger von 2002 im Sommer-Grand-Prix sechsmal zwischen Platz 20 und 23 klassiert) die Lage gelassen: "Ich bin erfahren genug, um nicht nervös zu werden. Ich weiß, dass ich noch zur Spitze aufschließen kann. Das merke ich im Training."

Uhrmann übte mit Schusters A-Kader zuletzt "so richtig gut" in Lillehammer, klagte am Ende aber ebenso über kleine Blessuren wie Schmitt, den eine Reizung im rechten Knie nervt.

Zu großer Spagat für Schuster?

"Die Alten über 30 müssen für den Erfolg körperlich viel investieren, aber das Ziel Vancouver hält die Motivation hoch", sagt Schuster.

Die an ihn gerichteten Erwartungen nennt er "schwierig. Ich soll junge Springer rasch in die Weltspitze führen, obwohl mir eine ganze Generation zwischen 20 und 28 Jahren fehlt. Und mit den wenigen verbliebenen Alten soll ich möglichst Medaillen holen. Das ist ein Spagat, für den ich fast nicht beweglich genug bin."

Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel