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Stephan Hocke gewann zuletzt drei Springen im zweitklassigen Continentalcup © imago

Frisch aus der Kaderlosigkeit erlöst, beeindruckt der 27-Jährige mit seinem besten Weltcup-Ergebnis seit sechs Jahren.

Engelberg - Er war in der Versenkung der Zweitklassigkeit verschwunden. Jetzt hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet

Stephan Hocke hat mit Platz fünf im Schweizer Engelberg sein bestes Weltcup-Ergebnis seit fast sechs Jahren gefeiert - und überzeugte dabei nicht als einziger DSV-Adler.

Severin Freund war als Achter sogar so gut wie nie zuvor in seiner noch jungen Karriere. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Michael Neumayer, Pascal Bodmer und Richard Freitag auf den Plätzen 13, 19 und 21 komplettierten das beste Mannschaftsergebnis der Saison, aus dem einzig Michael Uhrmann herausfiel, der das Finale verpasste.

Bundestrainer Schuster ist zufrieden

"Das war der richtige Turbo zur richtigen Zeit, den diese Mannschaft braucht. Wir können jetzt doch zuversichtlich in das erste Tourneespringen gehen, auch wenn nach einem guten Springen nicht alles gut ist", sagte Werner Schuster.

Der Bundestrainer blieb verhalten optimistisch, hatten sich seine Athleten in Engelberg und zuvor doch allzu flügellahm präsentiert.

Am Samstag, als der Österreicher Thomas Morgenstern mit seinem vierten Sieg hintereinander in die Rolle des Tournee-Favoriten schlüpfte, waren Hocke und Freund auf den Plätzen 16 und 18 noch die besten Deutschen.

Am Sonntag beendete Andreas Kofler die Siegesserie seines diesmal nur zweitplatzierten Teamkollegen Morgenstern. Doch neben den Österreichern hatten auch die Deutschen endlich Grund zur Freude.

Hocke im Aufwind

"Es hat mir Riesenspaß gemacht", sagte Hocke strahlend. Der 27-Jährige ist kaderlos und war erst in Engelberg wieder zum Weltcup-Team gestoßen.

Beim dritten Springen dort am Sonntag schnupperte er als Zweiter des ersten Durchgangs sogar am Sieg. "Ich muss weiter an mir arbeiten", meinte er nach dem Finale. Schuster nannte ihn "eine Bereicherung fürs Team".

Dieses hatte sich mit Ausnahme von Freund zuvor allzu verunsichert gezeigt.

Schuster sprach mit Blick auf die Tournee deshalb auch von einer "ungeliebten Außenseiterposition. Aber wir wollen definitiv mit einem Athleten in den Top 10 präsent sein. Das ist unser Anspruch. Und das ist auch möglich."

Auch Neumayer wieder in Form

Hocke, Freund und Neumayer haben ihr Potenzial zumindest angedeutet. Dass Neumayer nach zwei 31. Plätzen wieder vorne mitsprang, freute Schuster besonders. "Er hat noch im letzten Moment etwas geändert, das hat sich ausgezahlt", sagte der Coach.

Zuvor hatte er den Arrivierten, zu denen der 31 Jahre alte Neumayer zählt, noch Konsequenzen für den Fall angekündigt, dass sie nicht bald zurück in die Spur finden.

In Oberstdorf und beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen "müssen alle Farbe bekennen. Da gibt es keine Sentimentalitäten mehr. Da wird knallhart ausgesiebt. Da geht es nicht mehr um Namen", sagte Schuster.

Es könnte sogar Martin Schmitt treffen, der sich gegen einen Start auf der größten Naturschanze der Welt entschieden hatte.

Nun ins Trainingslager nach Oberstdorf

Stattdessen trainierte der 32-Jährige in Lillehammer und hat sich laut Schuster "deutlich stabilisiert. Aber es ist nicht damit zu rechnen, dass er mit einer Woche Training auf einmal ganz nach vorne springt."

Wie Neumayer und der böse abgestürzte Uhrmann muss Schmitt das Trainingslager bis Mittwoch in Oberstdorf nutzen, um sich für die 59. Tournee in Form zu bringen.

Für den Tournee-Sieg, das scheint jedoch klar, wird kein Deutscher infrage kommen. "Der Abstand zu Morgenstern und Kofler ist nach wie vor groß", sagte Schuster.

Dass auf die deutschen "Adler" noch viel Arbeit wartet, belegt eine Statistik: Auch nach dem siebten Weltcup-Springen hat sich noch keiner für die WM in Oslo qualifiziert.

Am 28. Dezember wird es ernst

Schuster hatte die Kriterien dafür verschärft: Zweimal in die Top sechs oder dreimal in die Top zwölf müssen die Kandidaten springen. Unter die besten zwölf hat es neben Hocke und Freund nur Neumayer als Achter von Kuopio geschafft.

Über die Weihnachtsfeiertage gilt es laut Schuster nun, "sich im Wortsinn zu besinnen, damit wir mit frischem Mut wieder herangehen können". Am 28. Dezember wird es dann bei der Qualifikation in Oberstdorf ernst.

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