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Werner Schuster erreichte beim Weltcup 1987/1988 in Sapporo den zweiten Platz © getty

Werner Schuster spricht vor dem Saison-Auftakt in Kuusamo bei Sport1.de über die Vorbereitung und die Saisonziele.

Von Rainer Nachtwey

Herzogenaurach - Er war in der letzten Saison der Heilsbringer für die deutschen Skispringer: Werner Schuster.

Der Österreicher löste im März 2008 Peter Rohwein als Bundestrainer ab. Anschließend ging es mit den DSV-Adlern bergauf.

Martin Schmitt holte bei der Nordischen Ski-WM in Liberec mit Silber erstmals seit 2001 in Lahti wieder eine WM-Einzel-Medaille für die deutschen Skispringer.

Zudem platzierte sich der Schuster-Schützling als Sechster im Gesamt-Weltcup wieder unter den Top Ten. "Das ist für mich Weltklasse", analysiert Schuster bei Sport1.de.

Schuster hat die Antworten

Bei seinen Schützlingen genießt der ehemalige Springer, der am bekannten Skigymnasium in Stams unter anderem Gesamt-Weltcup-Sieger Gregor Schlierenzauer trainierte, großen Respekt.

"Werner wusste auf meine Fragen immer Antworten. Er hat eine unglaubliche Fachkompetenz", lobte Schmitt den Bundestrainer gegenüber Sport1.de in höchsten Tönen.

Vor dem Auftakt in die Olympia-Saison in Kuusamo (Fr., ab 17 Uhr LIVE) spricht Schuster im Interview mit Sport1.de über die Vorbereitung, die Herangehensweise an die Olympischen Spiele in Vancouver und die Saisonziele (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender).

Sport1.de: Herr Schuster, in der letzten Saison haben Sie Martin Schmitt wieder in die Weltspitze geführt. Welcher deutsche Springer wird es dieses Jahr sein?

Werner Schuster: Das ist eine spannende Frage. Letztes Jahr haben wir aus einer recht schwierigen Situation sehr viel rausgeholt. Es ist eine tolle Demut dagewesen, eine tolle Einstellung von allen Seiten. Es war ein gutes Miteinander. Der Martin hat sich kontinuierlich über den Sommer entwickelt und konnte dann an die Spitze anschließen. Wir versuchen an die Ziele, die wir letztes Jahr formuliert haben, anzuknüpfen. Aber wer sich in letzter Konsequenz als Führungspersönlichkeit herauskristallisiert, das weiß ich nicht. Martin hat sicher gute Chancen. Ich bin froh, wenn es mindestens einer ist.

Sport1.de: Was haben Sie anders gemacht als Ihr Vorgänger Peter Rohwein, damit dieser Leistungssprung gelang?

Schuster: Das kann ich nicht sagen, weil ich nicht genau weiß, was der Peter Rohwein gemacht hat. Man sollte die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen. Wir haben mit einem neuen Team ein zukunftsträchtiges Konzept angepackt, wir haben die Unterstützung des Deutschen Skiverbandes - ich hoffe das bleibt so. Wir sind in einem spannenden Prozess. Der Martin hat letztes Jahr im Sommer davon profitiert. Wir müssen alles aufwenden, um die Spitze zu halten. Und ich hoffe, dass wir für Olympia eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbringen.

Sport1.de: Welche Erwartungen stellen Sie an die Athleten?

Schuster: Im Moment gehe ich mit gemischten Gefühlen da rein. Es hat nicht alles im Sommer geklappt was wir wollten. Wir haben einen neuen Aufbau gemacht, der auch so kalkuliert war, dann kamen ein paar individuelle Probleme dazu. Im Moment wissen wir noch nicht wo wir stehen. Wir sind nach wie vor in einem Prozess, in dem wir diese individuellen Probleme auch lösen müssen. Bei Martin, der in ein kurzes Tief gerutscht ist, haben wir einen sehr fundierten Aufbau gemacht und ich bin mir sicher, dass es sich ausgeht. Aber möglicherweise müssen wir bis zur Tournee warten.

Sport1.de: Was sind denn Ihre Ziele?

Schuster: Es ist wichtig, dass wir die Athleten unter die ersten Zehn bekommen. Das ist für mich dann Weltklasse. Wir haben ja vier Arrivierte. Ich hoffe auch, dass Georg Späth sich so weiter entwickelt, wie er es im Sommer begonnen hat. Dann habe ich hier eine Verstärkung. Ich hoffe auch, dass wir mit dem ein oder anderem Jungen auch aufschließen können. Andreas Wank und Pascal Bodmer sind auf einem guten Weg. Wir müssen aber erstmal Leute unter die ersten Zehn kriegen. Mit diesem Selbstwertgefühl wollen wir dann den Weltcup bestreiten. Nur aus dieser Teamstärke heraus können wieder Spitzenleistungen entstehen.

Sport1.de: Wie ist denn die Vorbereitung aufgebaut? Nur die zwei Highlights Vier Schanzen-Tournee und Olympia?

Schuster: Didier Cuche hat nach seinem Sieg in Sölden gesagt: "Wer bei Olympia gut sein will, der muss auch davor schon gut sein." So ist das auch beim Skispringen. Man kann sich nicht nur auf ein Rennen oder ein Springen konzentrieren. Das können vielleicht Ausdauer-Sportler machen, die so eine Peak-Performance hinkriegen, aber in koordinativ-komplexen Sportarten lebt man sehr stark vom Selbstvertrauen. Und da sind Vorleistungen schon sehr gewinnbringend.

Sport1.de: Wie sind Sie die Vorbereitung angegangen?

Schuster: Wenn möglich schließt man gleich am Anfang an die Vorjahresleistungen an. Aber speziell geht es jetzt mal um die Tournee. Die ist entscheidend und die hat international auch am meisten Beachtung. Es ist eine Veranstaltung vor der Haustüre, bei der wir letztes Jahr gute Leistungen gebracht haben. Wenn wir die Tournee dann hoffentlich erfolgreich hinter uns haben, können wir die Planungen für Olympia beginnen.

Sport1.de: Welche Erwartungen stellen Sie an sich selbst?

Schuster: Die sind sehr komplex. Ich versuche inhaltliche Ziele zu formulieren. Aber ich bin nicht in der Lage, zu sagen, es sind irgendwelche Dinge abzuholen. Schließlich sind bei anderen Verbänden auch hervorragende Sportler. Ich habe selbst welche von ihnen trainiert, ich weiß was sie leisten können.

Sport1.de: Welche Rolle spielt dabei die Mannschaft?

Schuster: Mir ist es wichtig, dass das Team funktioniert, dass wir unsere inhaltlichen Ziele erreichen, dass wir konstruktiv bleiben und wir eine positive Einstellung vorleben. Wichtig ist auch, dass wir am richtigen Hebel ansetzen, die richtigen Leute integrieren und dann kann eine Eigendynamik entstehen, wo wir definitiv zu Spitzenleistungen fähig sind. Hier möchte ich den Überblick bewahren, ruhig und kompetent vorgehen, wie es eigentlich mein Naturell ist. Das ist mir das Allerwichtigste. Dann kommen auch die Resultate von selbst.

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