Die Großen des Skisprungs verblassen bei Olympia 1988 in Calgary neben einem krassen Außenseiter. Wolfgang Kleine blickt zurück.

Was waren das für Skispringer: Matti Nykänen, Jens Weißflog!

Der Finne gewann bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary dreimal Gold, der Deutsche gewann viermal die Vierschanzentournee - die Veranstaltung, bei der sich Weißflogs Landsleute derzeit mehr oder weniger blamieren.

Doch Nykänens und Weißflogs Leistungen wurden kurzzeitig in den Schatten gestellt. Von einem, der auszog, das Springen zu lernen: Michael Edwards, genannt "Eddie the Eagle".

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Der heute 46-jährige Engländer hatte in Calgary seine großen Auftritte. Die Fans im Stadion und vor den Fernsehschirmen mussten schon schmunzeln, wenn sie ihn mit der dicken Hornbrille und dem Grinsen auf dem Sprungturm sahen.

"Eddie the Eagle" flog nicht, er flog aber auch nicht hin. Er hüpfte nur.

Sieger Nykänen brachte die Leistung, Edwards sorgte für die Show.

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Eddie wurde Kult, die Fans waren aus dem Häuschen, wenn er über den Bakken rutschte, leicht abhob und schon nach 73,5 Metern wieder unbeholfen landete.

Es war britischer Rekord.

Selbst US-Präsident Ronald Reagan unterbrach eigens Sitzungen, um den "Eagle" fliegen zu sehen.

Die Herzen flogen dem Engländer aus Cheltenham zu - zum Verdruss der Topspringer, die sich auf den Arm genommen fühlten.

Doch die Fans jubelten, sie wollten immer wieder "Eddie the Eagle" sehen. Edwards erinnert sich.

"Die wollten mich gern als Cartoonfigur betrachten", erklärte er dem "Telegraph".

Edwards erinnerte in seinem Ehrgeiz an "Cool Runnings", an den jamaikanischen Viererbob, der anfangs auf der Sonneninsel trainierte und später in Calgary startete.

Edwards hatte sein Ziel und erreichte es. Allerdings spielte er auch unfreiwillig mal den Komiker.

Direkt nach der Ankunft in Calgary war ihm am Gepäckband des Flughafens der Koffer aufgesprungen. Heraus flogen Thermo-Unterwäsche und bunte Satinschlüpfer.

Als er verzweifelt versuchte, die Sachen einzusammeln, knallte die Brille auf den Boden und zerbrach. Beim Aufheben der Brille platzte dann auch noch die Hosennaht. Und als Edwards mit Koffer dann den Raum verlassen wollte, knallte er noch mit dem Kopf vor die Glastür.

Die versammelten Fans jubelten. Sie waren begeistert und hielten ihr Plakat hoch: "Willkommen in Calgary, Eddie the Eagle!"

Ja, was waren das für Zeiten?

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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