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Martin Schmitt gewann vergangene Saison bei der WM die Silbermedaille © imago

Das DSV-Team verpasst in Kuusamo knapp die Sensation. Martin Schmitt lässt den möglichen Sieg liegen, ein Youngster begeistert.

Kuusamo - Martin Schmitt schüttelte enttäuscht den Kopf, obwohl Deutschlands Skispringer mit Platz zwei und dem besten Resultat seit fast fünf Jahren einen Traumstart in den Olympiawinter erwischt hatten.

Im letzten Sprung eines spannenden Teamspringens in Kuusamo verschenkte der Vizeweltmeister mit einem missglückten Flug auf 123 Meter eine Führung von fast 20 Punkten und den greifbar nahen Triumph über die Überflieger aus Österreich.

"Wenn man eine Chance hat, dann sollte man sie auch packen. Aber Martin ist von der Situation überrascht worden. Da war die Angst wohl noch zu groß", sagte Bundestrainer Werner Schuster: "Aber was die Mannschaft geleistet hat, war fantastisch. Das hat uns niemand zugetraut."

14,4 Punkte lag das Quartett mit Schmitt, dem überragenden Nachwuchstalent Pascal Bodmer, Michael Uhrmann und Michael Neumayer nur hinter dem in den vergangenen Wintern noch haushoch überlegenen Olympiasieger und Weltmeister.

Fünf Deutsche beim Einzelspringen

Auch für das Einzelspringen am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) stehen die deutschen Chancen für die fünf qualifizierten deutschen Springer gut. Schmitt weckte in der Qualifikation mit einem starken Sprung genauso Hoffnungen auf eine Top-Platzierung wie Bodmer.

Nur Georg Späth (Oberstdorf) schied bei seinem Weltcup-Comeback nach langer Knieverletzung nach einem Hüpfer auf 92 Meter als 49. aus.

Es blieb bis zum missglückten Sprung von Schmitt der einzige Ausrutscher an einem Tag, als die deutschen Adler an alte Glanzzeiten anknüpften.

Schmitt: "Vielleicht wollte ich zu viel"

Ein besseres Resultat hatte es zuletzt am 8. Januar 2005 gegeben, als ein deutsches Team in Willingen seinen letzten Team-Sieg im Weltcup gefeiert hatte.

"Vielleicht wollte ich einfach zu viel", erklärte Schmitt: "Trotzdem brauchen wir uns vor niemandem mehr zu verstecken. Bei uns stimmt zu so einem frühen Zeitpunkt schon sehr viel. Und wir haben noch Reserven."

Das betraf besonders seinen letzten Sprung, als der Routinier wie schon im Teamspringen der WM die Nerven verlor. Der Österreicher Thomas Morgenstern hatte 139 Meter vorgelegt, Schmitt hüpfte 16 Meter kürzer.

Bodmer fliegt Schlierenzauer davon

Zuvor hatte der 19 Jahre junge Pascal Bodmer die Tür zum Sieg weit aufgestoßen, als er Gesamtweltcupsieger Gregor Schlierenzauer unglaubliche 23 Meter abnahm.

"Der Blick auf die Anzeigetafel macht richtig Spaß. An die 1 kann man sich gewöhnen", sagte Bodmer, der mit 138,5 und 135 Metern bester Deutscher war: "Ich habe mir vor der Saison bewusst hohe Ziele gesetzt, damit endlich mal was vorwärts geht."

Bundestrainer Schuster zufrieden

Deshalb war Bundestrainer Werner Schuster vor diesem Winter ein hohes Risiko gegangen und hatte erstmals auf ein Schneetrainingslager verzichtet. "Ich wollte gerade bei den älteren Athleten eingefahrene Muster aufbrechen und den Reisestress minimieren", sagt Schuster: "Es hat perfekt funktioniert."

Die im vergangenen Winter noch klar besseren Nationen wie die drittplatzierten Finnen hatte an diesem Tag keine Chance gegen die Deutschen. Das Quartett ließ sich auch von den Wetterkapriolen nicht verunsichern, die zur Wiederholung einer Gruppe im ersten Durchgang gezwungen hatten.

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