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Martin Schmitt wurde bei der WM in Liberec Vizeweltmeister auf der Großschanze © getty

Ohne einen einzigen Schneesprung startet der Vizeweltmeister in die neue Saison. Der Coach sieht ihn noch nicht als Siegspringer.

Klingenthal - Martin Schmitt sucht das Gespür für Schnee. Der Vizeweltmeister geht erstmals in seiner Karriere ohne einen Schneesprung in die Saison, in der Vorbereitung landete der Routinier stets auf den borstigen grünen Matten.

"Das ist absolut neu für mich. Aber in Skandinavien ist die Schneesituation nicht so gut, sodass es keine Alternative gab", sagt Schmitt.

Statt bereits lange vor dem ersten Weltcup nach Kuusamo (ab Fr., 17 Uhr LIVE) zu reisen und dort mit anderen Springern um Trainingszeiten zu feilschen, zogen sich die deutschen Adler ins sächsische Klingenthal zurück, um sich den Feinschliff für den Olympiawinter zu holen (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

Hier habe man, sagt Schmitt, sehr gute Bedingungen und erspare sich den Reisestress. Der einzige Unterschied zum Winter sei die Landung, die eben nicht auf Schnee erfolgt.

Es kribbelt bereits

Bundestrainer Werner Schuster kommt der Schneemangel zugute. Der Österreicher liebäugelte schon lange mit einer anderen Vorbereitung.

"Ich will die Jungs raus aus der Komfortzone holen und neue Reize setzen", erklärt Schuster. "Ich merke schon das Kribbeln bei den arrivierten Springern. Für sie ist das natürlich ungewohnt."

In Kuusamo warten Dunkelheit und Kälte

Man müsse den Standortvorteil in Deutschland mit relativ vielen Anlangen einfach mal nutzen. "Wir haben aus der Not sozusagen eine Tugend gemacht. Hier können wir unser Training selbst gestalten, müssen keine Rücksicht nehmen."

Außerdem seien die Dunkelheit und Kälte Kuusamos auch nicht gerade zuträglich für die Psyche.

Wer hat's erfunden? Die Schweizer

Erfunden haben die neue Version der Saisonvorbereitung im vergangenen Jahr die Schweizer. Simon Ammann und Andreas Küttel blieben trotz Schneemangels in Einsiedeln und trainierten auf Matten. Ammann gewann prompt den Auftakt in Kuusamo, Küttel wurde später vor Schmitt Weltmeister.

Siege erwartet Schuster ab kommenden Freitag von seinen Athleten im dunklen und bitterkalten Finnland allerdings nicht.

Dafür sind vor allem Schmitt und Michael Uhrmann noch zu weit von ihrem Top-Niveau entfernt. Ein Platz in den Top 10 soll im Einzel herausspringen, am ehesten traut Schuster das derzeit Michael Neumayer zu.

Konditionsbolzen zu Lasten von Technik

Dass die gute Form noch ein Stück weit weg ist, liegt auch an der umgestellten Vorbereitung auf die Saison. Da der Winter mit Vierschanzentournee, Olympia und Skiflug-WM gleich drei weit auseinander liegende Höhepunkte hat, arbeiteten die deutschen Adler intensiver an der Kondition.

"Das geht dann natürlich zu Lasten des technischen Bereichs. Ich reagiere da relativ sensibel drauf, so dass ich noch keine hohe Qualität Sprung für Sprung erreiche" sagt Schmitt.

Für den 31-Jährigen aus Furtwangen ist die Rückkehr in die Weltspitze allerdings nur eine Frage der Zeit. "Ich bin da realistisch genug und lasse mich nicht verrückt machen."

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