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Pascal Bodmer gewann mit dem Team Gold bei der Skisprungjunioren-WM 2008 © getty

Die "alten Hasen" im Team ziehen den Hut vor dem Newcomer. Bundestrainer Schuster traut ihm in der Olympia-Saison noch viel zu.

Kuusamo - Selbst Martin Schmitt zog den Hut vor dem sensationell auf Platz zwei geflogenen Nobody Pascal Bodmer und trank bei der Feier im Colorado-Pub von Ruka ein Bier auf seinen Zimmerkollegen.

"Pascal ist unglaublich", sagte der Vizeweltmeister nach dem Traumstart in den Olympiawinter: "Er hat sich nie aus der Ruhe bringen lassen und das eiskalt durchgezogen."

Der 18-jährige Blondschopf sorgte in der finnischen Dunkelheit für das beste Weltcup-Resultat der deutschen Skispringer seit fast drei Jahren und führte die auch im Teamspringen zweitplatzierten deutschen Adler auf breiter Front zurück in die Weltspitze.

Von Platz acht nach Vorne

"Ich bin sehr glücklich über diesen Tag und muss erstmal eine Nacht darüber schlafen", sagte Bodmer und schaute mit einem ungläubigen Lächeln immer wieder auf die Ergebnisliste.

Mit der Tagesbestweite von 141 Metern war er von Platz acht nach dem ersten Durchgang noch nach vorne geflogen und stand am Ende neben dem siegreichen Skiflug-Weltrekordler Björn Einar Romören auf dem Podium.

Der Norweger zollte Bodmer seinen Respekt: "Dass es so eine junge Überraschung aus Deutschland gibt, tut dem ganzen Skispringen gut".

Zweiter Platz kein Zufall

Dass Bodmer unter anderem den drittplatzierten Weltmeister und Tourneesieger Wolfgang Loitzl schlug, war nach seiner Serie von starken Flügen alles andere als ein Zufall: "Ich hoffe, dass ich damit was ausgelöst habe."

Weltcup-Zweiter war als letzter deutscher Skispringer zuletzt Michael Uhrmann am 10. Februar 2007 in Willingen gewesen.

Uhrmann Vierter

Der 31-Jährige verfehlte diesmal als Vierter das Podest um einen Punkt, strahlte nach seinem besten Resultat seit damals aber trotzdem übers ganze Gesicht: "Der Bub tut uns echt gut. Jetzt ist endlich mal ein Junger da, der uns Alte mitzieht. Das ist auch für uns Ansporn, dass wir Gas geben."

Platz 13 für Schmitt (31) und Platz 15 für Michael Neumayer (30) unterstrichen diese Feststellung.

"Ganz andere Dynamik drin"

"Das sollten wir und Skisprung-Deutschland mal so richtig genießen", sagte Bundestrainer Werner Schuster:

"Nach diesem Start, der alle Erwartungen übertroffen hat, ist jetzt eine ganz andere Dynamik drin. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen, aber Pascal kann schon noch einige Highlights in diesem Winter setzen."

Erinnerungen an Hocke

Eine freche deutsche Hoffnung a la Bodmer hatte es zuletzt vor acht Jahren gegeben, als Stephan Hocke mit damals ebenfalls 18 Jahren einen Weltcup gewann.

Im gleichen Winter wurde er Team-Olympiasieger, und wenn es in zweieinhalb Monaten in Vancouver ähnlich laufen würde, hätte sicher niemand etwas dagegen.

Bodmer - vor seiner Leistungsexplosion war ein 19. Platz im Weltcup seine beste Platzierung - strotzt jedenfalls vor Selbstbewusstsein und will von der Sternschnuppe zum Fixstern werden.

Medaille im Blick

"Ich hoffe, das wird mein Jahr. Schließlich kommt Olympia, und da will ich vielleicht eine Medaille gewinnen", sagte Bodmer und fügte hinzu:

"Bisher habe ich ja noch nicht gewonnen, das ist jetzt das Ziel."

Schon nach seinem doppelten zweiten Platz konnte sich der Youngster vor Glückwunsch-SMS kaum retten, auch über die Verwendung der 13.500 Schweizer Franken (ca. 9000 Euro) Preisgeld musste Bodmer erst nachdenken.

Zimmerkollege Schmitt

Sicher kann ihm da aber der viermalige Weltmeister und zweimalige Gesamtweltcupsieger Martin Schmitt helfen, der mit dem 13 Jahre jüngeren Kollegen seit kurzem Deutschlands bestes "Fliegerzimmer" teilt.

"Sie verstehen sich gut. Martin kann ihm zeigen, wie man damit umgeht", sagte Schuster:

"Aber Martin kann auch von Pascals Frechheit profitieren." Schon jetzt sagt Pascal Bodmer ungerührt, dass Martin Schmitt für ihn vom Vorbild zum Kollegen geworden ist.

Mit dem man nach einem Erfolg eben gern ein Bier trinken geht.

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