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Severin Freund springt seit Dezember 2007 im Weltcup © imago

Severin Freund überrascht beim Weltcup in Sapporo sämtliche Top-Stars. Es ist der erste deutsche Sieg seit vier Jahren.

Sapporo - Bundestrainer Werner Schuster jubelte auf dem heimischen Sofa, Severin Freund schüttelte nach seinem Sensations-Sieg nur ungläubig den Kopf.

Der 22-Jährige hat in Sapporo den ersten Weltcup-Triumph seiner Karriere gefeiert und die fast vier Jahre währende deutsche Durststrecke beendet. "Dieser Moment tut unglaublich gut, das ist ein unglaublich schönes Gefühl", sagte der strahlende Sieger. (Freund: Bin nicht der Leader)

Mit einem überragenden zweiten Sprung auf 129 Meter hatte Freund die versammelte Weltspitze düpiert und war von Platz fünf ganz nach vorne geflogen. "Man träumt natürlich immer von einem Sieg, aber damit habe ich einfach nicht gerechnet", meinte Freund.

Uhrmann Fünfter

Noch etwas unbeholfen nahm der Bayer die Glückwünsche entgegen, nachdem er mit letztlich 249,6 Punkten knapp vor Tournee-Sieger Thomas Morgenstern (248,2 Punkte) und Altmeister Adam Malysz (240,5) lag.

Michael Uhrmann belegte hinter Andreas Kofler Platz fünf und komplettierte damit das beste deutsche Resultat in der Ära Schuster.

"Bedeutender Tag"

Eben jener Uhrmann hatte am 28. Januar 2007 in Oberstdorf für den bis dato letzten deutschen Sieg im Weltcup gesorgt. Bundestrainer Schuster hatte die Reise nach Japan nicht mit angetreten und verfolgte das Springen nach einem gemütlichen Frühstück mit den Kindern vor dem Fernseher.

"Es gibt natürlich wichtigere Dinge, aber für unsere kleine Skisprung-Welt ist dies ein bedeutender Tag", sagte Schuster.

Optimale Situation

Freund hatte seine Qualitäten bisher zwar punktuell angedeutet, zwei starke Sprünge in einem Wettkampf waren ihm jedoch noch nicht gelungen. Er müsse noch mental wachsen, hatte Schuster stets entgegnet. In Sapporo bot sich Freund nun die optimale Situation zum ersten Weltcup-Sieg: "Er war Fünfter und konnte komplett ohne Druck springen."

Dabei war Freund nach dem ersten Durchgang noch unzufrieden und hatte die Schanze als mies bezeichnet. Als um knapp 8000 Euro reicherer Sieger urteilte der Management-Student schon gnädiger: "Die Schanze kann schön sein, sie kann aber auch sehr hart sein. Heute war es natürlich sehr schön."

Freunds Vereinskollege Uhrmann lag nach dem ersten Durchgang noch auf Platz drei, verteidigte seinen Podestplatz allerdings nicht. "Von der Qualität her waren meine Sprünge etwas schlechter als bei der Qualifikation. Im ersten Durchgang habe ich beim Absprung ein paar Meter verloren", sagte Uhrmann.

"Unglaubliches Kämpferherz"

Sein daheim weilender Chef Schuster war mit dem Routinier dennoch zufrieden. "Man muss sich mal anschauen, wo Uhrmann vor ein paar Wochen war. Er hat ein unglaubliches Kämpferherz", sagte der Österreicher.

Vor allem mit Blick auf die WM in Oslo, für die bisher nur Michael Neumayer und Freund ihr Ticket sicher haben, dürfte Uhrmanns Leistung Schuster gefreut haben.

Für den Team-Wettbewerb dürften Freund, Uhrmann und Neumayer ihren Platz nach derzeitigem Stand sicher haben. Dahinter ist der Kampf um den letzten freien Platz entbrannt.

Übrige DSV-Springer abgeschlagen

In Sapporo verfehlten die weiteren deutschen Starter allerdings eine Top-Platzierung. Pascal Bodmer (Meßstetten), Stephan Hocke (Schmiedefeld) und Felix Schoft (Partenkirchen) belegte die Plätze 20 bis 22. (Qualität in der Breite - nicht in der Spitze)

Knapp dahinter platzierte sich Richard Freitag (Aue) auf Rang 24.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

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