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Martin Schmitt holte 2002 in Salt Lake City mit dem Team Olympia-Gold © getty

Diesmal wirft das Material Martin Schmitt weit zurück. Der Ausrüster lässt ihn im Stich, Ammanns Revolution verschärft die Lage.

Klingenthal - Erst das Erschöpfungssyndrom, dann die Trennung von seiner langjährigen Freundin, jetzt Sorgen um Material und Form - "Problemfall" Martin Schmitt macht 2010 wieder einmal ganz schwere Zeiten durch.

Auf der Habenseite steht nur das Team-Olympiasilber von Vancouver, doch von ähnlichen Erfolgen ist der 32 Jahre alte Skispringer acht Wochen vor Beginn des WM-Winters noch meilenweit entfernt.

"Martin hat große Schwierigkeiten. Er macht zu viele technische Fehler und die Skitestphase hat länger als erwartet gedauert", sagt Werner Schuster.

Deshalb verzichtete der Bundestrainer beim Sommer-Grand-Prix am Freitag in Liberec auf den Routinier.

Schmitts Auftritte ein Desaster

Nur im Finale der Sommerserie in Klingenthal wird Schmitt am Sonntag springen, aber Schuster erwartet nicht besonders viel von ihm:

"Er muss teilnehmen. Aber er ist noch nicht auf dem Niveau, wo er was gewinnen kann."

Das ist sehr freundlich umschrieben, denn Schmitts Auftritte beim Grand Prix waren bislang schlichtweg ein Desaster. Beim Auftakt in Hinterzarten verpasste er als 42. die Qualifikation, in Einsiedeln/Schweiz als 39. die Punkteplätze.

Fast zwei Monate später ist der Schwarzwälder nicht viel weiter, denn er hat die ganze Zeit nach dem perfekten Material gesucht.

Schmitt hofft auf neues Modell

Das ist deshalb besonders schwierig gewesen, weil sich seine Skifirma (Atomic) aus dem Fliegerbereich zurückgezogen hat.

Zudem musste das gesamte Bindungssystem umgestellt werden, da Doppel-Olympiasieger Simon Ammann mit seiner raffinierten Stabbindung eine technische Revolution ausgelöst hat.

Auch Schmitt springt jetzt mit dem neuen Modell, hofft allerdings noch auf die bis zum Winterbeginn angekündigte Weiterentwicklung vom Institut für die Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin.

"Martin kann es schon schaffen"

Ob das einen Fehlstart in den Winter verhindern kann, ist eher fraglich. Aber Chefcoach Schuster bleibt optimistisch:

"Martin kann es schon schaffen, obwohl er technisch viele Baustellen hat. Er ist körperlich gut beisammen und hat eine gute Farbe im Gesicht."

Das ist insofern bemerkenswert, weil der abgemagerte und müde Flieger zu Jahresbeginn vor Olympia vier Wochen wegen eines Erschöpfungssyndroms pausieren musste.

"Ich entscheide von Jahr zu Jahr"

Auch die im Mai publik gewordene Trennung von seiner Lebensgefährtin Patricia Steiner nach sieben Jahren hatte sicher nicht unbedingt zu einem Stimmungsaufschwung beigetragen.

Es ist noch unklar, ob der kommende Winter vielleicht der letzte in Martin Schmitts langer und wechselvoller Karriere sein wird.

"Ich entscheide von Jahr zu Jahr", hat er immer wieder gesagt: "Vielleicht bin ich bei Olympia 2014 in Sotschi noch dabei, vielleicht schaue ich mir das auch daheim am Fernseher an."

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