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Martin Schmitt gewann mit dem Team in Vanouver Olympia-Silber © getty

Die deutschen Skispringer nutzen beim Weltcup-Auftakt erstmals Ammanns Erfindung. Bei Schmitt "zeigen die Pfeile nach oben".

Kuusamo - Eine Wunderbindung für neue Höhenflüge: Mit einem gebogenen Aluminiumstab unter den Füßen wollen Martin Schmitt und Co. wieder in die Weltspitze fliegen.

Beim Weltcup-Auftakt ab Freitag im bitterkalten Kuusamo ( Teamspringen Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) steht für die auf der Erfindung von Simon Ammann basierende Neuentwicklung der Härtetest an.

Selbst der stets rational abwägende Vizeweltmeister und Team-Olympiazweite Schmitt wandelt im Herbst seiner Karriere technisch noch einmal auf neuen Pfaden.

"Wenn ich angreifen will, muss ich ein paar Dinge verändern. Mit der neuen Bindung gehe ich ein Risiko ein, aber das ist bewusst gewählt", sagt Schmitt.

Bob-Goldschmiede helfen

Spätestens nachdem Ammann der Konkurrenz bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver meterweit weggeflogen war, hatte man im Deutschen Skiverband (DSV) die Zeichen der Zeit erkannt.

Mit dem Berliner Forschungsinstitut FES, das sich als Goldschmied der deutschen Bobfahrer und Rodler einen Namen gemacht hatte, wurde eine Kooperation vereinbart.

Bundestrainer Werner Schuster ist von den ersten Ergebnissen begeistert. "Erst im Sommer haben wir hundertprozentig losgelegt. Die Zusammenarbeit bietet uns fantastische Möglichkeiten", sagt der Österreicher.

Bindungsbasteln statt Anzug-Doping

Alle Springer seines Teams nutzen die neue Bindung, bei der ein gebogener Stab das bisher verwendete Band ersetzt.

Dadurch dreht sich der Ski in der Luft nicht mehr weg und der Springer verfügt über eine größere Tragfläche.

Die Bindung habe laut Schuster jahrelang im Dornröschenschlaf gelegen, während an Skiern und Anzügen getüftelt wurde. Nun sei ein Paradigmenwechsel vollzogen.

Umstellung nicht einfach

Dieser Wechsel ist allerdings kein Selbstläufer. "Man kann nicht einfach die neue Bindung montieren und fliegt dann zehn Meter weiter", erläutert Schuster.

Nicht alles was machbar sei, sei auch sinnvoll. "Und speziell für ältere Athleten kann die Umstellung schwierig sein."

Spezielles Krafttraining für Schmitt

Bei Schmitt ist Schuster allerdings optimistisch. Das neue Konstrukt soll dem Vizeweltmeister wieder Flügel verleihen und regelmäßig Podesplätze im Weltcup sichern.

Neben der Technik hat der 32-Jährige viel in den eigenen Körper investiert. Der aus Österreich abgeworbene Trainingswissenschaftler Harald Pernitsch verordnete ihm ein spezielles Krafttraining.

Außerdem bringt Schmitt durch das vom Weltverband angehobene individuelle Mindestgewicht wieder 1,5 Kilo mehr auf die Waage.

Pfeile zeigen nach oben

Bei einer Größe von 1,82 Metern wiegt der viermalige Weltmeister nun 64 Kilo. Im vergangenen Jahr musste sich der vom ständigen Abnehmen entkräftete Schmitt noch einen Monat von allen Wettkämpfen zurückziehen.

Diese Phase ist engültig überwunden. "Seit Mitte Oktober zeigen bei Martin alle Pfeile deutlich nach oben", sagt Schuster.

Bis in die absolute Weltspitze sei es aber ein schwieriger Weg.

Vierschanzentournee als Hauptziel

In Kuusamo erwartet Schuster noch keine Wunderdinge - von keinem seiner Athleten: "Aber spätestens bei der Vierschanzentournee wollen wir uns besser präsentieren als letztes Jahr. Das ist mir ein persönliches Anliegen."

Im vergangenen Jahr war Pascal Bodmer in Kuusamo völlig überraschend auf Platz zwei geflogen. "Das war ein Raketenstart, aber leider kam danach nicht mehr viel", meint Schuster.

Ein guter Auftakt sei zwar wichtig, doch das Niveau über den ganzen Winter zu halten, sei deutlich wertvoller. Dank der neuen Bindung sind die DSV-Adler zumindest technisch voll auf Augenhöhe.

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