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Martin Schmitt feierte 28 Weltcupsiege. Der letzte liegt jedoch acht Jahre zurück © imago

Der Schweizer siegt auch bei der Skifliug-WM, die DSV-Adler erleben ein historisches Debakel. Uhrmann erklärt das trotzig.

Planica - Als Simon Ammann seine perfekte Saison mit dem Weltmeistertitel im Skifliegen krönte, hatten die deutschen Skisprung-Statisten längst ein historisches Debakel erlebt.

"Wir sind Lichtjahre von der Weltspitze entfernt", sagte Bundestrainer Werner Schuster nach dem schwächsten deutschen Ergebnis der WM-Geschichte treffend. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Michael Uhrmann belegte bei der großen Flugshow vor 35.000 Fans als bester Deutscher Platz 19, Martin Schmitt wurde 21. - damit scheint auch die anvisierte Team-Medaille illusorisch.

"Olympiamedaille kann uns keiner nehmen"

Uhrmann hat aber weiter Hoffnung auf einen perfekten Saisonabschluss: "Wir sind so weit weg, dass wir völlig ohne Druck springen können. Die anderen sollen sich einen Kopf machen, wir haben die Silbermedaille von Olympia und die kann uns niemand mehr nehmen."

Das deutsche Team habe Richtung Vancouver richtig Gas gegeben, danach sei alles abgefallen und "wir sind halt jetzt 10 bis 15 Plätze weiter hinten".

Michael Neumayer landete auf Platz 22, Talent Richard Freitag wurde 28.

Bei der bis dato schwächsten WM vor zwei Jahren in Oberstdorf hatte Schmitt immerhin noch Platz 15 belegt.

Uhrmann sammelte diesmal in seinen vier Flügen 745,7 Punkte und hatte damit unglaubliche 190 Punkte - umgerechnet 160 Meter - Rückstand auf den neuen Weltmeister Ammann (935,8).

Schlierenzauer und Jacobsen auf den Plätzen

Der Schweizer Überflieger holte damit nach zweimal Olympiagold und dem Gesamtweltcup-Sieg auch den letzten Titel der Saison.

"Alle meine Träume haben sich erfüllt. Das ist genial", sagte er. Und fast hätte er sich auch noch den Weltrekord geholt, denn bei seinen 236,5 Metern im letzten Sprung der Konkurrenz fehlten ihm nur 2,5 Meter zur Bestmarke des Norwegers Björn Einar Romören.

"Simi hatte seit Ende Januar alles im Griff, da muss man sich für den nächsten Winter was überlegen", sagte Uhrmann.

Hinter dem zweiten Schweizer Skiflug-Weltmeister nach Walter Steiner holte Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer (910,3) Silber.

Der Norweger Anders Jacobsen (894,0) schnappte dem nach dem ersten Sprung noch führenden Polen Adam Malysz mit 0,4 Zählern Vorsprung Bronze weg.

"Wir sind einfach zu schwach"

Und die unglaubliche Kulisse trauerte mit dem nur auf Platz fünf gelandeten Lokalmatador Robert Kranjec.

Der Ansturm der Fans ließ im schmalen Planica-Tal und dem gesamten Umfeld den Verkehr für Stunden zusammenbrechen.

Die vor allem aus dem nahen Österreich, Polen und ganz Slowenien angereisten Zuschauer mussten teilweise Kilometer zur größten Schanze der Welt laufen, da alle Parkplätze belegt waren.

Eine Helikopter-Firma machte mit Flügen für 50 Euro vom nahegelegenen Kranjska Gora ein Riesengeschäft.

Viele Fans waren schon in den Morgenstunden restlos betrunken - und bekamen so vom deutschen Debakel nicht mehr viel mit.

Schuster: "Wir müssen uns in nächster Zeit mal grundsätzlich mit dem Skifliegen beschäftigen. Wir sind einfach zu schwach."

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